DAS UNIVERSITÄTSKURATORIUM LEGT BERICHT 2000 VOR Kritik an mangelndem Umgestaltungswillen der Universitäten

Wien (PK) - Das Universitätskuratorium - eine Gruppe deutscher Wissenschaftler, österreichischer Wirtschaftstreibender und eines Architekten unter dem Vorsitz des pensionierten Generaldirektors Erwin Bundschuh - setzt seinen Weg konsequent fort und legte dieser Tage seinen Bericht 2000 (III-108 d.B.) vor, der mit insgesamt 36 Seiten Umfang (gegenüber 17 Seiten im Jahr zuvor) auch das gestiegene Arbeitspensum widerspiegelt.

AKTIVITÄTEN 2000

Die Eigenaktivitäten des Kuratoriums umfassten dabei einen Besuch der Universität Graz am 18. Mai, drei Gespräche mit Bundesministerin Gehrer, die Teilnahme an Fachsymposien in Linz, Wien und Brüssel, "zahlreiche Gespräche mit dem Management", mehrfache Expertengespräche und zahlreiche Arbeitskontakte mit der Sektion VII des bm:bwk. Überdies wurde das Projekt "Datawarehouse" viermal präsentiert. Schliesslich hielt das Kuratorium sechs Plenarsitzungen ab, ebenfalls sechsmal trafen sich diverse Arbeitsgruppen.

Hauptarbeitspunkt waren darüber hinaus die Erstellung eines Evaluierungsgutachtens über die universitären Einrichtungen für Maschinenbau. Kritisch steht das Kuratorium den Hausberufungen gegenüber. Diese würden oft "ohne kritische Begutachtung abgewickelt", sodass aus den "bisherigen Eindrücken und Prüfungen" die "nachdrückliche Empfehlung abgeleitet werden" müsse, "die Schwelle vor Hausberufungen zu erhöhen und auch in der künftigen Vollrechtsfähigkeit den Universitäten die Entscheidung über Hausberufungen nicht allein zu überlassen". Im Berichtszeitraum hatte das Kuratorium erstmals diesbezügliche Anträge zu begutachten. Sechs Anträge wurden eingereicht, in vier Fällen konnte ein Gutachten bis Jahresende abgeschlossen werden, wovon in einem Fall ein positives Urteil abgegeben wurde. Generell vertritt das Kuratorium dabei die Ansicht, dass es gerade der personelle Wandel sei, "der zu einer ständigen Erneuerung von Forschungskraft und Innovationsfähigkeit führt", weshalb Berufungen von außen die Regel sein sollten und Hausberufungen nur dort rechtfertigbar wären, wo nachweislich eine Qualitätsminderung eintreten würde. "Nicht nur in erwiesenen, sondern auch in Zweifelsfällen" werde sich das Kuratorium daher stets gegen eine Hausberufung entscheiden, lautet der ex-ante-Richtspruch der Kuratoren.

Massive Kritik übt das Kuratorium in den Bereichen universitäre Autonomie und Management. Zwar seien im Berichtsjahr "punktuelle Ansätze für eine strategische Planung und personelle Weichenstellung sichtbar" geworden, "allerdings noch in zu hohem Maß ausschließlich verbunden mit der Forderung nach zusätzlichen Mitteln". Von der nötigen Optimierung sei "bisher noch zu wenig zu sehen", was grosso modo daran liege, dass die "Mitbestimmung in ihrer geltenden Form" zu sehr "zur Verteidigung von Partikularinteressen genutzt" werde, das geltende Dienstrecht "notwendige Veränderungen" verhindere und es an "Managementkompetenz, die mit wissenschaftlicher Kompetenz nicht automatisch gegeben ist" mangle.

Dreimal durfte das Kuratorium auch seine Meinung zur Errichtung neuer Studienrichtungen abgeben, wobei das Kuratorium beklagt, nicht genügend Muße zur Prüfung gehabt zu haben, da man ob der Begutachtungsfrist "von wenigen Wochen" unter zeitlichem Druck gestanden sei. Die derzeitige Praxis des Genehmigungsverfahrens für Studienrichtungen gebe dem Kuratorium kaum die Möglichkeit zu einer fundierten Prüfung, heisst es in dem Bericht: "Die vom Gesetzgeber geforderte formale amtliche Prüfung des Antrags nach sieben Kriterien hat wenig Aussagekraft hinsichtlich des entwicklungsplanerischen Nutzens eines Projekts." In den Wochen der Begutachtungsfrist sei fundierte Informationsbeschaffung nicht möglich, "insofern kann das Universitätskuratorium den Begutachtungsauftrag des Gesetzgebers nicht in allen Fällen ordnungsgemäß und in der erforderlichen Weise wahrnehmen."

Entschied das Kuratorium im Falle "Molekulare Biologie an der Universität Salzburg" positiv - das Ministerium lehnte ihn jedoch ab -, so regte es in den Fällen "Informatik" in Salzburg und Klagenfurt an, zuerst eine überuniversitäre Entwicklungsplanung in Angriff zu nehmen. Seitens des Ministeriums wurden die Anträge positiv entschieden, heisst es in dem Bericht.

RAHMENBEDINGUNGEN

Eingebettet in die Berichtsteile des Dokuments sind Analysen des Ist-Zustandes, der internationalen Lage und eine Einschätzung der nächsten möglichen Entwicklungsschritte. Dabei halten die Autoren des Berichts fest, dass es zur noch stärkeren Integration in den europäischen Hochschulraum keine Alternative gibt. Diesen Weg unterstütze das Kuratorium als "sachverständiges Reformgremium". Zu diesem Behufe müssten "als nächste Stufe des Reformprozesses" die Vollrechtsfähigkeit und die Dienstrechtsreform, verknüpft mit qualitativer Weiterentwicklung und Profilbildung, stehen: "Bei aller Anerkennung der geleisteten Arbeit der österreichischen Hochschulen wird doch deutlich sichtbar, dass diese vier Reformfelder unabdingbar verknüpft sind mit einer weiteren Integration Österreichs ins neue europäische Hochschulnetz."

Dieser Prozess werde, so die Kuratoren, ein spannungsreicher sein, zumal bei jenen Universitäten, bei denen "wissenschaftliche Kompetenz und Leitungskultur nicht optimal verknüpft" seien. Ziel des Kuratoriums sei es dabei, anhand ausländischer Beispiele "Anregungen zur Weiterentwicklung von Reformen" zu geben, auch wenn diese die "bisherigen Traditionen in Frage stellen können". Und weiter: "Das Universitätskuratorium warnt davor, notwendige Entwicklungen zu verzögern oder zu versäumen." Dienstrecht und Leitungskultur müssten sich soweit mit den europäischen Trends auseinandersetzen, "dass sie nicht zu Lasten künftiger Wissenschaftler- und Studentengenerationen in ihren alten Strukturen verharren". Dies werde allen Beteiligten auch "weiterhin die Bereitschaft zu zielgenauen Reformen abfordern", wobei sich das Kuratorium selbst als "Anwalt dieser Reformen" sieht.

Ein elfseitiger Essay über "Grundsätzliche Überlegungen zur Entwicklung und Reorganisation des Gesamtsystems" sowie eine Vorschau auf das Jahr 2001 runden den Bericht ab.

(Schluss)

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