Futtermittelwirtschaft weist Haider-Vorschläge zur Finanzierung der BSE-Kosten zurück

Wirtschaftliche Realität sieht anders aus

Wien (PWK487) Vehement gegen die am Mittwoch vom Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider vorgelegten Vorschläge zur Finanzierung der BSE-Folgekosten wendet sich die heimische Futtermittelwirtschaft. Die Sparte sei in einer schlechten wirtschaftlichen Situation und könne sich die vorgeschlagenen Maßnahme bei weitem nicht leisten. Nach den Vorstellungen Haiders sollten die Preise für Tierfuttermittel per Gesetz gesenkt und dafür der Mehrwertsteuersatz von 10 auf 20 Prozent angehoben werden.

Haider hatte argumentiert, dass es bei Tierfutter "ohnehin Handelsspannen von 70 bis 80 Prozent und mehr" gebe. "Wir können von solchen Spannen nur träumen, die Realität sieht ganz anders aus", erklärt dazu der Berufsgruppenobmann des Futtermittelgewerbes, Michael Marek. Der EU-Beitritt habe die Futtermittelsparte wirtschaftlich schwer getroffen. Als Folge von BSE wurde zuletzt um 15 Prozent weniger Rinderfutter verkauft. "Aufgrund des heftigen Preiskampfes und des Importdruckes liegen die Preise bei Futtermitteln auf Selbstkostenniveau und darunter", deponierte Marek in Hinblick auf die für morgen, Freitag, angesetzte vierte Landeshauptleutekonferenz, bei der der Haider-Vorschlag vorgebracht werden soll.

Der Vorschlag würde voll auf Kosten der Tierfutterhersteller gehen, die die Preissenkungen aus ihrer Marge zahlen sollten. Tatsächlich sei aber von einer Gewinnspanne in vielen Fällen keine Rede, bestätigt auch der Obmann des Verbandes der Futtermittelindustrie, Johannes Kapeller.

Marek verweist auf die Wettbewerbsverzerrung in den Grenzgebieten, zum Beispiel gegenüber Deutschland. Dort unterliegen Futtermittel einem Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, in Österreich von 10 Prozent. Der Unterschied würde sich noch dramatisch vergrößern. Der Vorschlag des Kärntner Landeshauptmanns würde auch die Landwirtschaft direkt treffen. Die meisten Landwirte sind pauschaliert und können daher die Mehrwertsteuer nicht abziehen. Sie würden daher voll zum Handkuss kommen.

Die Futtermittelbranche umfasst rund 230 Betriebe, die im Vergleich zu Westeuropa klein- und mittelständisch strukturiert sind. Die Produktionsmenge liegt bei knapp einer Million Tonnen Mischfutter und ist seit dem EU-Beitritt Österreichs kontinuierlich zurückgegangen. Etwa die gleiche Menge, eine Million Tonnen, wird zusätzlich von den Bauern selbst am Hof erzeugt. (hp)

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Michael Marek

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