UNDP-Bericht über die menschliche Entwicklung 2001

Gentechnik wird das Problem des Hungers verschärfen anstatt es zu lösen!

Wien (OTS) - Die unterzeichnenden NGOs der österreichischen Entwicklungspolitik bedauern in hohem Maß die mit dem neuesten Bericht des UNDP (Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen) veröffentlichte politische Fehleinschätzung des weltweiten Hungers.

Dass Agro-Gentechnik (weder trocken-, hitze-, salz- oder anders-resistente Pflanzen) nicht das Problem von chronischer Mangel-, Unter- oder Fehlernährung lösen wird, scheint erfahrenen und engagierten Organisationen und Personen heutzutage schon fast als eine Binsenweisheit. Agrarbiotechnologie ist eine von vielen landwirtschaftlichen Techniken, aber von den real existierenden sicher die kapitalintensivste Technologie. Als solche ist sie auf Erlöse, also finanzielle Rückflüsse durch Vermarktungen aus Massenerzeugung und Lizenzgebühren angewiesen. Damit ist jedoch per se jene Gruppe von Menschen ausgeschlossen, die kaum oder keinen Zugang zu Einkommen hat - also die Gruppe von Armen.

Die Landwirtschaft der Hochertragssorten und des intensiven Einsatzes von Agrarchemie verschlingt noch heute hohe Summen an Steuergeldern durch Agrarsubventionen und zieht hohe ökologische Kosten nach sich. Es wurde eine Entwicklung eingeleitet, die heute internationale Agrarforschungszentren für die Industrie der Agro-Biotechnologie so attraktiv macht. Seit Jahren kämpfen daher internationale NGOs um Rechte von Bauern und Bäuerinnen an Saatgut und setzen sich dafür ein, dass die weltweit wichtigsten Ernährungspflanzen frei von Patenten und anderen intellektuellen Eigentumsrechten bleiben.

Bereits die Generation der sogenannten "Grünen Revolution" mit seinen Hochertragssorten hat mehr Bauern und Bäuerinnen um ihr Land gebracht, als zusätzliche Einkommensmöglichkeiten über Arbeitsplätze geschaffen werden konnten. Die steigenden Erträge des Technologiepaketes von Hybrid-Sorten und intensivem Einsatz von Agro-Chemikalien wurde mit dem Preis hoher ökologischer und sozialer Kosten bezahlt.

Die Ignoranz, die der Tatsache entgegengebracht wird, dass es bei weitem erfolgreichere Techniken und Modelle zur Beseitigung von Mangel- und Fehlernährung gibt, scheint im Falle des Weltentwicklungsberichtes eine besonders bedauerliche. Ob in Afrika (Tanzania, Kenia, Uganda oder Südafrika), in Lateinamerika, Philippinen, Indien oder Bangladesh - überall zeigen die Techniken des Biolandbaus die höchsten ökologischen und ökonomischen Erfolgsraten.

Die von Hunger und Armut am meisten gefährdete Gruppe sind Frauen und Kinder. Dass in deren Namen einer Risikotechnologie Vorschub geleistet wird, die bisher noch wenig realen Nutzen für die Gesellschaft vorzuweisen hat, halten wir für eine besonders grausame Form von Zynismus. Und es ist umso bedauerlicher, dass dieser nun unter dem Logo des UNDP veröffentlicht werden kann.

AGEZ-ArbeitsGemeinschaftEntwicklungszusammenarbeit; Dachverband österr. entwicklungspolitischer NGOs

FIAN-Food First Information and Action Network Internationale Menschenrechtsorganisation für das Recht, sich zu ernähren.

Südwind-Agentur

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