Csörgits: Aussagen des Leiters der Männerabteilung eine Provokation

Gleichstellungspolitk darf nicht reduziert, sondern muss weiter ausgebaut werden

Wien (ÖGB). "Ich frage mich, in welcher Welt Herr Berchtold lebt. Angesichts der bestehenden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen, empfinde ich seine Aussagen zur Gleichstellungspolitik als Provokation für jede Frau", reagierte ÖGB-Frauenvorsitzende und ÖGB-Vizepräsidentin Renate Csörgits auf ein, heute im Standard erschienenes, Interview mit Johannes Berchtold, dem Leiter der Männerabteilung im Bundesministerium für Soziale Sicherheit und Generationen.++++

Der Leiter der Männerabteilung stellte im Standard-Interview das für den öffentlichen Dienst geltende Frauenförderungsgebot infrage. Csörgits dazu: "Es ist nach wie vor eine Tatsache, dass Frauen - auch im öffentlichen Dienst - in den leitenden Positionen stark unterrepräsentiert sind. An der positiven Diskriminierung darf nicht gerüttelt werden." Zynisch findet die ÖGB-Frauenvorsitzende auch Berchtolds Aussage, Frauen, die eine Babypause machten, würden einen Einkommensverlust bewusst in Kauf nehmen. "Da wird den Frauen mit dem Kindergeld, das in wenigen Tagen vom Parlament beschlossen wird, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die partnerschaftliche Teilung der Karenz erschwert, und dann sagt man quasi als Draufgabe:
'Na ja, ihr seid ja selbst schuld,wenn ihr so lange zuhause bleibt'", kontert Csörgits.

Die ÖGB-Frauen setzen im Gegenzug auf Maßnahmen, welche die Erwerbstätigkeit der Frauen und damit ihre Eigenständigkeit fördern. Ihr Alternativmodell zum Kindergeld, Karenzgeld PLUS, sieht ein einkommensabhängiges Karenzgeld von mindestens 8.437 Schilling und maximal 15.087 Schilling vor. Weiters fordern die ÖGB-Frauen die Verbesserung der Rahmenbedingungen für berufstätige Mütter und Väter durch den Ausbau der Teilzeitkarenz, das Recht auf Änderung der Arbeitszeit bei der Berufsrückkehr und die weitere Schaffung qualitativ hochwertiger Kinderbetreuungseinrichtungen. Csörgits abschließend: "Es gibt sicher eine Reihe von Problemen, die besonders Männer betreffen und die nicht heruntergespielt werden sollen. Was dabei nicht passieren darf, ist allerdings, dass die 'neue Männerpolitik' mit einem Rückschritt bei der Gleichstellungspolitik einhergeht." (mfr)

ÖGB, 22. Juni 2001
Nr. 511

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