Sommerakademie 2001 will Voraussetzungen für forcierten Bio-Schub

"Schlussdeklaration: Bio-Landbau als europäische Strategie für Agrarpolitik"

Lednice, 23. Juni 2001 (AIZ). - Die biologische Landwirtschaft ist eine europäische Strategie zur Gestaltung der Agrarpolitik in einem größeren Europa. Dies ist die Grundaussage der Schlussdeklaration der Sommerakademie für Biolandwirtschaft vom 21. bis 23. Juni in Lednice. Für Walter Klasz, Sektionschef im Wiener Landwirtschaftsministerium, sprechen die derzeitigen Rahmenbedingungen für eine positive Entwicklung des Biolandbaus. Setzte man in den 60er und 70er Jahren auf technischen Fortschritt mit intensiver, spezialisierter und rationalisierter Landwirtschaft, so hat man bereits in den 80ern "an den Früchten des technischen Wachstums zu zweifeln" begonnen, beschrieb Klasz die Entwicklung der Agrarpolitik. Überschussproduktion und der daraus resultierende Preisverfall führten zu einem Umdenken. "Heute sind wir dabei, die technischen Normen in ökologische und multifunktionelle Aspekte umzulenken", so Klasz bei der Präsentation der Schlussdeklaration. ****

Die Agenda 2000 biete den Mitgliedsstaaten "Spielräume", um die Ökologisierung und die Entwicklung der ländlichen Räume voranzutreiben. Gerade in einer erweiterten Union liege der Schwerpunkt auf Extensivierung der Landwirtschaft und Erhöhung der Biodiversität. Das europäische Modell der multifunktionalen Landwirtschaft bestätige diesen Weg. Klasz wiederholte die Anregung von Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer, neben dem europäischen Agrarmodell ein europäisches Lebensmittelmodell mit den Pfeilern Qualität, Vielfalt, Sicherheit und Herkunft zu etablieren.

Der tschechische Vizelandwirtschaftsminister Thomas Zidek zeigte sich positiv überrascht von den Aussagen europäischer Politiker, die zukünftige Agrarpolitik auf Nachhaltigkeit und Biolandbau auszurichten. Er begrüßte den eingeschlagenen Weg, denn Bio-Landwirtschaft sei "eine Philosophie", die von vielen Verbrauchern getragen werde. Seiner Meinung nach komme den Kandidatenländern diese Neuorientierung zugute. Von der Sommerakademie in Lednice erwartet Zidek Impulse für eine beschleunigte Entwicklung der biologischen Landwirtschaft.

Der Biobauer und Repräsentant der Veranstalter, Michael Piatti, kündigte an, die Bio-Sommerakademie als Ort des Erfahrungsaustausches zwischen Praktikern, Politikern, Wissenschaftern, Händlern und Konsumenten fest zu verankern. Sie soll notwendige Voraussetzungen für die Forcierung des Bio-Landbaus diskutieren und erarbeiten. Die Sommerakademie 2002 wird im Juni nächsten Jahres wiederum in Lednice stattfinden.

Notwendige Voraussetzungen:
Organisationsstruktur und Unterstützung durch Konsumenten

Um dem Tagungsinhalt Nachdruck zu verleihen, verabschiedeten die Teilnehmer eine Deklaration zur Förderung des Bio-Landbaus in Europa. Um den Bio-Landbau zu forcieren, seien eine gute Organisationsstruktur in allen Bereichen (Forschung, Beratung, Produktion, Verarbeitung, Vermarktung, Kontrolle) sowie die notwendigen politischen Rahmenbedingungen unerlässlich. Weiters wird ein hohes Umweltbewusstsein der Bevölkerung vorausgesetzt. Die Konsumenten müssen bereit sein, umweltfreundliche und qualitativ hochwertige Produkte zu einem höheren Preis zu kaufen, so das Papier.

Weiters fordern die Teilnehmer die Einbindung der Beitrittskandidatenstaaten in die laufenden Diskussionen zum Europäischen Aktionsplan Biolandwirtschaft. In einem Erfahrungsaustausch soll diesen Ländern geholfen werden, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu entwickeln (Abgeltung der Umweltleistungen, Meinungsbildung in der Bevölkerung, Aufbau der notwendigen Strukturen). Das dafür notwendige Wissen soll durch gemeinsame praxisrelevante Forschungsaktivitäten sichergestellt werden.

Die Sommerakademie 2001 für Biolandwirtschaft geht heute, Samstag, mit einem Exkursionsprogramm zu Ende. Es werden Biobetriebe in Tschechien und Österreich besichtigt, unter anderem die Freilandhaltung von Schweinen im Stift Geras, ein bilateraler Ackerbau-Biobetrieb bei Sedlec, Bioläden, Bio-Kräuteranbau in Breclav sowie Weinbau- und Verarbeitungsbetriebe in Südmähren. Über 230 Experten aus 25 Ländern nahmen an der ersten Bio-Sommerakademie 2001 in Lednice teil.
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