Eröffnung der 3. Ökumenischen Sommerakademie von Ö1: "Gefahren der Gentechnik nicht unterschätzen aber auch nicht überhöhen"

Wien (OTS) - "Lasst uns Menschen machen" - Mit dem
Spannungsfeld zwischen molekularer Medizin und Theologie befasst sich die dritte Ökumenische Sommerakademie von Österreich 1, die noch bis morgen - Freitag, 13. Juli - im oberösterreichischen
Stift Kremsmünster stattfindet. Über Chancen und Gefahren im Bereich der Bio-Medizin diskutieren internationale Experten und hochrangige Vertreter der in Österreich ansässigen Kirchen.****

Am ersten Tag der Sommerakademie waren aus dem christlichen Bereich fast ausschließlich warnende Stimmen gekommen. Der Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern erklärte bei der Begrüßung:
"Wir können nie deutlich genug sagen, dass nicht alles Machbare sittlich erlaubt ist." Der evangelische Theologe Prof. Ulrich Körtner wies darauf hin, dass die legitime Kritik an Allmachtsphantasien aber nicht dazu berechtige, die Chancen der molekularen Medizin auszuschlagen. Er stellte die Frage, ob es
nicht auch eine moralische Pflicht zur Nutzung der Methoden der Biomedizin gebe. "Nicht nur das Tun, auch das Unterlassen muss
sich ethisch rechtfertigen", sagte Körtner. Man solle die Gefahren der Gentechnik nicht unterschätzen aber auch nicht überhöhen.

Die Möglichkeiten der molekularen Medizin werden in der Öffentlichkeit in der Regel weit überschätzt, darauf wies der Humangenetiker Prof. Karl Sperling aus Berlin hin. Er ist einer
der Väter des Human-Genom-Projektes. Auch wenn das menschliche Genom heute weitgehend entschlüsselt ist, so sind die Erkenntnisse und Möglichkeiten, die daraus erwachsen, dennoch beschränkt. Es sei wie bei einem literarischen Werk, so Sperling, was da zähle
sei nicht die Anzahl von Buchstaben und Worten sondern die Art und Qualität ihrer Verbindung. Ähnlich verhalte es sich mit den Genen. Die Vision, dass früher oder später Menschen geklont werden können, bezeichnet er als "obsolet".

Bei einem Empfang am ersten Tag für die Teilnehmer und Vortragenden der Sommerakademie erklärte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer: "Ich hoffe, dass es uns in der Gesellschaft gelingt, ein Klima zu entwickeln, das nicht
forschungs- und entwicklungsfeindlich ist, aber dass wir gleichzeitig genug Bekenntnis aufbringen, Grenzen zu setzen."

Die Ökumenische Sommerakademie in Kremsmünster findet heuer zum dritten Mal statt. Mit mehr als 200 Teilnehmern verzeichnet sie
eine Rekordbeteiligung. "Ö1 ist unter den österreichischen Medien führend, was die Behandlung des Themas molekulare Medizin und Bioethik betrifft", erklärt Helmut Obermayr, Leiter der Hauptabteilung Religion/Hörfunk im ORF. Das Ziel der
Sommerakademie definiert er so: "Wir wollen die Diskussion
zwischen Theologie, Naturwissenschaften und Ethik fördern. Der ORF geht ohne ideologische Position in diese Diskussion. Aber wir
haben die Überzeugung: Aufklärung ist uns wichtig."

Die Ökumenische Sommerakademie im Oberösterreichischen Stift Kremsmünster wurde von der Hauptabteilung Religion der ORF-Radios ins Leben gerufen. Mitveranstalter sind das evangelische Bildungswerk Oberösterreich, die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz, die Kirchenzeitung der Diözese Linz, die Landeskulturdirektion Oberösterreich und der Ökumenische Rat der Kirchen Österreichs. Die Ökumenische Sommerakademie wird im Internet durch intensive Berichterstattung und ein
Diskussionsforum begleitet, die Adresse lautet http://orf.religion.at.(ih)

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