Hoffnung für Morbus Crohn-Geplagte - BILD (web)

Neue Langzeittherapie im Test: ausgezeichnete Ergebnisse

Wien (OTS) - "Für Morbus Crohn Patienten gibt es neue Hoffnung:
Das neue Langzeit-Behandlungsschema mit dem bereits bekannten Wirkstoff Infliximab*) hat in Vergleichsstudien ausgezeichnete Wirkung gezeigt. Operationen wegen Morbus Crohn könnten dadurch seltener werden," sagt Prof. Herbert Tilg von der Uniklinik Innsbruck.

10.000 sind in Österreich betroffen

Morbus Crohn ist eine entzündliche, chronische Darmerkrankung, von der in Österreich rund 10.000 Menschen betroffen sind. Prof. Tilg dazu: "Die meisten dieser Patienten bekommen eine medikamentöse Therapie aber viele sind massiv untertherapiert!" Die Krankheit wird von einer 'Fehlschaltung' im Immunsystem hervorgerufen, das sich nicht gegen Krankheitserreger, sondern gegen körpereigenes Gewebe richtet. Die Krankheit zeigt sich durch Durchfälle, Fieber, Gewichtsverlust und starke Bauchschmerzen. Bei fast einem Drittel der Patienten kommt es zu Fisteln, die sich auf angrenzende Organe ausbreiten können. Für die Betroffenen bedeutet das meist eine Operation, bei der Stücke des Darms entfernt werden. "60-70% aller Crohnpatienten benötigen bis jetzt im Laufe ihres Lebens einen operativen Eingriff", sagt Prof. Tilg. Vor allem gegen diese Fisteln wirkt Infliximab, sie bilden sich zurück und die Schleimhaut regeneriert sich.

Ermutigende Studienergebnisse

Der Wirkstoff Infliximab wurde bislang für Kurzbehandlungen eingesetzt, was immerhin zu einer 1- bis 3monatigen Verbesserung des Krankheitsbildes führte. Neue internationale Studienergebnisse werden jetzt die medikamentöse Therapie des Morbus Crohn umkrempeln: "Die Langzeitbehandlung mit Infliximab verspricht dauerhafte Besserung und eine signifikant höhere Lebensqualität. Das ist die erste Therapie, die eine nachhaltige Besserung ermöglicht, statt nur punktuell das Aufflackern des Morbus Crohn zu behandeln", meint Prof. Tilg.

Im Rahmen der Digestive Disease Week in Atlanta, USA wurde Ende Mai die Studie vorgestellt, die sowohl Sicherheit als auch Wirksamkeit einer Dauertherapie mit Infliximab bestätigt. Daran nahmen insgesamt 335 Morbus Crohn Patienten aus den USA und Europa teil, die zuvor positiv auf die

*) Hinweis für die Fachpresse: Handelsname Remicade(r)

Einmaldosis reagiert hatten. Die eine Gruppe bekam durch 30 Wochen Infliximab in einer hohen Dosierung, die zweite bekam es in einer niedrigen Dosierung und die dritte Gruppe erhielt ein Plazebo zur Kontrolle. In der 30. Woche kam es bei jenen Patienten, die mit dem Wirkstoff behandelt worden waren, zweimal so oft zu einem Stillstand der Krankheit wie bei der Vergleichsgruppe, die nur Plazebo erhalten hatte.

Die weiteren, spektakulären Ergebnisse (siehe Grafik): Bei 45% der Patienten, die die höhere Dosis erhalten hatten, kam es zu einer Remission; fast 39% hatten nach der niederen Dosis keine Beschwerden mehr. In der Plazebo-Gruppe kam es nur bei 21% der Patienten zu einem Stillstand der Krankheit.

Alle Patienten, die über längere Zeit mit Infliximab behandelt wurden, berichteten über eine weit bessere Lebensqualität als die Vergleichsgruppe. Grund dafür war einerseits der Rückgang bzw. Stillstand der belastenden Symptome wie z.B. ständige Durchfälle, andererseits der Wegfall weiterer Medikamente. Denn die bei Morbus Crohn oft verabreichten Steroide, die massive Nebenwirkungen haben, wurden überflüssig. Diese Medikamente können Osteoporose, Diabetes, Schlafstörungen und Abhängigkeit hervorrufen. Dazu Prof. Tilg: "Für die Patienten würde es einen großen Unterschied machen, wenn wir in der Behandlung von Morbus Crohn eine Alternative zu den Steroiden haben, und so den Patienten ein unbeschwertes Leben ermöglichen können."

Die Grafik gibt's per e-mail oder ISDN unter 01/505 68 230 (Agentur Krejsa) oder angelika.hoellriegl@krejsa.at.

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Univ.Prof. Dr. Herbert Tilg
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