Prammer und Bergmann unisono: Schaffung von Kinderbetreuungseinrichtungen hat oberste Priorität

Prammer trifft die deutsche Frauen- und Familienministerin

Wien (SK) Die deutsche Frauen- und Familienministerin Christine Bergmann, SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer und SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer waren sich einig: die Schaffung von flächendeckenden, bedarfsorientierten Kinderbetreuungseinrichtungen, der Kündigungsschutz und der garantierte Anspruch auf Teilzeitarbeit während der Karenz müssen für eine emanzipatorische Familienpolitik, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Mütter und Väter ausrichtet, oberste Priorität haben. Diese gemeinsame Einsicht kristallisierte sich im Rahmen eines Hintergrundgespräches am Donnerstag Abend heraus, das den Anstoß für eine rege Diskussion um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der deutschen und österreichischen Familienpolitik gab.****

In Deutschland gibt es während des "Erziehungsurlaubs", respektive der Karenz, für Mütter und Väter den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, informierte die deutsche Familienministerin und sprach damit eine zentrale Forderung der SPÖ in der Kindergelddebatte an. Obwohl sich die Regierung in dieser Frage als nicht besonders kompromissbereit erweise, gab sich Prammer kämpferisch: "Was der deutschen Wirtschaft abverlangt werden kann, kann auch der österreichischen Wirtschaft abverlangt werden."

Unter dem Motto "Wer bietet mehr an Kindergeld?" werde sowohl in Österreich als auch in Deutschland diskutiert, entdeckten Prammer und Bergmann eine Gemeinsamkeit "ihrer" Länder. Der einzige Unterschied: In Österreich werde der "Wer-bietet-mehr-Diskurs" von den Regierungsparteien geführt, in Deutschland jedoch von der Opposition. Diese Debatte gehe jedenfalls an der eigentlichen Frage, welche von den gesellschaftlichen Bedürfnissen ihren Ausgang nehmen sollte, vorbei, stellten Prammer und Bergmann fest. Denn eines sei unumstritten: Der Wunsch der Mehrheit der Frauen, Erwerbsarbeit und Familie zu verbinden, könne nicht allein durch die Höhe der Transferleistung erfüllt werden.

Das "Haupthindernis" für die Unvereinbarkeit zwischen Familie und Beruf ortete Bergmann im Mangel an bedarfsorientierten verlässlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Ostdeutschland stehe in dieser Hinsicht mit 40 Prozent Abdeckung der Kinderbetreuungsplätze für bis zu Dreijährige relativ gut da, bemerkte Bergmann. Im Westen von Deutschland stehen für hundert Kinder dagegen nur drei bis vier Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung und in Bayern kommt man gar nur auf 1,4 Prozent.

"Mit einem Kind im Alter bis zu zweieinhalb Jahren kann man nach der Regierungslogik arm sein, vorher und nachher scheinbar nicht", empörte sich Prammer über die unseriöse Armutsbekämpfung der Regierung durch das "Kindergeld". "Zwölf mal 6000 Schilling für alle - das ist es nicht. Da wird die Bevölkerung an der Nase herumgeführt", setzte Stadlbauer nach.

Derzeit nehmen in Österreich nur 1,8 Prozent und in Deutschland nur 1,5 Prozent der Väter die Karenz in Anspruch. Eine Tatsache, an die sich automatisch die Frage knüpfte: Wie macht man Vätern mehr Mut zur Karenz? Da der Haupthinderungsgrund für die Inanspruchnahme der Karenz von Vätern zumeist im höheren Verdienst und der Angst vor dem Ende der Karriere bestehe, war für Bergmann ganz klar: Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen müsse forciert werden. Diese Erkenntnis trage in Deutschland schon die ersten Früchte, informierte Bergmann: So werden etwa bei VW Seminare für werdende Eltern abgehalten, familienfreundliche Regelungen werden durchgesetzt etc.(Schluss)lm

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