LEINER FORDERT ETHISCH UNBEDENKLICHE ALTERNATIVEN ZU EMBRYONENFORSCHUNG

"Ethik und Würde des menschlichen Lebens sind grenzenlos"

Wien, 24. Juni 2001 (ÖVP-PK) Die Forschung an embryonalen Stammzellen, Züchtung von Reserveorganen aus Stammzelllinien, Patente auf menschliche Genome - all dies sind keine Zukunftsutopien, sondern bereits in manchen Länder Realität in der forschenden Medizin. Die Verheißungen reichen von ewiger Jugend bis zu großer Unsicherheit über die Möglichkeiten und vor allem Risken des Einsatzes der erst im Tierversuch erprobten Methoden. Dazu kommen die enorm wichtigen ethischen Fragen, die gerade in Zusammenhang mit der Verwendung embryonaler Stammzellen zu stellen sind. Mit diesen Fragen befasst sich der neu installierte Unterausschuss des europäischen Parlaments für Gentechnik und neue Technologien der Medizin. Bei seiner ersten Sitzung, die kürzlich in Brüssel stattfand, deponierte der ÖVP-Fraktionsführer im Gesundheitsausschuss Abg. Dr. Günther Leiner als einziger Vertreter des österreichischen Nationalrats die ethischen und medizinischen Anforderungen, die in Zusammenhang mit den neuen Technologien zu klären seien: ****

"Die derzeit in Deutschland und Österreich diskutierte und in England bereits erlaubte Methode, menschliche Embryonen auch zur Gewinnung von Stammzellen und zur Erforschung menschlicher Krankheiten sowie entsprechender Therapien herzustellen und zu verwenden, berührt dabei die ethisch heikelste Frage. Wir stehen im Spannungsverhältnis zwischen der Würde und dem Schutz jedes menschlichen Individuums und der möglichen Heilung schwerster, bis heute zumeist unbehandelbarer Krankheiten", so Leiner .

Ohne die vielversprechenden Aussichten der Stammzellenforschung insbesondere auf therapeutischem Gebiet vernachlässigen zu wollen, mahnte Leiner zur Zurückhaltung und fordert die Förderung alternativer Methoden. "Während England oder auch der deutsche Bundeskanzler den ethisch sicherlich fraglichen Weg der Embryonenforschung und Verwendung menschlicher Embryonen gehen wollen, gibt es mittlerweile auch große Erfolge mit alternativen Methode etwa bei Bluterkrankungen. Genesungen konnten über die Knochenmarkstammzellen ohne embryonale Beteiligung erreicht werden. So haben erst Wissenschafter des Forschungszentrums Jülich einen neuen Bioreaktor entwickelt, in dem Blut bildende Stammzellen in großem Maßstab kultiviert und vermehrt werden können. Bislang konnten diese Zellen nur in geringer Zahl aus Knochenmark oder Nabelschnurblut gewonnen werden", erläuterte Leiner.

Besonders bei der Behandlung von Krebs könnten diese Zellen kranken Kindern helfen, deren Immunsystem durch eine Chemo- oder Strahlentherapie zerstört ist. Denn allein aus den Stammzellen kann sich wieder ein intaktes Immunsystem entwickeln.

FRAGE DER EMBRYONENFORSCHUNG AUF EUROPÄISCHER EBENE DISKUTIEREN

In der EU des freien Dienstleistungs- und Warenverkehrs könne auch die Frage des Forschungseinsatzes nur im europäischen Gleichklang gelöst werden, ist Leiner überzeugt. Erst kürzlich hatte eine rechtspolitische Tagung am Österreichischen Institut für Rechtspolitik in Salzburg zum Thema zutage gebracht, dass heute schon Stammzellen (Zellinien) ohne Probleme importiert werden könnten (etwas aus Israel oder den USA) und Patienten in alle Länder zur Behandlung reisen können. Nach internationalem Recht - der Biomedizinkonvention, die Österreich nicht ratifiziert hat, und Gemeinschaftsrecht - scheint auch kein klares Verbot des therapeutischen Einsatzes von Embryonalstammzellen zu existieren. Klar verboten ist nur nicht-therapeutisches, also reproduktives Klonen. Aber darum geht es ja beim Einsatz der Embryonalstammzellentherapie eben nicht. Das führt zu dem Paradoxon:
es darf therapiert werden, aber nicht geforscht.

Die Gemeinschaft ist unter anderem zuständig für die Finanzierung durch gemeinschaftliche Forschungsrahmenprogramme und für Sicherheitsnormen zur Gewährleistung der menschlichen Gesundheit bei der Nutzung von Stammzellen zu therapeutischen Zwecken. Der ÖVP-Gesundheitspolitiker fordert daher: "Die Gemeinschaft sollte für die Stammzellforschung, bei der alternative Quellen benutzt werden, einen besonderen Forschungshaushalt vorsehen und dabei insbesondere die Forschung an adulten Stammzellen fördern und darauf achten, dass die gewonnenen Forschungsergebnisse weit verbreitet und nicht aus kommerziellen Interessen zurückgehalten werden."

"Für mich als christlichem ÖVP-Politiker stellt sowohl der Schutz des Menschen auch in der Frühphase seiner Existenz als auch die menschliche Gesundheit ein hohes Gut dar", erklärte Leiner. Dementsprechend wichtig sei es, in Österreich im internationalen und innerstaatlichen Kontext unter Einbindung von Ethikern, Medizinern und Theologen Positionen zu entwickeln, die den Anforderungen der jetzigen Entwicklung Rechnung tragen und helfen, ethisch einwandfrei vertretbare Methoden zu fördern, "denn die Ethik und die Würde des menschlichen Lebens sind grenzenlos".
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