Ärztekammer warnt vor verpflichtender Abgabe von Billigst-Medikamenten

Pjeta: Gefahren für Sicherheit der Therapie - drohender Vertrauensverlust der Patienten - Verwechslungsmöglichkeiten

Wien (OTS) - Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) warnt nachdrücklich vor kontraproduktiven und übereilten Maßnahmen zur Senkung der Arzneimittelausgaben. Dazu zählen nach Aussage von ÖÄK-Präsident Dr. Otto Pjeta insbesondere Bestrebungen, die den Apotheker unabhängig von einer ärztlichen Verordnung zur Abgabe des billigsten Medikamentes einer bestimmten Arzneimittelgruppe verpflichtet wie Rheumamittel oder Blutdruckmittel. Dies haben Mittwoch Pharmaunternehmen, die auf die Herstellung und den Vertrieb von "Nachahmerprodukten" (Generika, Anm.) spezialisiert sind, gefordert. Die Rationalisierungeffekte dieser sogenannten Substitution durch den Apotheker würden in keinem Verhältnis zu den möglichen negativen Auswirkungen stehen.

Der ÖÄK-Präsident erläutert an einem Beispiel die negativen Konsequenzen der Substitution: Ein chronisch kranker, älterer Patient - zum Beispiel ein Diabetiker - bekommt von seinem Arzt das gewohnte Medikament verordnet. Der Umgang mit diesem Arzneimittel, das Aussehen und die Verpackung sind dem Patienten bestens vertraut, die regelmäßige Einnahme sichert den Behandlungserfolg. Nun allerdings hat der Apotheker laufend das vom Arzt verordnete Arzneimittel gegen das jeweils billigste mit ähnlicher Wirkung auszutauschen. Die Bezeichnungen sind anders, die Farbe und Größe der Tabletten und die Verpackung verändern sich alle paar Monate. Das kann und wird zu großer Verwirrung bei den Patienten führen, meint Pjeta. Denn was soll der Patient mit den noch eventuell vorhandenen Restbeständen des gewohnten Medikamentes daheim tun? Soll er diese Restbestände aufbrauchen oder gleichzeitig mit dem neuen Medikament nehmen? Pjeta:
"Verwechslungen und Fehlern sind auf diese Weise Tür und Tor geöffnet. Die Bereitschaft der Patienten, wichtige Medikamente konsequent einzunehmen, wird sinken. Der Behandlungserfolg ebenso." Damit würden, so der Ärztepräsident, massive Vertrauensverluste der Patienten einhergehen, die Therapiesicherheit im Allgemeinen in Mitleidenschaft gezogen.

Die Wege zu Einsparungen im Medikamentenbereich müssen daher nach Pjeta "behutsam aber konsequent beschritten werden". Die in der Vereinbarung zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungen und der ÖÄK vorgesehenen Arzneimittel-Dialoge seien der richtige Schritt, um die Arzneimittelsicherheit und das Vertrauen der Patienten in eine gewählte Therapie mit möglichen Einsparungen zu verbinden. Alles andere ist nach Pjeta abzulehnen. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen
Ärztekammer,
Tel.Nr. 01/512 44 86.

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE/OTS