Ärztekammer für Überprüfung der Selbstbehalte

Pjeta: Durchforstung auf Zumutbarkeit, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen - prinzipielle Umorientierung zu mehr Patientenfreundlichkeit - direkte Abgabe von Medikamenten durch den Arzt

Wien (OTS) - In der von Gesundheitsminister Herbert Haupt
begonnenen Diskussion über die Rezeptgebühren spricht sich nun die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) für die Durchforstung aller Selbstbehalte aus. "Viele Selbstbehalte scheinen unsystematisch zu sein, ihre Überprüfung auf soziale und finanzielle Auswirkungen sowie auf ihre Administrierbarkeit ist überfällig. Auch sollte man überlegen, bei Selbstbehalten eine sozial verträgliche Obergrenze einzuziehen", sagte ÖÄK-Präsident Dr. Otto Pjeta Mittwoch in einer Aussendung. Ziel müsste es sein, Patientinnen und Patienten zu entlasten, ohne die Qualität des österreichischen Gesundheitswesens zu gefährden. Viele Patienten-Zuzahlungen erscheinen kompliziert, ungerecht und daher nicht zumutbar, weil kranke Menschen in Notsituationen durch zusätzliche finanzielle Erschwernisse getroffen seien.

Die Österreichische Ärztekammer tritt für eine grundsätzliche Umorientierung im Gesundheitswesen ein, wobei Aspekte der Patientenfreundlichkeit bei Aufrechterhaltung des medizinischen Niveaus und der Dichte der Versorgung im Vordergrund stehen müssten. Pjeta: "Die Überlegungen zur Adaptierung der Rezeptgebühren nach sozialer Zumutbarkeit und finanzieller Leistungsfähigkeit sind zweifellos ein Schritt, der von den Patienten gewünscht wird."

Freilich sollten bei allen Möglichkeiten zur Entlastung der Patienten die finanziellen Auswirkungen bedacht werden. In der momentan sehr schwierigen Finanzierungssituation der sozialen Krankenversicherungen sei diesbezügliche Sensibilität eine selbstverständliche Voraussetzung.

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit und soziale Zumutbarkeit von Rezeptgebühren ist für den Chef der niedergelassenen Ärzte, Dr. Jörg Pruckner, Anlass, die Vertriebswege für Arzneimittel prinzipiell auf ihre Kosten und Patientenfreundlichkeit zu hinterfragen. "In letzter Zeit wurde oftmals auf die im internationalen Verhältnis sehr teure Distribution bei Medikamenten hingewiesen. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Rezeptgebühren sollten weitere Schritte der Liberalisierung angedacht werden, die wie die Österreichische Ärztekammer schon mehrfach gefordert hat, das Abgaberecht bzw. Dispensierrecht für alle niedergelassenen Ärzte zum Ziel hat. Dies würde bedeuten, dass der Patient nur einen Weg hat, nämlich den in die Ordination, und nach der Diagnose mit dem richtigen Medikament nach Hause geht", so der Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. (Schluss)

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