Prammer zu Ärztegesetz: Halblösung auf dem Rücken missbrauchter Kinder

Wien (SK) Das gestern Nachmittag im Gesundheitsausschuss des Nationalrates mit der ÖVP-FPÖ-Mehrheit beschlossene Ärztegesetz bezeichnete SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer im Hinblick auf die verschärfte Anzeigepflicht als "Halblösung, die letztendlich den Opfern mehr schadet als nützt." Die Regelung, wonach für AsylantInnen, die MedizinerInnen sind, die Erleichterungen zur Ausübung ihres Berufes entfallen sollen, "kommt de facto einem Berufsverbot gleich", erklärte Prammer am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. "Ich bedaure zutiefst, dass nicht einmal der Appell der UNHCR-Vertreterin in Österreich und der Verweis auf die Genfer Flüchtlingskonvention die ÖVP/FPÖ-Regierung von ihrem ausländerInnenfeindlichen Tun abhalten konnte", fügte Prammer hinzu. ****

Auf ausdrücklichen Wunsch und Anregung von betroffenen Ärztinnen und ExpertInnen im Kinder- und Gewaltschutzbereich wurde der Passus der ausnahmslosen und verpflichtenden Anzeige 1999 aus dem Ärztegesetz entfernt. "Diese setzen sich nämlich vehement dafür ein, dass zuerst ein Sicherheitsnetz für die Opfer geschaffen werden müsse, da - auch aufgrund der oft schwierigen Beweislage - die Gefahr sonst zu groß ist, dass der Missbrauch weiter geht", erklärte Prammer.

Dass in Hinkunft die Anzeigepflicht bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch, nur wenn der Verdacht auf die Eltern fällt, ausgesetzt werden soll, "geht völlig an der Realität und den Erfahrungen der Fachleute in diesem Bereich vorbei." Oft wären es eben gerade Onkel, Opa, oder Bekannte, die Kinder sexuell missbrauchten. Der Druck auf die Kinder ließe nur dann nach, wenn SpezialistInnen mit viel Sensibilität und Professionalität sowie einem möglichst großen Aktionsradius den Kindern helfend zur Seite stehen können. "Eine Verschärfung der Anzeigepflicht ist daher in höchstem Maße kontraproduktiv. Hier wird versucht, aus der Not der Kinder politisches Kleingeld zu machen. Der konservative und menschenverachtende Grundsatz 'Rache vor Hilfe' geht hier eindeutig vor dem Opferschutz", betonte Prammer abschließend. (Schluss) hm/mp

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