Binder zu Ärztegesetz: Kinderfreunde fordern Opferschutz statt Law-and-Order

Anzeigepflicht nicht im Sinne der misshandelten Kinder

Wien (SK) "Die geplante Verschärfung der Anzeigepflicht für Ärzte in Fällen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs und familiärer Gewalt geht völlig an den Interessen der misshandelten Kinder vorbei", stellt die SPÖ-Abgeordnete und Familiensprecherin der Österreichischen Kinderfreunde, Gabriele Binder, anlässlich der heutigen Novellierung des Ärztegesetzes im Nationalrat fest. "Durch diese kontraproduktive Politik der Bundesregierung werden die Opfer gleich ein zweites Mal zu Opfern gemacht", kritisierte Binder am Freitag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. ****

"Aufgrund der Anzeigepflicht werden sich viele Mütter und Kinder sich nicht mehr zum Arzt wagen", befürchtet Binder. Dies gilt leider auch bei dem Kompromiss, dass die Anzeigepflicht unterbleiben soll, wenn sich der Verdacht gegen Personen richtet, die im Haushalt des missbrauchten Kindes leben. Denn oft sei der Täter gerade der Onkel, der Großvater oder ein Bekannter des Kindes. Eine obligatorische Anzeige bei Misshandlungen würde außerdem die Bereitschaft des Täters, sich selbst einer psychiatrischen Behandlung zu unterziehen, deutlich herabsetzen, warnte Binder.

Erfahrungen aus der Praxis zeigten, dass eine zu rasche Anzeige oft zur Einstellung des Verfahrens oder zu einem Freispruch des Täters führen kann. Mit der Folge, dass die Kinder weiterhin missbraucht und misshandelt werden könnten, erklärt Binder. "Aufgabe der Politik ist nicht die einfachsten, sondern die besten Lösungen zu finden. Und eine einfache Law-and-Order-Politik ist in diesem Fall einfach zu wenig", so die Familiensprecherin der Kinderfreunde abschließend. (Schluss) hm/mm

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