Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik//Sozialhilfegesetz "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Jung, stark und männlich gefragt

Ausgabe vom 7. Juli 2001 Klagenfurt (OTS) - Jung, stark und männlich gefragt - Mit der geplanten Novelle zum Kärntner Sozialhilfegesetz zeigt Blau-Schwarz, wo gespart wird: Bei sozial Schwachen, Älteren, Behinderten, Frauen. Der Entwurf sieht - um nur eine Ungerechtigkeit herauszunehmen - vor, dass Pflegebedürftige selbst in der höchsten Pflegestufe keinen Rechtsanspruch auf einen Pflegeplatz und eine Kostentragung durch das Land mehr haben sollen. Sie wären auf eine Gnadenakt der Regierung angewiesen. Jeder, der Verwandte fortgeschrittenen Alters hat, weiß, was ein Heimplatz kostet - umso mehr, je pflegebedürftiger der oder die Angehörige ist. Sozial benachteiligte Pensionisten, deren Angehörige nicht über das große Geld verfügen oder die auf niemanden zurückgreifen können, werden zu Bittstelltern herabgewürdigt. Viele Familien werden es sich nicht mehr leisten können, Angehörige -und seien sie auch noch so pflegebedürftig - in einem Heim betreut zu wissen, ganz zu schweigen von der Qualität der Betreuung. Hängen bleibt diese anspruchsvolle, an die Grenzen der Belastbarkeit gehende Arbeit großteils an Frauen. Vielerorts hört man Männer darüber philosophieren, wie schön es ist, wenn ihre Mutter zu Hause gepflegt wird - von der Ehefrau. Unserer Gesellschaft muss es etwas wert sein, Pflegebedürftige gute und vielfältige Betreuung zu ermöglichen. Auch Pflegende in Institutionen sind großteils Frauen, die nun in ihrer wertvollen Aufgabe verunsichert werden und um jede Vertragsverlängerung zittern sollen. Bei den derzeitigen politischen Bedingungen ist wohl nur jung, stark und männlich gefragt.

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