OeNB: Gouverneur Dr. Liebscher : 6 Monate vor dem EURO-Day laufen die Vorbereitungen Für die Eurobargeld-Einführung voll nach Plan

Wien (OTS) - Anläßlich der Euro 2002 Konferenz, einem Kooperationsprojekt der Bundesregierung, der Europäischen Zentralbank (EZB), der Europäischen Kommission und der OeNB, betonte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Klaus Liebscher, seine Zuversicht betreffend einer reibungslosen Einführung des Eurobargelds in Österreich. Die Vorbereitungen für die Herstellung, Lagerung und Verteilung von rund 360 Mio. Euro-Banknoten und 1,5 Mrd. Euro-Münzen laufen voll nach Plan.
Nach einem erfolgreichen Start der Währungsunion gehe es nun darum, den Euro dem Bürger näherzubringen, ihn als täglich verwendetes Geld in unser Leben zu integrieren und dadurch eine neue Identität mit der gemeinsamen europäischen Währung aufzubauen. Die Einführung des Eurobargelds sei, so der Gouverneur weiter, jedenfalls mit Sicherheit eine der größten logistischen, aber auch mentalen Herausforderungen unserer Zeit. Den damit verbundenen Unsicherheiten oder Ängsten in der Bevölkerung müsse zeitgerecht mit umfassenden Informationen begegnet werden. Dabei sind die Herausforderungen für die Kommunikationspolitik sehr groß: rund 300 Mio Menschen im Euroraum, die vielen Gäste in diesem Wirtschaftsraum sowie die Halter der nationalen Währungen der Euroländer müssen erreicht werden, unabhängig von ihrem Interesse, ihrer Mediennutzung und ihrem Umfeld. Die intensiven Vorbereitungsarbeiten und Informationsaktivitäten dienten der Prävention allfälliger Probleme im Jänner 2002 und seien damit ein wesentlicher Garant für einen reibungslosen Ablauf des Bargeldumtauschs - und damit auch indirekt der Akzeptanz des neuen Bargelds.
Bezugnehmend auf die österreichische Situation wies Gouverneur Liebscher u.a. darauf hin, dass die OeNB neben ihren massenmedialen Informationsaktivitäten verstärkt den direkten Kontakt mit der österreichischen Bevölkerung sucht, um das Informationsniveau betreffend die Euro-Bargeldumstellung weiter zu heben und offene Fragen zu beantworten. In diesem Zusammenhang seien beispielsweise im Zeitraum von Frühjahr bis Jahresende 2001 gemeinsam mit der Euro-Initiative der Bundesregierung, den Sozialpartnern und anderen Interessensorganisationen sowie dem ORF rund 110 Informationsveranstaltungen vorgesehen. Besonderes Augenmerk werde dabei auf die Information von Schülern, Senioren sowie Bevölkerungsgruppen mit besonderen Bedürfnissen, wie Blinde und Sehbehinderte, gelegt.

Im Hinblick auf eine hohe Fälschungssicherheit des Eurobargelds gelte es, so Gouverneur Liebscher, die richtige Mischung zwischen Sicherheitsanforderungen und Informationsbedarf zu finden. Einerseits muss die Öffentlichkeit umfassend informiert werden, andererseits darf die Sicherheit auf keinen Fall darunter leiden. Erst am 30. August d.J. werde daher die EZB das endgültige Aussehen und die konkreten Sicherheitsmerkmale der Euro-Banknoten erstmals der Öffentlichkeit detailliert vorstellen. Anschließend werden mittels eines direct mailings alle Haushalte des Landes von der OeNB in Zusammenarbeit mit der EZB detailliert über konkretes Aussehen und Sicherheitsmerkmale unserer neuen Euro-Banknoten informiert.
Im Zusammenhang mit der im September d.J. beginnenden Vorverteilung von Euro-Banknoten und -Münzen an Kreditinstitute und Unternehmen bzw. der ab 15. Dezember käuflich erwerbbaren "Startpakete" (à ATS 200,-) für Konsumenten betonte der Gouverneur ausdrücklich, dass dieses vorverteilte Euro-Bargeld keinesfalls vor dem 1. Jänner 2002 in Umlauf gebracht werden dürfe, da Eurobargeld erst ab diesem Zeitpunkt gesetzliches Zahlungsmittel sei. Er hielt weiters fest, dass die Umstellung auf Eurobargeld natürlich auch beträchtliche organisatorische Maßnahmen im Hinblick auf einen geordneten Rücklauf von Schilling-Bargeld erfordere. Wenngleich für den Eurobargeldumtausch der Zeitraum zwischen 1. Jänner 2002 und 28. Februar 2002 - die sogenannte "duale Phase" - zur Verfügung stehe, sei es doch für alle vorteilhaft, möglichst bald auf den Euro umzusteigen. Ab 1. März 2002 sei schließlich nur noch der Euro gesetzliches Zahlungsmittel. Schilling-Banknoten können aber auch danach zeitlich und mengenmäßig unbegrenzt und kostenlos bei der OeNB und ihren Zweiganstalten bzw. Schillingmünzen bei der Münze Österreich AG gegen Euro umgetauscht werden.
Im Hinblick auf immer wieder von der Bevölkerung geäußerte Ängste vor Preiserhöhungen im Zusammenhang mit der Eurobargeld-Einführung wies Gouverneur Liebscher darauf hin, dass Arbeiterkammer und Konsumentenschützer den gesamten Umstellungsprozess überwachen und die Vorschriften des Euro-Währungsangabengesetzes (EWAG) und des 1. Euro-Justiz-Begleitgesetzes den nötigen rechtlichen Schutz liefern würden, um eine korrekte Umrechnung von Schilling auf Euro sicherzustellen. Diese Vorkehrungen und der dank erhöhter Transparenz von den Märkten ausgehende Wettbewerbsdruck sollten den Spielräumen bei der Preisgestaltung enge Grenzen setzen.
Der innere Wert des Schilling, so Gouverneur Liebscher abschließend, gehe nicht mit der Umstellung auf das Eurobargeld verloren, sondern er werde im Euro fortgeführt - einer gemeinsamen europäischen Währung, die das Potenzial hat, sich langfristig zu einer starken Weltwährung zu entwickeln. "Die Währungsunion und der Euro sind sehr gut gestartet - nun liegt es an uns allen, daraus einen erfolgreichen Weg europäischer Integrationspolitik und damit eines friedlich zusammenwachsenden, wettbewerbsfähigen und wohlhabenden Europas zu formen."

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