Pittermann forciert Projekte zur Gesundheit von Lehrlingen in Wien

Modellprojekte mit allen Partnern der Lehrlingsausbildung vorantreiben

Wien, (OTS) "Die Wiener Lehrlinge zeigen in vielen Lebensbereichen eine hohe Risikobereitschaft. Die wichtigsten gesundheitlichen Probleme zeigen sich in den Bereichen Alkohol-, Nikotin- und Drogenkonsum sowie in einer ungesunden Ernährung und einem riskanten Sexualverhalten", erläutert Wiens Gesundheitsstadträtin Prim. Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker die Ergebnisse einer Auswertung von Lehrlings-Gesundenuntersuchungen eines gesamten Lehrlings-Jahrganges.

"Die Psychologen interpretieren diese Verhaltensweisen der Jugendlichen als Reaktion auf Überforderung, also als Problemlösungsstrategie", warnt Pittermann vor Schuldzuweisungen an die Jugendlichen. "Die Lehrlinge orientieren sich am Gesundheitsverhalten der erwachsenen Kollegen, an den Gegebenheiten im Betrieb und an herrschenden gesellschaftlichen Trends und Zwängen", so Pittermann. Die Jugendlichen würden sich so verhalten, wie ihre Umwelt es ihnen vorlebt.****

"Eine Verbesserung des riskanten Verhaltens kann daher von den Jugendlichen nicht mit erhobenem Zeigefinger eingefordert werden, solange die Mehrheit der Erwachsenen selbst mit schlechtem Beispiel voran geht, etwa Alkohol während der Dienstzeit konsumiert oder mit besonders riskanten Sexualkontakten prahlt", meint Pittermann. Die Gesundheitsstadträtin wird daher die Studie zum Anlass nehmen um gemeinsam mit allen an der Lehrlingsausbildung beteiligten Partner wie Berufsschulen, Arbeiterkammern, Wirtschaftskammern, Arbeitsmedizinern, Gewerkschaften und schulärztlichem Dienst Verbesserungen im Gesundheitsverhalten der Lehrlinge zu erreichen.

Zu diesem Zweck wurde ein Arbeitskreis ins Leben gerufen der zweimal pro Jahr konkrete Projekte beraten und umsetzen wird. Die dabei entwickelten präventiven Aktivitäten sollen sich an bestehenden, erfolgreichen Projekten - wie zum Beispiel "Gesundheitsförderung und Suchtprävention im Lehrlingswesen der ÖBB" und dem von der MA 15 durchgeführten "Aufklärungsunterricht in den Wiener Berufsschulen" - orientieren.

In den ÖBB wurden in Zusammenarbeit mit dem Fonds Soziales Wien alle Schlüsselpersonen innerhalb des Lehrlingswesens - also Ausbilder, Erzieher und Vertrauenspersonen - intensiv zu Themen wie "Sucht und Drogenkonsum", "Umgang mit drogengebrauchenden Jugendlichen" oder "Prävention des Alkoholmissbrauches" geschult. Anschließend wurden in Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrlingen und Betrieb konkrete Vorgangsweisen zur optimalen Umsetzung suchtpräventiver und gesundheitsfördernder Maßnahmen erarbeitet. Dieses Projekt zeigt für Pittermann, dass Gesundheitsförderung immer nur auf einer individuellen Ebene, die den Bedürfnissen der Zielgruppen angepasst ist, wirken kann.

Als zweites bereits erfolgreich angelaufenes Projekt hob Pittermann den von der MA 15 an den Wiener Berufsschulen seit vielen Jahren durchgeführten Aufklärungsunterricht hervor. Pro Schuljahr führen vier bis fünf Teams, bestehend aus ArztInnen und SozialarbeiterInnen in allen ersten Klassen der Berufsschulen Wiens (ca. 300) in jeweils drei Schulstunden "Sexualaufklärung" durch. Das Team steht als "neutrale, außenstehende Ansprechperson" den Jugendlichen zu Fragen und Themen der Sexualität zur Verfügung. Inhalte werden teils als konkrete Wissensvermittlung, teils als freie Diskussion angeboten. Dabei werden die von den Schülern am meisten gewünschten Themen behandelt: Umgang mit Sexualität, sexuelle Praktiken, Vor- und Nachteile einzelner Verhütungsmittel und deren Anwendung, Regel, Eisprung, Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch, sexuell übertragbare Erkrankungen, Homosexualität und Missbrauch.

Der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, betonte die Wichtigkeit von zielgruppenspezifischen Präventionsprogrammen. Das im 2. und 20. Wiener Gemeindebezirk durchgeführte Kariesprophylaxeprogramm wurde deshalb gestartet, weil die Kinder in diesen Bezirken bei Schuleintritt deutlich mehr Karies haben als in anderen Bezirken. Bittner hob hervor, dass auch künftig die Vorsorgemedizin vor der Reparaturmedizin stehen müsse. 1,5 Milliarden Schilling investiert die Wiener Gebietskrankenkasse jährlich in Prävention. Bittner hält dies "für immer noch zu wenig", ist aber angesichts der schwarz-blauen Sparwut im Gesundheitswesen skeptisch, wie die zusätzlichen Mittel für die Gesundheitsvorsorge aufgebracht werden sollen. (Schluss) rog

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Andrea Rogy
Tel.: 53 114-81 231
e-mail: andrea.rogy@ggs.magwien.gv.at

PID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK