ÖAMTC: Ab 1. Juli startet Christophorus 11 in Kärnten

Rettungsflüge in Kärnten durch ÖAMTC-Notarzthubschrauber

Wien (ÖAMTC-Presse) - Vertragsgemäß wird die ÖAMTC-Flugrettung ab 1. Juli auch in Kärnten starten. Mit der Übertragung der Einsatzstellen in Klagenfurt, Graz und Niederöblarn in der Obersteiermark wird die seit Anfang des Jahres laufende Übernahme der Notarzthubschrauber-Standorte des Innenministeriums abgeschlossen sein. Rechtlich basiert diese Neuregelung der Flugrettung auf einem Staatsvertrag zwischen dem Bund und den einzelnen Ländern (§ 15a) sowie einem unentgeltlichen Assistenzvertrag zwischen der Republik, vertreten durch das Innenministerium und den ÖAMTC. Obwohl der Bund weiterhin "Chef" bei seinen acht Standorten bleibt, erbringt die ÖAMTC-Flugrettung die entsprechend der 15a-Vereinbarung festgelegten Verpflichtungen des Bundes gegenüber den Bundesländern. Der ÖAMTC sorgt für das Fluggerät, Piloten und Flugretter, die Länder stellen Notärzte, Notfallsanitäter und die Einsatz- bzw. Einsatzleitstelle.

Ab sechs Uhr früh einsatzbereit

Fast die komplette bisherige Crew von Martin 5 wird ab 1. Juli auch mit Christophorus 11 starten. Neben dem neuen Stützpunktleiter Siegfried Schwarz stehen mit Johannes Strobl und Arno Wösch ehemalige Martin-Piloten zur Verfügung, die jeden Winkel in Kärnten kennen. Die Notärzte unter der Leitung Dr. Rudolf Hribernig kommen vom Landes-und Unfallkrankenhaus Klagenfurt und die Notfallsanitäter rund um Franz Pehaim sind freiwillige Mitarbeiter des Roten Kreuz Kärnten. Ergänzt wird die Crew noch mit Flugrettern der Österreichischen Bergrettung Kärnten unter der Leitung von Michael Olipitz. Christophorus 11 wird täglich zwischen sechs Uhr früh und dem sogenannten "Ende der Bürgerlichen Dämmerung", also bis es finster wird, einsatzbereit sein.
Mit Christophorus 11, einem 40 Millionen Schilling teurem Eurocopter EC 135 besitzt die Rettungscrew künftig ein Fluggerät, das entsprechend den Anforderungen an einen Rettungshubschrauber geplant und gebaut wurde. Der hochmoderne Hubschrauber entspricht allen europäischen Richtlinien für Notarzthubschrauber und sticht durch besondere Leistungsstärke und geringe Lärmentwicklung hervor.

Wie Martin 5 wird auch Christophorus 11 im ständigen Funkkontakt mit der Exekutive stehen. Durch die im Endausbau 18 Maschinen umfassende Hubschrauberflotte des Christophorus Flugrettungsvereins ist eine kurzfristige Beistellung von Ersatzhubschraubern jederzeit möglich. Einsatzrekorde auf Kosten der Patienten

Bei sieben der acht Standorte gab bzw. gibt es bei der Übernahme keine Probleme. Die Zusammenarbeit des ÖAMTC mit den altbewährten und erfahrenen Partnern Rotes Kreuz und Bergrettung funktioniert tadellos. Auch auf politischer Ebene wurden alle Diskussionen rund um die Flugrettung sachlich geführt. In Kärnten ist die Situation leider anders: Entgegen den Beschlüssen des Landes Kärnten, die 15a-Vereinbarungen auch weiterhin zu akzeptieren, hat die Führungsspitze des Roten Kreuzes Kärnten in Konkurrenz zum Innenministeriumshubschrauber Martin 5 einen eigenen Rettungshubschrauber stationiert. Dieser Hubschrauber fliegt seit Ende April mit deutscher Zulassung und deutschen Piloten.

Seit der Inbetriebnahme von RK 1 hat sich die Zahl der Hubschraubereinsätze in Kärnten gegenüber der vergangenen Jahre nahezu verdreifacht. Bei ihrem Streben, mit möglichst vielen Einsätzen die Unentbehrlichkeit ihres Hubschraubers zu unterstreichen, gewinnt man den Eindruck, dass nicht primär die Gesundheit der Patienten im Vordergrund steht. Obwohl der in Nikolsdorf bei Lienz stationierte Notarzthubschrauber Christophorus 7 die meisten Orte in Oberkärnten weit schneller als der Klagenfurter Hubschrauber erreichen kann, wurde die Einsatzgrenze nach Westen verschoben. Die RK-Stellen wurden angewiesen, bis zur Trennlinie Hermagor-Möllbrücke RK 1 anzufordern und dies obwohl die Klagenfurter BK 117 bis Möllbrücke rund 25 Minuten fliegt. Christophorus 7 fliegt nach Möllbrücke nur knapp über 10 Minuten. Verzögerungen die über Leben und Tod entscheiden können.

ÖAMTC erfüllt Flugrettungsvertrag

Im Vertrauen auf den Kärntner Landtagsbeschluss, die § 15a-Vereinbarungen zu akzeptieren, hat die ÖAMTC-Flugrettung Millioneninvestitionen in die Infrastruktur zur Weiterführung der Flugrettung nach den europäischen Luftrettungsrichtlinien im Süden Österreichs getätigt. Die Kosten für die beiden hochmodernen Notarzthubschrauber für Lienz und Klagenfurt belaufen sich alleine auf über 80 Millionen Schilling. Der ÖAMTC als Beauftragter des Bundes erfüllt ab 1. Juli die Verpflichtungen aus den 15a-Vereinbarungen gegenüber dem Land Kärnten.

Die vielfach kolportierten rund 4 Millionen Schilling, mit denen das Land Kärnten die ÖAMTC-Flugrettung subventioniert, sind schlicht und einfach falsch. Vielmehr handelt es sich dabei um Aufwendungen des Landes zur Abdeckung seiner Verpflichtungen aus den 15a-Vereinbarungen. Demzufolge hat das Land Kärnten für die Bereitstellung von Ärzten und Sanitätern sowie der Einsatz- und Einsatzleitstelle zu sorgen. Die ÖAMTC-Flugrettung bekommt davon keinen Schilling.

Objektive Einsatzkoordinierung

Die ÖAMTC-Flugrettung fordert die Schaffung einer objektiven Einsatzleitstelle für Hubschraubereinsätze. Trotz dem Ersuchen die künftigen Kriterien für die Weitergabe der Einsätze bekannt zu geben, hat das Rote Kreuz Kärnten bis heute nicht geantwortet. Es kann nicht sein, dass künftig RK 1 Primäreinsätze mit wenigen Flugminuten fliegt und Christophorus 11 hauptsächlich für Sekundärtransporte eingesetzt wird. Rund 1000 Einsätze pro Standort sind für den Bestand einer funktionierenden Flugrettung überlebenswichtig. Während Primäreinsätze mit einer Gesamtflugzeit von bis zu 20 Minuten durch den Pauschalbetrag der Sozialversicherung weitgehend gedeckt sind, sind lange Überstellungsflüge nicht kostendeckend. So zahlt die Sozialversicherung für Sekundärtransporte nur 302 Schilling pro Flugminute, die Flugminute kostet aber mehr als das Doppelte.

Ab 1. Juli werden auch für Christophorus 11 die Hubschraubereinsätze über die Notrufnummer 144 koordiniert. Seitens der ÖAMTC-Flugrettung wird man allerdings ganz genau beobachten, ob die Koordinierung ausschließlich zum Wohle der Verunglückten erfolgt.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Manfred Pfnier

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