WirtschaftsBlatt-Kommentar zur AT-Privatisierung

Standing Ovations für Austria-Tabak-Privatisierung von Elisabeth Schinnerl

Wien (OTS) - Souverän und hochprofessionell - mit diesen Worten umschreibt man die Privatisierung des österreichischen Tabakriesen Austria Tabak am besten. Heinz Schiendl und Jörg Schram haben die Vorbereitungen zum Verkauf ihres Unternehmens so erledigt, wie sie seit vielen Jahren ihren Vorstands-Job in der ÖIAG-Vorzeigetochter erledigt haben: Mit grosser Um- und noch grösserer Weitsicht. Auch wenn die im Aufsichtsrat vertretenen Betriebsräte die Abstimmung über den Verkauf boykottierten und Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger von einer Nacht- und Nebel-Aktion sprach und den Verlust eines heimischen Paradeunternehmens beklagt - die Entscheidung ist richtig. Denn an der Notwendigkeit der Privatisierung ist nicht zu rütteln. Und der britische Gallaher-Konzern hat im Vergleich zu seinen Konkurrenten gleich mehrere Vorteile: Erstens haben die Briten mit etwas mehr als zehn Milliarden Schilling den höchsten Preis geboten. Die Aktionäre haben damit seit dem Börsegang im Jahr 1997 ihren Kapitaleinsatz mehr als verdoppelt. Zweitens ist Gallaher ein überschaubarer Partner: Mit einem Umsatz, der knapp dreimal so gross ist wie jener der Österreicher, ist Gallaher zwar der grössere Partner, aber sicher nicht so dominant wie es etwa British American Tobacco gewesen wäre. Ausserdem ist Gallaher ein Partner mit einer langen Tradition und ohne interne Probleme wie sie derzeit die italienische ETI, die mitten in der eigenen Privatisierung steckt, oder die französisch-spanische Tabakehe Altadis, die noch an der Fusion zu kauen hat, plagen. Und nicht zuletzt ist die territoriale Ergänzung durch die Briten ideal. Zur AT-Marktführerschaft in Österreich und Schweden kommt die Gallaher-Dominanz in Grossbritannien, Irland und Russland hinzu. Das restliche Osteuropa will man bereits gemeinsam erobern. Und auch für ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz hat der Deal einen positiven Effekt: Die professionelle Abwicklung verschafft dem zuletzt heftig ins Schussfeuer der Kritik geratenen Manager wieder etwas Luft. Sollte er den nun anstehenden Dorotheum-Verkauf ähnlich gut über die Bühne bringen, könnte seinen Kritikern die Munition ausgehen. Denn am Positiv-Konto von Ditz steht nun ein ÖIAG-Schuldenstand von nur noch 28 Milliarden Schilling. Damit ist die Zinslast erstmals geringer als die zu erwartenden Dividendenzahlungen. (Schluss) es

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