Greenpeace-Studie kritisiert schmutzige Stromimporte

Weitreichende Maßnahmen für europäische Energiepolitik notwendig

London/Wien (OTS) - Die aktuelle Greenpeace Studie "cheap and
clean" zeigt deutlich den dramatischen Anstieg von Stromexporten aus den Reformstaaten des Ostens in die EU und auch nach Österreich. Greenpeace empfiehlt in dieser Studie auch Instrumente, wie diese "schmutzigen" Stromimporte unterbunden werden können. Direkte Importverbote wie nach Österreich, Luxemburg und wahrscheinlich Deutschland sind nur eine Maßnahme. Auch die Stromkennzeichnung wie sie in Österreich am 1. Oktober eingeführt wird, ist ein geeignetes Mittel, gefährliche und umweltschädliche Kraftwerke in Europa zu schließen und um neue zu verhindern.

Zahlreiche Hochrisikoreaktoren wie Ignalina in Litauen und Kozloduy in Bulgarien mit mehrmals verschobenen und nicht eingehaltenen von der EU festgesetzten Schließungsdaten sind deswegen noch am Netz, weil die Stromexporte in den letzten vier Jahren von zwei auf 15 TWh zugenommen haben. Auch der Neubau vieler Reaktoren wird durch die ansteigenden Exporte in die EU rentabler. "Das AKW Temelin ist dafür das bekannteste Beispiel", sagt Greenpeace-Energie-Sprecher Erwin Mayer und fordert europaweit sowohl ein Importverbot für Strom aus unsicheren Kraftwerken als auch eine innereuropäische allgemeine Stromkennzeichnung.

"Es kann nicht sein, dass zunehmend mehr europäische Staaten den Atomausstieg anstreben bzw. bereits keine AKW mehr betreiben, aber dem Import von billigem Atomstrom aus unsicheren AKW zusehen", kritisiert Mayer die Doppelmoral europäischer Energiepolitik. Auch im Sinne einer von Greenpeace begrüßten Erweiterungspolitik der EU ist ein Export des Risikos und von Umweltschäden in die Beitrittsländer nicht vertretbar. Die niedrigen Sicherheits- und Umweltstandards von Ost-AKW und auch Kohlekraftwerken, die in dieser Studie aufgezeigt werden, setzen die ansässige Bevölkerung einem enormen Risiko aus, von dem der Westen mit billigem Strom profitiert. "Wir wollen in ganz Europa eine saubere Energiepolitik und das kann nur mit gleichen Sicherheits- und Umweltstandards im Westen wie in den Beitrittswerbern gelingen", versichert Mayer.

Ein Stromimportverbot wie in Österreich wird derzeit in Deutschland diskutiert und für die EU vom Europäischen Parlament gefordert. Eine allgemeine Stromkennzeichnung für alle europäischen Kraftwerke für Atom- und Kohlestrom ist erst vor 2 Wochen im EU-Parlament aus der Richtlinie für erneuerbare Energien auf Wunsch des EU- Energieministerrates gestrichen worden. Eine neue Chance für diese europäische Stromkennzeichnung gibt es im Rahmen der anstehenden Revision der Binnenmarktrichtlinie 96/92, bei der Deutschland derzeit noch blockiert. "Dann könnten wir endlich auch den Strom, der über die Strombörsen gehandelt wird, bis zum Kraftwerk zurückverfolgen", weist Mayer auf den Nutzen einer solchen Regelung hin.

Hinweis: Die Studie in englischer Sprache als pdf-file sowie eine Kurzzusammenfassung in deutscher Sprache ist bei Greenpeace in elektronischer Form auf Anfrage erhältlich

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