"profil": ORF-GI Weis: "Permanente Drohgebärden und Interventionen"

Regierung will ORF-Gesetz mit "ungeheurer Brutalität" umsetzen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" rechnet ORF-Generalintendant Gerhard Weis mit den Regierungsparteien ÖVP und FPÖ ab, die das neue ORF-Gesetz seiner Meinung nach mit "ungeheurer Brutalität" umsetzen. würden.

Durch "permanente Drohgebärden und Interventionen" sollen, so Weis, Geschäftsführung und Mitarbeiter eingeschüchtert werden. Auch die versprochene Entpolitisierung werde nicht eingelöst, kritisiert der ORF-Generalintendant im "profil"-Interview. "Ich nehme nicht an, dass die Regierung für den Stiftungsrat Personen nominiert, die ihnen fern stehen. Die werden fragen gehen müssen, bevor sie etwas entscheiden."

Das neue Weisungsrecht des nächsten ORF-Chefs könnte nach Ansicht von Weis "in Widerspruch zur journalistischen Unabhängigkeit" geraten. Es werde "an den Journalisten liegen", von ihren Rechten, etwa dem Redakteursstatut, Gebrauch zu machen.

Der Orf-GI übt im "profil"-Interview aber auch Selbstkritik. So sei er, meint Weis, in der Vergangenheit möglicherweise nicht mit der nötigen Härte gegen parteipolitische Attacken gegen ORF-Mitarbeiter aufgetreten. Weis: "Da hätte ich wohl auch andere Mittel einsetzen müssen."

Weis lässt es offen, ob er noch einmal für das Amt des ORF-Chefs kandidiert wird. Sollte ihn aber beispielsweise der ORF-Redakteursausschuss ausdrücklich darum ersuchen, würde er sich eine nochmalige Kandidatur "sehr ernsthaft überlegen".

Dass ausgerechnet eine bürgerliche Regierung eine Medienpolitik betreibt, die Weis zu solcher Kritik veranlasst, "schmerzt" ihn. Andererseits habe er seit Jahren gewusst, "welche Kräfte da am Werk sind".

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"profil"-Redaktion

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