"profil": Michel: "Haider wird nie Bundeskanzler werden"

Belgischer Außenminister lobt "sehr gute Beziehungen" zu Schüssel und Ferrero-Waldner - weiterhin "stolz" auf Sanktionen "als Zeichen gegen Fremdenhass" - will Treffen mit FP-Ministern vermeiden

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" betont Belgiens Außenminister Louis Michel, einst schärfster Kritiker der schwarz-blauen Regierung in Wien, dass er mittlerweile "sehr gute Beziehungen zur Außenministerin Ferrero Waldner und Bundeskanzler Schüssel" unterhalte. Nur zur FPÖ bleibt Michel weiterhin auf Distanz. Anlässlich seines für Juli geplanten Besuchs als neuer EU-Ratsvorsitzender in Wien will Michel den Kontakt mit FPÖ-Ministern vermeiden und auf Treffen mit diesen verzichten. Er hoffe, dass es für solche Zusammenkünfte "keinen Anlass geben wird".

Die Sanktionen der EU-14 anlässlich der österreichischen Regierungsbildung im vergangenen Jahr werden vom belgischen Außenminister weiterhin verteidigt. Michel: "Die bilateralen Sanktionen waren gerechtfertigt. Ich bin noch immer stolz darauf, dass die EU ein Zeichen gegen Fremdenhass und Intoleranz gesetzt hat. Und letztlich haben wir dazu beigetragen, dass Haider wohl nie Bundeskanzler werden wird."

Scharf kritisiert der belgische Außenminister im "profil"-Interview die von der FPÖ verlangte Volksabstimmung über die Erweiterung der Union. Michel: "Die Entscheidung zur Erweiterung ist längst gefallen. Es wäre sehr ungünstig, jetzt an die betroffenen Völker ein negatives Signal auszusenden. Man kann nicht das seit Jahren verfolgte Ziel der Union, die Zone der Stabilität in Europa auszudehnen, mit einem Schlag in Frage stellen, wie es die FPÖ tut."

Die Regierungsbeteiligung rechtsextremer Politiker in Italien stößt zwar auf das Missfallen des liberalen Politikers, erfordere aufgrund des nunmehr etablierten Sanktionsmechanismuses aber nicht die gleichen Reaktionen durch die EU-Staaten wie der Regierungseintritt der FPÖ. Michel im "profil"-Interview: "Ich erwartete nicht, dass die Union etwas unternimmt. Ich bedaure, dass Umberto Bossi in der Regierung ist, aber ich kann dagegen nichts tun. Auch gegenüber Italien werde ich die Rolle als EU-Vorsitzender respektieren. Außerdem haben wir ja jetzt einen Sanktionsmechanismus im EU-Vertrag, der Verletzungen europäischer Grundwerte ahndet."

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502

"profil"-Redaktion

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PRO/OTS