"Bildung: Unternehmer an die Front" von Jens Tschebull

WirtschaftsBlatt-Kommentar

Wien (OTS) - Wenn die Wirtschaft Interesse an einer Verbesserung
des Schul- und Universitätssystems zeigt, ruft das Berufsstudenten auf den Plan, die sich - wie zuletzt der VSSTÖ gegenüber der Industriellenvereinigung - sogar dazu versteigen, Unternehmern das Recht abzusprechen, bei Bildungsfragen mitzureden. Statt durch den jüngsten OECD-Bericht alarmiert zu sein, der den Österreichern bestätigt, eines der teuersten, ineffektivsten und zeitraubendsten Hochschulsysteme der Welt zu alimentieren, propagiert die frisch unausgebackene rot-grüne Hochschülerschaft in lausbübischem Aktionismus einen gesetzwidrigen Boykott der Studiengebühren. Für eine Sachdiskussion, etwa über die Vorschläge der Industriellenvereinigung zu einem Auswahlverfahren für studierwillige Maturanten, bleibt da kein Raum. Vor allem deshalb, da die von einer Minderheit gewählten Studentenvertreter und -innen zwar viel über ihre gesellschaftspolitischen Vorstellungen, aber wenig über ihre persönlichen akademischen Interessen, Ziele und Leistungen preisgeben. Die Wirtschaft wird wohl andere Gesprächspartner suchen müssen: Solche, die eine solide Hochschulausbildung nicht nur als ein perfides Mittel zur Profitmaximierung der Wirtschaft, sondern als Basis für die Wohlstandsmaximierung des Landes in kultureller, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht sehen. Die im OECD-Zeugnis dokumentierte Vergeudung von Geld, Zeit und geistigem Kapital in unserem Bildungssystem sollte zu einem extramuralen Zusammenschluss reformfreudiger 'Bildungsbürger' im besten Sinne des Wortes führen. Am günstigsten unter der Federführung der Wirtschaft, wo man am ehesten etwas von zielgerichteter Diskussion und Entscheidungsfindung versteht. Die Studiengebühr von fünftausend Schilling pro Semester lässt unterdessen eine erste segensreiche Nebenwirkung erkennen: Nach Schätzungen von Rektor Georg Winkler wird es an der Wiener Universität zum Abgang von rund 20.000 Scheinstudenten kommen. Die Exhumierung und endgültige Bestattung dieser Karteizombies erleichtert die Administration und bringt indirekte Einsparungen für den Staat: Wegfall von erschlichenen Familienbeihilfen, Ermässigungsfahrscheinen, Theaterkarten und sonstigen Begünstigungen. (Schluss) JT

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