Was bewegt Österreich

Wien (OTS) - Zufolge eines Updates der 1996 durchgeführten Studie zu Bevölkerungsthemen, das heute von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung publik gemacht wurde, betrachten die Österreicher/innen BSE (56%) als das größte nationale Problem. Möglicherweise wurde dieses Problem deshalb so oft in Österreich genannt, da die Daten am Höhepunkt der BSE-Debatte erhoben wurden (Februar 2001). Europaweit rangiert BSE mit 21% nur an dritter Stelle der Topthemen. Weiters sorgen sich die Österreicher/innen um die wirtschaftliche Situation (27%), Arbeitslosigkeit (20%), Europäische Union und Gesundheitsversorgung (je 18%). Im Vergleich zur Studie von 1996 hat die Besorgnis der Österreicher betreffend Arbeitslosigkeit (um 19%) und Wirtschaft/Inflation (um 10%) abgenommen.

Als wichtigstes internationales Problem wird von Europäern mit 31% die Umwelt/Umweltbelastung (um 5% mehr als 1996) genannt, gefolgt von Hunger und Krieg (je 30%) und Armut (21%).

Für jede/n vierte/n Österreicher/innen erscheint - so wie bereits 1997 - AIDS als eines der großen Weltprobleme.

Das Thema Bevölkerungswachstum wird an 8.Stelle mit 9% gereiht, wohingegen andere verwandte Bereiche wie reproduktive und sexuelle Gesundheit, Geschlechtergleichstellung, Frauenrechte und Jugendsexualität geringe Nennungen erhielten.

Speziell zum Themenkreis der reproduktiven und sexuellen Gesundheit befragt, meinte fast die Hälfte der Österreicher/innen, dass HIV/AIDS eines der Hauptprobleme der Entwicklungsländer darstellt und 39% waren der Meinung, dass die österreichische Regierung Programme fördern sollte, die AIDS-Prävention zum Ziel haben.

Das Inland betreffend fanden Programme zur AIDS-Prävention mit 48%, Familienplanungsberatung mit 46% und Beratung hinsichtlich der Vermeidung unerwünschter Teenagerschwangerschaften mit 44% die meiste Zustimmung. Das mag möglicherweise eine Reaktion auf die hohe Zahl von Teenager-Schwangerschaften in Österreich sein.

Der Anteil jener, die Leistungen der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) bejahen, ist von 76% auf 87% gestiegen, wobei 38% der Befragten sich für die Förderung von Kontrazeptionsberatung aussprechen.

Univ. Prof. Dr. Marianne Springer-Kremser, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, meint: "Es ist erfreulich, daß sich das Bewußtsein für die Wichtigkeit der Entwicklungszusammenarbeit (EZA) erhöht hat; das sollte ein Zeichen für die österreichische Regierung sein, das Budget der EZA zu erhöhen. Die ÖGF sieht es als eine ihrer Aufgaben an, diese Entwicklung durch eine Reihe von Aktivitäten voranzutreiben.

Zusammenfassung

Dieser Bericht stellt die Ergebnisse einer Studie in 13 europäischen Ländern dar, die von IPPF (international Planned Parenthood Federation) und UNFPA (United Nations Population Fund) in Auftrag gegeben wurde und die die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung als österreichischer Partner präsentiert. Das Ziel der Untersuchung war, ein Bild des bestehenden Bewusstseins und der Aktivitäten im Bereich der reproduktiven Gesundheit und Bevölkerung zu zeichnen. Reproduktive Gesundheit und Rechte sind keine Top-Themen in Europa, weder für das eigene Land noch für die Welt. Die Bereitschaft zur Leistung von Entwicklungshilfe ist gestiegen. Im Bereich der reproduktiven und sexuellen Gesundheit sehen die Österreicher/innen HIV/AIDS als eines der großen globalen, aber auch als ein insbesondere die Entwicklungsländer betreffendes Problem an.

Höhepunkte

- 42 % der Österreicher/innen spendeten in den vergangenen Jahren für einen wohltätigen Zweck (europäischer Durchschnitt = 59%)

- 52 % der Österreicher/innen wollen, dass Zugang und Informationen zu Familienplanung in Entwicklungsländer verfügbar sein soll (europäischer Durchschnitt 63%)

- 24 % erachten AIDS/HIV-Infektion als ein weltweites Problem (europäischer Durchschnitt = 19 % ), aber nur 1% waren über reproduktive Gesundheit und Rechte in Entwicklungsländer besorgt (europäischer Durchschnitt: 2%)

Österreicher sind wie der/die Durchschnittseuropäer/in nur im geringen Ausmaß bereit, politisches Lobbying zu betreiben, nur 3 % haben einen Brief an eine/n Parlamentarier/in geschrieben

- 12 % bzw. 15% der Österreicher/innen kennen IPPF (International Planned Parenthood Federation bzw. UNFPA (United Nation Population Fund) - Organisationen, die international gesehen die aktivsten im Bereich der reproduktiven und sexuellen Gesundheit sind.

Die Untersuchung wurde von MORI im Februar 2001 durchgeführt, um das Niveau des öffentlichen Verständnises über globale Probleme wie Bevölkerung, reproduktive Gesundheit, Geschlechtergleichheit, Empowerment der Frauen und Entwicklung festzustellen. Das geringe europäische Interesse an diesen Bereichen bestätigt erneut den Bedarf an der europaweiten Face-to-Face-Kampagne, die die UNFPA seit 1997 mit den verschiedenen europäischen Partnern durchführt. In Österreich wurden 1.018 Personen befragt, für Europa gesamt umfasste die Stichprobe 13.350 Personen.

