Brauner: Frauen brauchen für Familie und Job Kinderbetreuungseinrichtungen Bergmann stellt das fortschrittliche deutsche Elternzeitmodell vor

Wien (SK) "Frauen wollen sich nicht zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen", erklärte Wiens SPÖ-Frauenstadträtin Renate Brauner Samstag bei einer SPÖ-Bundesfrauenkonferenz, bei der auch die deutsche Frauen- und Familienministerin Christine Bergmann teilnahm. Brauner betonte den unverzichtbaren Nutzen von Kinderbetreuungseinrichtungen in diesem Zusammenhang und deren gesellschaftspolitischen und pädagogischen Wert. "Wiens Kinderbetreuungsstätten sind qualitativ hochwertige Einrichtungen, die bedeutende Beiträge zur Integration, zum Spracherwerb und zum Rollenverständnis leisten. Wir unterstützen Frauen nicht aus Gutmütigkeit, sondern weil es unintelligent und wirtschaftlich unsinnig wäre, die Qualifikationen, das Talent und das Engagement der Hälfte der Bevölkerung nicht zu nutzen. Frauenförderung ist eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit", so Brauner. ****

Wien habe die höchste Erwerbsquote bei Frauen, den höchsten Ausbildungsstand und die größte Dichte bei Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Umfragen des "Frauenbarometers" würden zeigen, dass ein Großteil der Frauen berufstätig sein will, um ihr eigenes Geld zu verdienen, eine Altersvorsorge zu haben und Abhängigkeiten vom Mann zu vermeiden. Bei anderen, länderübergreifenden Studien habe sich herausgestellt, dass Familien nicht in erster Linie zusätzliche Geldleistungen bräuchten, sondern Kinderbetreuungseinrichtungen. Dazu ein Beispiel: In Schweden gingen 75 Prozent der Mütter von Kindern unter zwei Jahren in den Beruf zurück, in Österreich nur neun Prozent.

Brauner betonte, in Wien versuche man, den Frauen klar zu machen, dass der Wiedereinstieg umso schwieriger würde, je länger man zu Hause bleibe. Die Wiedereinstiegshilfe sei auch ein Schwerpunkt des Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds. "Solche Projekte rentieren sich", bekräftigte die Stadträtin. Bei den Kinderbetreuungseinrichtungen habe man in Wien bereits einen sehr guten Deckungsgrad erreicht, man unterstütze aber auch andere Formen der Kinderbetreuung wie Tagesmütter. Bei der Kinderbetreuung gebe es eine soziale Staffelung, die sich bewährt habe - ebenso wie die speziellen Angebote für die speziellen Bedürfnisse, die Betriebskindergärten. Verbesserungwürdig sei neben einem weiteren Ausbau der Einrichtungen die Öffnungszeiten, die sich viele flexibler wünschten.

Die deutsche Ministerin betonte, bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfe man nicht nur bei den Frauen ansetzen. "Die Männer müssen sich ändern, auch Väter haben Erziehungsaufgaben." Bergmann stellte das deutsche Modell der Elternzeitregelung vor: "In Deutschland kann jetzt jeder der Eltern drei Jahre Elternzeit nehmen - auch zur gleichen Zeit. Dazu gibt es als Rechtsanspruch eine Teilzeitmöglichkeit bis zu 30 Stunden. Wir haben beim Elternzeitmodell viel Flexibilität geschaffen. Auch die Rückkehr zur Vollzeitarbeit ist rechtlich verbrieft. Das Elterngeld ist gestaffelt und wer früher zurückkommt, kriegt mehr. So haben es die Väter schwerer, sich aus der Erziehungsarbeit rauszuhalten."

Noch immer sei bei der Kinderbetreuungsfrage von Bedeutung, wer mehr Geld nach Hause bringe, deshalb sei es so wichtig, bei der Lohngleichheit einen Schritt weiterzukommen. Ein zweiter wichtiger Punkt sei das Image der Männer, die in Karenz gingen. Deshalb sei in Deutschland jetzt die Kampagne "Mehr Spielraum für Väter" gestartet. An "Vatertagen" gebe es in diversen Unternehmen Veranstaltungen, wo Mann sich informieren könne und Unternehmen präsentieren könnten, was sie von ihrer Seite her anbieten würden und signalisierten, dass eine Unterbrechung kein Karrierehindernis sei.

Bergmann bekräftigte, dass viele Unternehmen der richtigen Ansicht seien, dass es einen ökonomischen Vorteil habe, wenn sie Vätern die Kinderbetreuung erleichtern würden. Die Unternehmen würden von dem guten sozialen Umfeld profitieren. Väter wiederum würden die Zeit mit ihren Kindern als eine Erfahrung sehen, die sie nicht missen möchten und als einen Gewinn für die Partnerschaft. Trotz der vielen gesetzlichen Unterstützungen und den Kampagnen in den Betrieben könne man aber den Frauen zu Hause die Diskussion nicht abnehmen.

Bergmann berichtete, dass die Kinderbetreuungsplätze in Ostdeutschland viel zahlreicher vorhanden seien und dass die "Kitas" (Kindertagesheime) auch Bildungseinrichtungen darstellen würden. Abschließend hob Bergmann die Verbesserungen für Frauen bei der Rente und bei einem steuerlich absetzbaren Freibetrag für real anfallende Kosten bei der Betreuung hervor, die Alleinerziehende unterstützten. (Schluss) ts

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