Aber bitte Bio V der Wunsch mündet oft nicht auch in den Kaufakt

Gallup präsentiert Marktstudie über Wissen der Bevölkerung über Bio

Lednice, 22. Juni 2001 (AIZ). - "Aber bitte Bio" - ist ein Wunsch, der immer öfter von Konsumenten geäußert wird. Dem gegenüber stehen aber die Absatzmengen biologisch produzierter Lebensmittel, die deutlich "unter den geforderten Mengen" liegen. Dieses Phänomen mit dem Faktum "sozial unerwünschtes Verhalten" oder "Lippenbekenntnis" abzutun, ist für Roswitha Haßlinger vom Österreichischen Gallup Institut zu oberflächlich. Das Ergebnis einer Marktstudie vor einem Monat zeigt, dass die breite Masse die in der öffentlichen Diskussion verwendeten Begriffe oft nicht versteht. Nicht verstanden wird auch vom Großteil der Verbraucher, warum Produkte aus biologischem Ackerbau mit Fruchtwechselwirtschaft, chemiefreien Obstplantagen etc. qualitativ besser und auch teurer sind als herkömmliche Produkte. "Das Wissen um Produktionsabläufe fehlt völlig", sagte Haßlinger bei der internationalen Sommerakademie für biologische Landwirtschaft am Freitag in Lednice. ****

Haßlinger präsentierte die Ergebnisse einer Studie, die sich mit Wissensstand, Urteilen und Vorurteilen in der Bevölkerung über Bio befasst. Im Zusammenhang mit Lebensmitteln verbindet die Mehrheit der Österreicher "Bio" mit biologischem, natürlichen Anbau. Jeder fünfte Befragte denkt an gesunde Ernährung beziehungsweise die damit verbundene gesunde Lebensweise. "Natur/natürlich" und "keine Chemie/keine chemischen Zusatzstoffe" folgen in der Häufigkeit der Nennungen. Das Angebot an Bio-Produkten wird Haßlinger zufolge von einer großen Mehrheit als "ausreichend" eingestuft. Etwa 15 % fordern eine Angebotserweiterung bei Gemüse, Fleisch, Wurstwaren und Obst. Das Kaufverhalten der Österreicher hat sich seit der BSE-Krise vor allem bei Fleisch und Wurstwaren verändert. Es werde mehr als vorher auf Bio geachtet. Das veränderte Umweltbewusstsein führt allerdings auch zu einer höheren Beachtung von "Bio" im Bereich pflanzlicher Nahrungsmittel.

Zwei Drittel wissen nicht, was Bio ist

Obwohl rund zwei Drittel der Konsumenten der Meinung sind, "man wisse eigentlich nicht, was Bio genau ist", ist das Vertrauen in entsprechende Kennzeichnungen doch sehr hoch. Etwa jeder zweite Konsument meint beziehungsweise hofft, dass bei Bio-Produkten die Rohstoffe beziehungsweise deren Herkunft kontrolliert werden. Als wichtigstes Kontrollorgan für Bio-Produkte wird die Agrarmarkt Austria (AMA) gesehen, etwa ein Drittel der Österreicher nennt das Landwirtschafts- und das Gesundheitsministerium.

Vielfalt des Bio-Logos reduzieren

Am bekanntesten sind die Bio-Handelsmarken "Ja! Natürlich" (44 %) und "Natur pur" (14 %). Das AMA-Bio-Siegel ist 8 % der Befragten "bekannt". Haßlinger regte an, die verschiedenen Zeichen und Logos zu reduzieren und die Werbung zu vereinfachen. Denn "der Konsument wird die Liste mit über 60 Bio-Logos nicht lernen". Was die Glaubwürdigkeit der als biologisch gekennzeichneten Produkte anbelangt, so ist fast die Hälfte der Befragten skeptisch und meintä "es kommt darauf an, von wem die Produkte sind". Dabei spielen die Bekanntheit und das Image der "Absender" eine bedeutende Rolle.

Höherer Preis lässt Kaufbereitschaft reine Absicht bleiben

Für Haßlinger steht die Glaubwürdigkeit der Bio-Produkte in engem Zusammenhang mit Angaben über den Produzenten beziehungsweise mit einem "Prüfsiegel" einer übergeordneten Instanz. Auch wenn die Kaufbereitschaft für Bio-Fleisch, Milchprodukte und Gemüse hoch ist, so erfährt sie allerdings am Point of Sale bei vielen Konsumenten eine Relativierung über die zum Teil höheren Preise. "Aus dem Kaufwunsch wird so nur bei etwa einem Drittel der Konsumenten ein Kaufakt", so Haßlinger. Dass Bio ein Qualitätsfaktor ist und daher höhere Preise gerechtfertig sind, ist im Verständnis noch nicht verankert, betonte die Meinungsforscherin. Derzeit werde "Bio" eher als Herkunftsnachweis gesehen.
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