Ergebnisse der UNFPA Studie 2001

10 Top-Themen im nationalen Bereich

Österreich Europa (inklusive Österreich)

1. BSE 56% 1. Arbeitslosigkeit 29% 2. Wirtschaft/Inflation 27% 2. Kriminalität/ Rechtssicherheit 24% 3. Arbeitslosigkeit 20% 3. BSE 21% 4. Europäische Union 18% 3. Rassimus/Einwanderung 21% 4. Gesundheitswesen 18% 5. Drogenmißbrauch 18% 6. Soziale Sicherheit/ 5. Gesundheitswesen 18% Pensionen 16%
7. Kriminalität/ 7. Wirtschaft/Inflation 16% Rechtssicherheit 15%
8. Rassismus/Einwanderung 14% 8. Umwelt 13% 9. AIDS/sex. übertragbare 9. Soziale Sicherheit/ Krankheiten 11% Pensionen 10% 9. Umwelt 11% 10. AIDS/sex.
übertragbare Krankheiten 9% 11. Drogenmissbrauch 10% 10. Armut 9% 10. Bildung 9%

Abtreibung 3% Abtreibung 2% Reproduktive Rechte Reproduktive Rechte
und Gesundheit 1% und Gesundheit 2% Teenager Schwangerschaften 1% Teenager Schwangerschaften 2%

Top-Themen im internationalen Bereich

Österreich Europa (inklusive Österreich)

1. Umwelt 31% 1. Umwelt 31% 2. Krieg 27% 2. Hunger 30% 3. AIDS/sex. übertragbare 2. Krieg 30% Krankheiten 24%
4. Hunger 23% 4. Armut 21% 5. Naturkatastrophen 21% 5. AIDS/sex. übertragbare Krankheiten 19% 6. Drogenhandel/mißbrauch 17% 6. Naturkatastrophen 16% 6. Armut 17% 7. Drogenhandel/mißbrauch 13% 8. Bevölkerungswachstum 12% 8. Verschuldung d 3.Welt 9% 9. Atomkrieg 11% 8. Bevölkerungswachstum 9% 9. Flüchtlinge/Migration 11% 10. Gesundheitswesen 8% 10. Menschenrechtsverletzung 8%

Gewalt gegen Frauen 3% Gewalt gegen Frauen 3% Gleichstellung d Gleichstellung d
Geschlechter 3% Geschlechter 2% Reproduktive Gesundheit Reproduktive Gesundheit
u Rechte 2% u Rechte 2% Abtreibung 1% Abtreibung 2% Teenagerschwangerschaften 1% Teenagerschwangerschaften 1%

Teilnehmende Länder:

Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden, Schweiz

Kontaktperson:

Mag. Elisabeth Pracht, Österreichische Gesellschaft für Familienplanung, Tel: 4785242, email: e.pracht@oegf.at

Ergebnisse der UNFPA Studie 1996

10 Top-Themen im nationalen Bereich

Österreich Europa (inklusive Österreich)

1. Arbeitslosigkeit 39% 1. Arbeitslosigkeit 59% 2. Wirtschaft/Inflation 37% 2. Wirtschaft/Inflation 30% 3. Kriminalität/ 3. Kriminalität/ Rechtssicherheit 23% Rechtssicherheit 20% 3. Rassismus/Einwanderung 23% 4. Drogenmißbrauch 18% 5. Europäische Union 20% 5. Gesundheitsversorgung 14% 6. Drogenmißbrauch 18% 6. Soziale Sicherheit/ Wohlstand 13% 7. AIDS/sex. Übertragbare 7. Rassismus/Einwanderung 12% Krankheiten 15%
8. Korruption 13% 8. Umwelt 11% 9. Gesundheitsversorgung 11% 9. AIDS/sex. übertragbare Krankheiten 9% 9. Umwelt 11% 9. Korruption 9%

Reproduktive Gesundheit Reproduktive Gesundheit
u Rechte 2% u Rechte 1%

Top-Themen im internationalen Bereich

Österreich Europa (inklusive Österreich)

1. Krieg 27% 1. Krieg 41% 2. Umwelt 26% 2. Hunger 27% 3. AIDS 25% 3. Umwelt 25% 4. Drogenmißbrauch/handel 24% 4. Armut 21% 4. Hunger 24% 5. Arbeitslosigkeit 20% 6. Arbeitslosigkeit 23% 6. Drogenmißbrauch/handel 16% 7. Atomkrieg 16% 7. AIDS/HIV 14% 8. Armut 15% 8. Bevölkerungswachstum 12% 9. Bevölkerungswachstum 14% 9. Verschuldung d 3.Welt 9% 10. Flüchtlinge/Migration 10% 10. Atomkrieg 8% 10. Terrorismus 10% 10. Terrorismus 8%

Reproduktive Gesundheit Reproduktive Gesundheit
u Recht 3% u Recht 2%

Teilnehmende Länder:

Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden, Schweiz

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Elisabeth Pracht
Österreichische Gesellschaft für
Familienplanung
Tel: (01) 4785242
email: e.pracht@oegf.at

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