Bauernstrompool: RWA Wasserkraft erhält Zuschlag

Energiepreise sinken auf 45 Groschen - Gestaffelte Rabatte für Poolmitglieder

Wien, 12. Juni 2001 (AIZ). - Die Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern hat die österreichischen Stromversorger in einer Ausschreibung aufgefordert, ihre Anbote für den österreichweiten Strompool Landwirtschaft zu legen. Aus mehreren Angeboten wurde nun das günstigste ermittelt - den Zuschlag erhält die RWA Wasserkraft. Dies berichteten heute Präsident Rudolf Schwarzböck und der Vorsitzende des Energieausschusses in der Präsidentenkonferenz, Fritz Grillitsch, in einem Pressegespräch. Laut RWA-Bereichsleiter Reinhard Wolf beträgt der in dem Angebot angeführte Grundpreis ATS 100,- pro Jahr, der Energiepreis 42 bis 46 Groschen pro kWh, je nach Jahresstromverbrauch. Im Schnitt sollen sich landwirtschaftliche Betriebe, die Mitglied in diesem Strompool sind, 5 % bis 10 % der bisherigen jährlichen Stromkosten ersparen. ****

Für die Teilnehmer am Strompool Landwirtschaft ist bereits ab 1. Oktober - also mit der Liberalisierung des heimischen Strommarktes -der niedrigere Strompreis möglich. "Die nunmehr mit der RWA Wasserkraft ausgehandelten Preise konnten nur durch eine Bündelung der Nachfrage erreicht werden", erklärte Schwarzböck. Es sei gelungen, einen "potenten und zuverlässigen Partner" für die Landwirtschaft zu gewinnen.

Die Präsidentenkonferenz habe ihre Aufgabe als Interessenvertretung für die Bauern sehr ernst genommen und in den Verhandlungen ein "gutes, herzeigbares Ergebnis" erzielt, so Schwarzböck. Durch die EU-Erweiterung und die fortschreitende Liberalisierung des Welthandels werde der Druck auf die Bauerneinkommen zunehmen. Daher sei es besonders wichtig, Kostensenkungspotenziale zu nützen. Die Verringerung der Stromkosten sei hier ein wichtiger Ansatz. Weitere Preissenkungen müssten im Betriebsmittelbereich folgen.

Grillitsch: Transparentes Preismodell wichtig

Die Präsidentenkonferenz habe in ihrer Ausschreibung klargelegt, dass nur "saubere" Energie, also kein Atomstrom, erwünscht sei. Darüber hinaus müsse die Nachvollziehbarkeit und Vergleichbarkeit der Strompreise gegeben sein. Nunmehr sei ein "All-Inclusive-Preis" für jedes Bundesland angeboten worden. Der Preis für elektrische Energie enthalte auch Kosten für Ausgleichsenergie oder Kleinwasserkraftzertifikate. Grillitsch und Schwarzböck kritisierten in diesem Zusammenhang die unterschiedliche Höhe der Netzkosten in den Bundesländern. Dies wirke wettbewerbsverzerrend und erschwere die Vergleichbarkeit von Strompreisen. Eine Liberalisierung sei daher auch bei den Netzkosten erforderlich.

Die RWA Wasserkraft trete als neuer Stromanbieter auf dem Markt auf, verfüge aber über ein sehr gutes und bewährtes Vertriebssystem, besonders im ländlichen Raum, betonte Wolf. Wie berichtet, handelt es sich bei der RWA Wasserkraft um ein gemeinsames Tochterunternehmen der Raiffeisen Ware Austria und des Verbund-Konzerns.

Einsparungen bis zu ATS 2.000,- pro Jahr

Der mit dem Agrarstrompool ausgehandelte Energiepreis sieht laut Wolf einen Grundpreis von jährlich ATS 100,- (ohne Umsatzsteuer und Elektrizitätsabgabe) sowie einen Stromtarif von netto 45 Groschen je kWh vor. Bei einem Jahresstromverbrauch bis zu 10.000 kWh wird den Landwirten ein Rabatt von 3 % auf den Energietarif gewährt. Zwischen 10.000 und 30.000 kWh beträgt der Rabatt 6 %, ab einem Jahresverbrauch von 30.000 kWh gelten 7 % Rabatt. Der Nachtstromtarif beträgt 36,5 Groschen.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb mit einem Jahresstromverbrauch von 15.000 kWh könne als Mitglied des Bauernstrompools mit deutlichen Einsparungen gegenüber den bisherigen Stromkosten rechnen. Diese seien je nach Bundesland unterschiedlich, da dort auch verschiedene Grundpreise verrechnet würden, so Wolf. In der Steiermark könnten ATS 1.255,- eingespart werden, in Kärnten und Salzburg rund ATS 2.000,-, in Niederösterreich ATS 1.600,-.

Ziel: 50.000 Stromkunden im ersten Jahr

Es handle sich hier um ein attraktives Angebot, meinte Wolf. In sieben Bundesländern (außer im Burgenland und Oberösterreich, wo die Netztarife relativ hoch seien) könne man als Bestbieter auftreten. Die RWA Wasserkraft hoffe, im ersten Jahr nach der Strommarkt-Liberalisierung etwa 50.000 Kunden zu gewinnen, davon könnten 25.000 bis 30.000 aus der Landwirtschaft kommen. Für Privathaushalte und Gewerbebetriebe habe man ebenfalls günstige Angebote erstellt. Innerhalb der Lagerhäuser habe man bereits 400 Mitarbeiter für den Bereich Stromverkauf geschult, auch rund 200 Mitarbeiter der Bezirksbauernkammern, die Stromverträge für die Landwirte bereithalten, würden für diese Aufgabe vorbereitet.

Haider: Kein Ausverkauf von Wasserrechten

Verbund-Vorstandssprecher Hans Haider hielt im Zusammenhang mit der Kooperation zwischen dem Verbund und dem deutschen Energieriesen E.ON in Form der gemeinsamen Wasserkraftgesellschaft "European Hydro Power" (EHP) fest, dass hier keine Wasserrechte an das Ausland veräußert würden. E.ON habe auch klargestellt, dass man den geordneten Ausstieg aus der Kernenergie beabsichtige und Verträge mit dem Betreiber von Temelin gekündigt worden seien. Bei der EHP handle es sich um eine Managementgesellschaft, deren ausschließliche Aufgabe der optimale Einsatz und Betrieb der Wasserkraftwerke der Austrian Hydro Power AHP sowie der E.ON Wasserkraft GmbH sei. Die Führung der EHP liege zudem eindeutig beim Verbund.

Informationsoffensive für Bauern

Die Landwirtschaftskammern werden die Bauern in den kommenden Wochen über das ausgehandelte Strompreisangebot insbesondere in den Kammerzeitungen genau informieren und ihnen die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung stellen. Die Verträge werden bei den Bezirksbauernkammern, aber auch bei den Lagerhäusern aufliegen. Schwarzböck und Grillitsch hoffen, dass von den rund 217.000 in Frage kommenden bäuerlichen Betrieben möglichst viele von dem Angebot Gebrauch machen.
(Schluss) kam

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