KZ-Lager und Golfspaß - Von Walter Müller

Wien (OTS) - Nicht, dass man sich nicht bemüht hätte. Die jüdischen Erben wurden noch rasch kontaktiert und nach Meinung der Bundesforste durchaus generös abgefunden. Diese wollten schließlich ganz sicher sein, dass da nicht noch etwas nachkommt an Forderungen, wenn sie das 4200 Hektar große, arisierte steirische Jagdgebiet an den Industriellen der AT&S Gruppe Helmut Zoidl verkaufen. Um 300 Millionen Schilling.

Die in der Schweiz lebenden Erben waren mit einer Vergleichssumme in der Höhe von rund zwanzig Millionen Schilling zufrieden. Nach 56 Jahren vergeblichen Bemühens, den Familienbesitz zurückzubekommen, waren sie froh, wenigstens einen Bruchteil des Wertes ihres ehemaligen Almgebietes zu erhalten.

Die 20 Millionen seien im Grunde in Ordnung, denn die SS habe in den 40er-Jahren das Gebiet ja dem damaligen jüdischen Besitzer "abgekauft", es sei "eh Geld geflossen" und nun eben "der Rest" nachgezahlt worden, argumentieren die Bundesforste und die zuständigen Ministerien Wilhelm Molterers und Karl-Heinz Grassers. So wurde schon kurz nach dem Krieg abgewimmelt, um jüdisches Eigentum in Bundesbesitz zu halten.

Die Erben hatten bis heute keine Chance auf Rückgabe ihres Besitzes, und gerade jetzt, wo auch über den General Settlement Fund Möglichkeiten zur Entschädigung größerer Vermögensverluste aufgetan werden, macht die Regierung einen raschen Schlussstrich und paraphiert den Millionendeal. Hinter verschlossenen Türen des Hauptausschusses des Nationalrates, um keinen Staub aufzuwirbeln. Denn es steht ja Großes auf dem Spiel: Ein Industrieller will auf seine alten Tage noch ins Tourismusgeschäft einsteigen und das Almgebiet, auf dem ein KZ- Nebenlager stand, als Jagd- und Golfspektakel vermarkten. Was soll man sich da noch mit zwei alten Erben und Österreichs Geschichtsverantwortung herumplagen?

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