FORMAT: Helmuth Lohner spricht sich gegen Josefstadt-Jury aus.

Heribert Sasse und Hermann Beil sind Favoriten für Josefstadt-Direktion.

Wien (OTS) - Im neuen FORMAT nimmt Josefstadt-Direktor Helmuth Lohner Stellung zu dem Umstand seiner Verlängerung bis Ende August 2003: "Kein Neuer wäre fähig, in sieben Monaten das Haus kennenzulernen und ein Repertoire aufzustellen", so Lohner zur Nachfolger-Suche. Er wolle noch ein Jahr bleiben, "sonst wirft man mir noch panikartige Flucht vor. Ich habe ein ziemliches Verantwortungsgefühl, auch wenn man mir das vielleicht nicht zutraut. Der Kapitän wird doch nicht von einem Dampfer mit Maschinenschaden in ein Rettungsboot steigen. Ich mache es nur für das Theater in der Josefstadt und für die 420 Mitarbeiter des Hauses."

Bezüglich der von Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny einzusetzenden Jury, die Anfang September auf Grund der Ausschreibungsergebnisse einen Vorschlag für die Lohner-Nachfolge treffen soll, ist Lohner skeptisch: "Es wird eine Jury zusammentreten, die zu keiner Einigung kommt."

Mailath-Pokorny zufolge werde es zu keinen gröberen Unstimmigkeiten zwischen den Gesellschaftern des Theaters in der Josefstadt und dem Kulturamt kommen, denn: "Die Gesellschafter versichern mir täglich, daß sie nicht gegen die Stadt Wien opponieren werden, weil wir ja der Hauptsubven-tionsgeber sind."

Dazu Helmuth Lohner, lakonisch: "Es geht hier offenbar nach dem Wirtshaus-Prinzip - wer zahlt, hat recht."

Was seinen Nachfolger anlangt plädiert Lohner nach wie vor für Karlheinz Hackl: "Warum Hackl offenbar keine ungeteilte Zustimmung findet, kann ich nicht verstehen. Und ich will es auch gar nicht wissen. Denn er ist unbedingt qualifiziert. Aber was glauben Sie, wie viele banale Begründungen sich durch die Geschichte der Menschheit ziehen."

Mailath-Pokorny wiederum bestätigt, Gerüchte über Heribert Sasse (Ex-Direktor des Berliner Renaissancetheaters und des Schillertheaters) und den langjährigen Claus-Peymann-Weggefährten Hermann Beil gehört zu haben: "Ich weiß von Gerüchten, daß sich Morak Heribert Sasse und die Stadt Wien Hermann Beil als Josefstadt-Direktor wünscht. Auf derlei Spekulationen will ich mich aber gar nicht einlassen, sonst brauche ich ja die Ausschreibung nicht mehr."

Jedenfalls wünscht sich Mailath-Pokorny keinen hundertprozentigen Traditionalisten als Lohner-Nachfolger: "Dieses Theater braucht jemanden, der oder die Sorge trägt, daß das vorhandene Publikum nicht davonläuft. Aber natürlich muß man auch neue Publikumsschichten erschließen, und zwar sehr rasch. Für die Josefstadt ist die Quadratur des Kreises erforderlich. Man muß erhalten, was an Gutem vorhanden ist, und Neues einführen."

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