"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Rechnung ohne Wirt"

Ausgabe vom 9. 7. 2001 (von Peter Plaikner)

Innsbruck (OTS) - Nie zuvor war eine Tiroler Landesregierung
derart handlungsunfähig. Doch sie wirkt nahezu unangefochten. Denn die politischen Gegner bieten keine Alternative. Sie haben ebenso große Führungsprobleme. Aber noch weniger Personalreserve.

Kein Krach in der Koalition nützt diesem Trümmerhaufen von Opposition. Die Freiheitlichen sind unter Christian Eberharter eine Lachnummer. Ihre logischen Chefs haben sich angewidert zurückgezogen:
Siegfried Dillersberger total, Horst Wendling in die Gemeinde. Kein Land in Sicht.

Die Grünen haben seit dem Abgang von Eva Lichtenberger und Bernhard Ernst nicht nur ein Kompetenzproblem. Dass Georg Willi sich als Festwochen-Geschäftsführer bewarb, zeigt: Die Basisdemokratie ist kein Spaß.

Angesichts dieser Opposition kann die Koalition ruhig ihre Wunden lecken. Da Herbert Prock nur 66% der Sozialdemokraten hinter sich weiß, bleibt er lieber im Windschatten des Seniorpartners. Walter Guggenberger will nicht Chef sein. Und der ÖGB... Welcher ÖGB?

Erst die mangelnden Perspektiven der anderen Landtagsfraktionen ermöglichen der Volkspartei ihre schamlose Entblößung. Der veröffentlichte innere Machtkampf wäre Selbstvernichtung, gäbe es einen ernsten Gegner.

So jedoch ist das Duell Wendelin Weingartner gegen Ferdinand Eberle wichtiger als SP, FP und Grüne zusammen. Samt Hoffnungsträgern und Querschützen von Fischler und Platter bis van Staa und Dinkhauser.

Dennoch macht auch die VP die Rechnung ohne Wirt: also uns Wähler. Wir verlieren nicht nur das Vertrauen in die Lösungsfähigkeit einer Partei, sondern der Politik.

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