Vollversammlung (3): Pjeta kritisiert Krankenkassen

ÖÄK-Präsident: Hauptverband verweigert notwendige Strukturmaßnahmen im Gesundheitswesen - Gruppenpraxen, Hauskrankenpflege, ärztliche Bereitschaft

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, kritisierte Freitag anlässlich des in Salzburg tagenden Ärzteparlaments den "anhaltenden Widerstand der Krankenkassen gegenüber Strukturreformen". So teilte Pjeta mit, dass der Hauptverband der Sozialversicherungen sich nicht in der Lage sehe, die Gruppenpraxen innerhalb weniger Monate umzusetzen. Die Hauskrankenbehandlung ist ein weiterer seit Jahren offener Punkt, welchen die Krankenkassen trotz gesetzlichen Auftrages und seinerzeit extra dafür vorgenommener Beitragserhöhung bis heute nicht gelöst haben.

Bekanntlich hat man sich jüngst auf politischer Ebene darauf geeinigt, Gruppenpraxen durch die Ausstattung mit Kassenverträgen für die gesamte österreichische Bevölkerung zugängig zu machen. Mit einer parlamentarischen Beschlussfassung wird Anfang Juli gerechnet. In der Folge liegt es an den Krankenkassen, durch entsprechende Gesamtverträge mit den Ärztekammern die Möglichkeiten der Gruppenpraxen ihren Versicherten zu öffnen. Die großen Vorteile dieser neuen ärztlichen Kooperationsform in der niedergelassenen Praxis: eine Verbreiterung und Vertiefung der Gesundheitsbetreuung bei merkbarer Ausweitung der Ordinationsöffnungs- und ärztlichen Einsatzzeiten.

Pjeta: "Es ist völlig unverständlich, dass sich die Krankenkassen nach wie vor weigern, die seit Jahrzehnten als notwendig erkannten Strukturreformen mitzutragen. Offensichtlich liegt ihnen nichts an den Wünschen der Patienten. Wiederholt wurde in der Öffentlichkeit kritisiert, dass die Ambulanzen und Stationen der Spitäler zu stark frequentiert werden und das Leistungsangebot der Kassen im wohnortnahen Bereich lückenhaft ist."

Nach Ansicht Pjetas steht viel auf dem Spiel. Noch sind die niedergelassenen Ärzte organisatorisch und strukturell durch das Leistungsangebot der Krankenkassen nicht in der Lage, die durch die Einführung der Ambulanzgebühr verstärkte Nachfrage nach medizinischer Versorgung in Wohnortnähe abzudecken. Der ÖÄK-Präsident befürchtet nun, dass betreuungsbedürftige Patienten im "Niemandsland" landen und Schaden erleiden könnten, wenn die Krankenkassen nicht rasch und zielorientiert gemeinsam mit den Ärztekammern die drohende Misere hintanhalten.

Hauskrankenbehandlung regeln!

Als beschämend bezeichnet Pjeta den "anhaltenden Gesetzesbruch" bei der Hauskrankenbehandlung. Die Hauskrankenbehandlung ist eine gesetzliche Pflichtleistung der Krankenkassen für ihre Versicherten, um kranke Patienten, die nicht der Spitalspflege bedürfen, in ihrer Wohnung zu behandeln und zu pflegen. "Diese Leistung gibt es bis heute nicht. Man verweigert den Menschen seit vielen Jahren eine Verbesserung der Betreuung zu Hause", sagte Pjeta.

Finanzierung der Spitalsentlastung überfällig

Pjeta verwies abschließend darauf, dass die Finanzierung der Spitalsentlastung und die damit zusammenhängende Strukturreform nach wie vor nicht gesichert sei. "Es ist richtig, dass die Gesundheitspolitik zuerst einmal die Einsparpotentiale ausgeschöpft haben. Auch wir Ärzte haben Verantwortung gezeigt und tragen das Sparpaket mit."

Doch nun sei laut Pjeta der Punkt gekommen, wo weitere Einsparungen zweifellos zu verlängerten Wartezeiten, Wartenlisten, Rationierungen und generell zu einer Verschlechterung im Gesundheitssystem führen müssten. Deshalb seien Überlegungen, wie man die Qualität und den Umfang der Gesundheitsbetreuung in Österreich auf Dauer sichern könnte, überfällig. Pjeta: "Ich fordere nachdrücklich, die Ziele und Aufgaben des Gesundheitssystems und deren Finanzierung langfristig zu planen und entsprechend zu realisieren!" (Schluss)

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