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Klagenfurt (OTS) - Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Wilder Westen der Medizin

Utl.: Ausgabe vom 29. Juni 2001=

Kärnten ist der Wilde Westen des europäischen
Gesundheitswesens. Zu diesem Schluss musste man gestern kommen, wenn man der Argumentation und Vorstellungswelt unseres Landeshauptmannes folgte. Um deutlich zu machen, wie dringend notwendig die umfassende Strukturplanung der Krankenanstalten durch den Spitalsexperten Christian Köck sei, griff Haider zu ungewöhnlicher Metaphorik.
Da drohen in Kärnten "Patienten mit dem Lasso eingefangen" zu werden, die offenbar gar nicht ins Krankenhaus wollen, aber hinein müssen, weil sonst zu viele der viel zu vielen Krankenhausbetten leer stünden. Da hätten "alle riesige Wagenburgen aufgebaut, die sie jetzt verteidigen". Sheriff Köck wird da für Ordnung sorgen. Die Wagenburgen aufbrechen und die mit Lasso eingefangenen Patienten befreien.
Welche Strukturreformen im Krankenhauswesen auch immer begründet notwendig sein mögen, mit allgemeiner Hypochondrie werden sich Einsparungen politisch wohl kaum auf Dauer begründen lassen. Kranken Menschen einzureden, dass sie ja nur deshalb krank sind, weil die Ärzte Patienten für die leeren Betten brauchen, wird bei Leidenden auf wenig Verständnis stoßen.
Besonders schwer ist der Argumentation zu folgen, dass Kärntens Versorgungsrealität geändert werden müsse, weil diese nicht dem europäischen Durchschnitt entspricht, sondern Europaspitze ist. Es gibt andere Argumente für Bettenabbau. Eine bloße Nivellierung ist eine Verschlechterung für Kärnten.

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