GESPRÄCH DES SERBISCHEN KULTURMINISTERS LECIC MIT HEINZ FISCHER Lecic: Serbische Regierung stabil, Potenzial für Demokratie groß

Wien (PK) - Trotz der gespannten innenpolitischen Lage in seiner Heimat stattete heute der serbische Kulturminister Branislav Lecic Österreich einen Besuch ab. Österreich ist nach Deutschland die zweite Station seiner Auslandsreisen, womit auch der Stellenwert dokumentiert werden soll, den man den politischen Beziehungen mit dem deutschen Sprachraum zuerkennt. Im Rahmen seines Aufenthaltes wurde er vom Präsidenten des Nationalrates Heinz Fischer zu einem Gespräch empfangen, an dem auch die Abgeordneten Brigitte Povysil (F), Andrea Wolfmayr (V) und Ulrike Lunacek (G) teilnahmen.

Neben bilateralen kulturpolitischen Fragen galt das Interesse der österreichischen PolitikerInnen natürlich der aktuellen Lage in der Bundesrepublik Jugoslawien. Minister Lecic räumte zwar Spannungen innerhalb der serbischen Regierung nach der Auslieferung von Milosevic an das UN-Kriegsverbrechertribunal ein, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden können, und betonte, dass die Regierung stabil und das Potenzial für Demokratie groß sei.

Die Regierung unter Ministerpräsident Djindjic bezeichnete er als den "Motor für Veränderungen". Sie sei zu echten demokratischen Reformen entschlossen, denn die Gesellschaft habe ohne radikale Änderungen keine Chancen, meinte Lecic.

Zur Lage im Kosovo führte er aus, dass Serbien mit friedlichen Mitteln die Probleme lösen wolle und am Prinzip des multikulturellen Miteinanders festhalten wolle, auch wenn dies schwierig sei. Es sei auch der Wunsch Serbiens, mit Montenegro zusammen zu bleiben, man werde es aber nicht aufhalten, wenn Montenegro einen eigenständigen Weg gehen wolle.

Die gesamte Staatspolitik, aber insbesondere auch die Kulturpolitik, stehe vor zwei großen Aufgaben, so Lecic, nämlich jener der Veränderung des Systems und der Rückkehr zu freien Institutionen sowie der Vorbereitung der Bürger, dass sie diese Veränderungen auch annehmen und ankurbeln. Dabei komme dem Kulturaustausch eine große Bedeutung zu. Es sei nun endlich die Zeit gekommen, bekräftigte der Kulturminister, dass wir uns als Menschen des 21. Jahrhunderts über religiöse und nationalistische Schranken hinwegsetzen. Die kulturelle Zusammenarbeit mit Österreich sei daher von größter Wichtigkeit.

Auf dem Gebiet der Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik sind die bilateralen Beziehungen seit der im Oktober 2000 eingeleiteten politischen Wende in Serbien intensiviert worden. So wurde z. B. im Rahmen der "Wiener Kulturtage in Belgrad" vom 19. 4. bis 9. 5. 2001, die ein Auftaktprojekt für eine engere Kulturzusammenarbeit mit Jugoslawien darstellten, in Kooperation mit der Universität von Belgrad eine Österreich-Bibliothek eröffnet. Das im Mai 1998 unterzeichnete Arbeitsprogramm für kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit, das Ende 2001 ausläuft, soll in verbesserter Form erneuert werden, um dieses dann auch mit Leben erfüllen zu können, sagte Lecic.

Es sei auch geplant, rund um den Jahrestag der politischen Wende in Serbien Anfang Oktober eine Kulturwoche Belgrads in Wien zu veranstalten, wobei man geeignete Räume suche. Präsident Fischer erklärte sich in diesem Zusammenhang bereit, im Rahmen des Möglichen auch das Parlament zur Verfügung zu stellen.

Ebenso sei das Jahr 2003, in dem Graz Kulturhauptstadt sein wird, ein willkommener Anlass, die kulturelle Zusammenarbeit mit der Steiermark zu intensivieren.

Der serbische Kulturminister zeichnete ein Besorgnis erregendes Bild über den Zustand der kulturellen Güter seines Landes. Der Staat habe sich kaum darum gekümmert, weshalb nun eine große und langwierige Aufgabe in Bezug auf Restauration und Erhaltung der Kulturschätze vor ihnen stehe. Serbien benötige dabei viel Hilfe, nicht nur von Experten, sondern auch an Material. Damit man sich ein Bild davon machen könne, lud er die Abgeordneten nach Belgrad ein.

Branislav Lecic wurde 1955 geboren und war nach entsprechender Ausbildung Schauspieler, der in zahlreichen Rollen in Theater, Film und Fernsehen zu sehen war. Angesprochen von Abgeordneter Wolfmayr auf ein etwaiges Spannungsverhältnis von Künstler und Politiker in einer Person, meinte der Kulturminister, es sei kein Zufall, dass sich immer mehr Künstler in das politische Leben einschalten. Der Künstler helfe den Menschen, das Leben besser zu verstehen, und die Politik dürfe nicht nur die Gesellschaft organisieren, sondern müsse auch beginnen, die menschliche Seele zu fühlen.

Der Minister ist seiner Profession auch treu geblieben und wird heute im Akzent-Theater auftreten.

FISCHER BEI WELTWIRTSCHAFTGIPFEL IN SALZBURG

Der Präsident des Nationalrates Heinz Fischer wird am kommenden Weltwirtschaftsgipfel in Salzburg teilnehmen. Am Rande der Tagung wird er mit dem polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski und dem rumänischen Präsidenten Ion Iliescu zusammentreffen. Themen der Gespräche werden bilaterale Beziehungen und die EU-Erweiterung sein.

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