"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Schizophrenie" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 11. Juli 2001

Graz (OTS) - Vollkommen normalisiert habe sich das Verhältnis zu Österreich, beteuerte der belgische Außenminister nach seinem Besuch bei seiner Kollegin in Wien.

Noch nicht ganz abgeschlossen ist das Thema hingegen für die belgischen Zeitungen. Während sich der Minister auf seine Rolle als derzeitiger EU-Ratsvorsitzender zurückzieht, mühen sich die Kommentatoren immer noch ab, die Sanktionen gegen die kleine Alpenrepublik zu rechtfertigen.

Einerseits fürchtet man besorgt, dass Österreich als "Versuchslaboratorium" des Rechtsextremismus für ganz Europa eine "Identitätskrise der Demokratie" auslösen könne, andererseits stellt man schadenfroh fest, dass die Partei Jörg Haiders seit dem Regierungseintritt mit dem "Rücken an der Wand" dastehe und nur noch durch "Dilettantismus und Inkompetenz" auffalle.

Irgendwann werden auch die fundamentalen Gegner der schwarz-blauen Koalition zugeben müssen, dass der bis dahin unaufhaltsame Aufstieg der FPÖ erst durch jenen Schritt gestoppt wurde, den man eigentlich verhindern wollte. Dies zu leugnen, wäre Schizophrenie. Oder eine Chuzpe.

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