Großbritannien: BSE und MKS führten zu Bio-Boom in den Supermärkten

Wachstumsraten bis zu 50 % - Marktvolumen wird von 3 % auf 10 % steigen

Lednice, 22. Juni 2001 (AIZ). - Die BSE-Krise und die damit zusammenhängenden Creuztfeld-Jakob-Erkrankungen führten zu einem Umdenken der britischen Verbraucher. Die Supermarktketten reagierten: Seit fünf Jahren bieten die britischen Supermärkte (Tesco, Sainsbury, Safeway, usw.) flächendeckend Bio-Produkte mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 30 % und 50 % an. Dominic Dyer vom britischen Lebensmittel- und Getränkeverband führt das stetig steigende Wachstum auf die Tierkrankheiten BSE und MKS sowie auf das neue Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung zurück. Die Handelsketten haben rasch auf die veränderten Bedingungen reagiert. "Immense Summen" wurden laut Dyer in Werbung und Promotion für biologische Handelsmarken, die Gestaltung eigener Öko-Kundenkarten und in die Positionierung eines neuen Lifestyle-Produkts investiert. Mittlerweile haben die Supermarktketten einen Anteil von 70 % des Biomarktes inne. "Eigene Regale, Verkaufsständer und Promotion zieren die Verkaufsflächen für organic food", beschrieb Dyer die Situation in den britischen Supermärkten im Rahmen der Sommerakademie für Biolandwirtschaft in Lednice. Tesco und Sainsbury sind die Marktführer mit etwa 600 gelisteten Bioprodukten. Über 75.000 Haushalte kaufen direkt bei Höfen ein. Über ein ausgeklügeltes Liefersystem gelangen die Bestellungen effizient zum Verbraucher. Im Zunehmen sind weiters die so genannten "Planet Organic-Shops", die etwa 2.000 Öko-Waren zum Verkauf anbieten. "Nicht nur die Großen profitieren vom Bio-Boom, auch kleine Spezialisten wie die Erzeuger von Bio-Keksen sind im Aufschwung", so Dyer. ****

Im letzten Jahr wurde im Bio-Frischebereich 175 Mio. Pfund oder 3 % des Marktvolumens umgesetzt. Dyer schätzt das Wachstumspotenzial auf 10 % in den nächsten fünf Jahren. Unter dem Dach eigener Handelsmarken verarbeitet Tesco beispielsweise Bio-Produkte zu Convenience (Pizza, Snacks, Pastas, Tiefkühlgemüse usw.). Neu auf dem Markt ist bereits der "Organic Nescafe" von Nestle und "Seeds of Change" der Firma Mars. Kellogs arbeite gerade an biologischen Cornflakes, sagte Dyer. Durch die Verarbeitung im großen Stil profitiere der Verbraucher zweifach: Zum einen sinken die Preise und zum anderen wird seiner Besorgnis über Lebensmittelsicherheit Rechnung getragen. Bremsen könnte den Boom nur eine Rezession, so Dyer.

Keine Furcht vor dem Handel

Biobauer Hans Kehrer hat angesichts dieser Entwicklung "keine Furcht vor den großen Händlern". "Es ist unser Ziel, möglichst viele Bio-Produkte zu vermarkten, und dazu brauchen wir den Großhandel und die Supermarktketten", sagte Kehrer, allerdings "nur zu einem ordentlichen Preis". Seiner Meinung nach gehe es nicht an, dass Biolebensmittel günstiger als konventionelle Premiumprodukte angeboten werden. Derzeit sei es in Österreich so, dass der Ab-Hof-Verkauf, der Biofachmarkt und die Vermarktung über Bauernläden den höheren Erzeugerpreis eher garantieren, als die Supermärkte. Für den Geschäftsführer von Ökoland, Josef Aigner, sind Strukturen zwischen Produzent und Supermarkt unbedingt notwendig, um zu einem Erfolg zu gelangen. Die Zusammenarbeit mit Supermärkten brauche "Spezialisten", so Aigner, die genau auf die Bedürfnisse der Marktteilnehmer eingehen und diese befriedigen können.

Professionelle Logistik notwendig

Vor allem in der Vermarktung von Frischfleisch bestehe Bedarf an professionellen Logistikern und Vermarktern. Stefan Maran, Begründer des ersten Biosupermarktes in Wien, könnte sich eine Shop-in-Shop-Lösung vorstellen. Derzeit sei die Situation nicht "optimal". Simon Ziegler vom deutschen Ökodorf Brodowin arbeitet mit Partner-Gewerbebetrieben zusammen, die nach den Bio-Kodexbestimmungen Frischfleisch zu Wurst oder Milch zu Biojoghurt verarbeiten. In Deutschland herrsche derzeit "Hochstimmung" für den Biomarkt. "In Berlin sind im letzten Jahr sechs Biosupermärkte aus dem Boden geschossen. Die Experten rechnen mit Wachstumsraten von 40 % bis 100 % im Jahr", sagte Ziegler.

Auch wenn große Supermarktketten auf "Bio" aufspringen, so haben dennoch die alternativen Vermarktungsformen wie Bauernladen, Naturkostfachhandel und Reformhäuser ihre Berechtigung. "Die Leute kommen und wollen vorerst informiert und beraten werden", erzählte Kehrer. Das Informationsdefizit über Biolandwirtschaft, landwirtschaftliche Produktionsmethoden, Kontrollen und Prüfverfahren sei groß. Für die Zukunft wollen die Bio-Marktteilnehmer die Beratung und die Bewusstseinsbildung stärken, hieß es aus Lednice.
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