"Kleine Zeitung" Kommentar: "Kanalarbeiter" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 29.06.2001

Graz (OTS) - Der Druck muss groß gewesen sein, sonst hätten die ORF-Redakteure nicht das Ventil geöffnet: Die Interventionen der Regierungsparteien hätten an Vehemenz massiv zugenommen, beklagten die ZiB-Journalisten in einer Resolution und listeten Fälle ungustiöser Pressionen auf. Jeder weitere Versuch werde in der Redaktion auf Widerstand stoßen.

Das war sehr tapfer, und niemand, der die Klingenkammer des FP-Klubs kennt, wird am Wahrheitsgehalt der aufgedeckten Interventionen zweifeln. Und dennoch: Kommt die Bereitschaft zum Abwehrkampf nicht ein bissi spät? Wo war sie in all den Jahren, als die SPÖ den ORF als ihre Lautsprecherbox begriff und kalinistische Kramer-Seelen widerborstige Redakteure wissen ließen: "Und Sie werden nie was beim ORF!

Dass jetzt ausgerechnet die SPÖ den Redakteuren mit dem moralischen Rotkreuzkoffer zu Hilfe eilt und von einem "ermutigenden Zeichen" spricht: angewandte Heuchelei!

Die SPÖ hatte ihre Kanäle. Sie musste nur zart am Wasserhahn drehen und es floss. Die FPÖ hat keine Kanäle. Also greift sie zum Wasserwerfer und überschwemmt alles, grob wie sie ist. Sie hat ein Geschicklichkeitsdefizit. Das allein unterscheidet sie in dieser Frage von der SPÖ. ****

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