Studie über Integrationsindikatoren

Wien, (OTS) Im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog diskutierten Freitag ExpertInnen aus Wissenschaft, MigrantInnenorganisationen und Politik die vom Institut für Konfliktforschung erstellte Studie "Integrationsindikatoren- Zur Nachhaltigkeit von Integrationspolitik". Die Fachdiskussion versuchte der Frage nachzugehen, ob und wie Integration überhaupt messbar ist. Beauftragt worden war die Studie vom Wiener Integrationsfonds, der MA 18- Stadtentwicklung und Stadtplanung sowie der MA 57 - Frauenförderung und Koordinierung von Frauenangelegenheiten. Am Podium vertreten waren GR Nurten Yilmaz (SPÖ), Prof. Anton Pelinka, der die Studie auch gemeinsam mit Mag.Helga Amesberger und Mag. Brigitte Halbmayr präsentierte, sowie der Geschäftsführer des Wiener Integrationsfonds, Hannes Seitner. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Melita Sunjic, Sprecherin des UNHCR - Österreich.

Seitner: Umfassende Gleichstellung als oberstes Prinzip von Integration - Politik muss dafür die Voraussetzungen schaffen

Fondschef Seitner sagte einleitend, dass Integration generell von einem Begriff ausgehen müsse, der die gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe von MigrantInnen an allen gesellschaftlichen Ressourcen bedeute. Für diese umfassende Gleichstellung habe die Politik die Voraussetzungen zu schaffen. Seitner nannte in diesem Zusammenhang als Hauptforderungen neuerlich die Einführung des kommunalen Wahlrechtes, die generelle Öffnung des Gemeindebaus für ZuwanderInnen, die Umsetzung eines Antidiskriminierungsgesetzes, die sozial und arbeitsrechtliche Gleichstellung von MigrantInnen sowie die Herausnahme der Familienzusammenführung aus der jährlichen Zuwandererquote. Integration sei, so der Fondschef, außerdem keine Einbahnstraße. Die Niederlassungs- aber auch die Aufnahmegesellschaft habe eine Integrationsleitung zu erbringen. Es bedürfe der Bereitschaft von beiden Seiten. Die vorliegende Studie sei daher richtiger Weise auch von diesen Grundsätzen ausgegangen, konstatierte der Fondschef.

GR Nurten Yilamz betonte, dass sich Integrationsprozesse auf den unterschiedlichsten Ebenen vollziehen. Die hier untersuchten Parameter, können deshalb nur zur Unterstützung dienen, dürfen aber keinesfalls als alleiniger Maßstab angenommen werden, um so die Integrationswilligkeit und Fähigkeit des Einzelnen zu messen, stellte die Landtagsabgeordnete fest. Als primäres Ziel von Integrationspolitik definierte Yilmaz die Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen aller. Der Wiener Weg sei hier, so Yilmaz, bis dato jedenfalls sehr erfolgreich gewesen. Generell müsse Integration in Wien schlicht und einfach Normalität werden, meinte Yilmaz.

Die Studie im Detail - zur Aufgabe des Projektes

Aufgabe des Projekts war es, Integrationsindikatoren zu erstellen, welche Möglichkeiten und Notwendigkeiten, aber auch Hindernisse oder Verweigerung von Integration sich fest machen lassen. Es ging in dieser Studie aber nicht nur um eine Bestandaufnahme, sondern auch um die Entwicklung eines "Werkzeugs" für weitere Untersuchungen und als Orientierungshilfe für eine künftige Integrationspolitik. Dabei waren einerseits die Bedingungen für Integration, wie sie von der Mehrheitsgesellschaft vorgegeben werden -also rechtliche, sozioökonomische, kulturelle und soziale Rahmenbedingungen- zu erheben und deren integrationsfördernde bzw. -hemmende Auswirkungen zu berücksichtigen. Andererseits mussten aber auch die beeinflussenden Faktoren auf Seite der ImmigrantInnen, der AusländerInnen, die Integration erleichtern bzw. erschweren ,wie etwa Unterschiede aufgrund des Geschlechts, des Alters, der Generationszugehörigkeit, der Aufenthaltsdauer, des Bildungsstands, etc., mit einbezogen werden.

Integration ist nicht Assimilation

Der Studie liegt weiters ein Integrationsbegriff zugrunde, der an der Aufrechterhaltung der kulturellen Eigenständigkeit der ImmigrantInnen bzw. AusländerInnen festhält und sich damit dezidiert von Assimilation abgrenzt.

Der Integrationsprozess selbst ist laut Studie durch verschiedenste Faktoren beeinflusst, wie etwa: sozioökonomische Merkmale der ImmigrantInnen; Länge des Aufenthalts; Zugangsmöglichkeiten zu gesellschaftlich relevanten Werten und Gütern, institutionelle und politische Regelungen; Größe der Gruppe der Zugewanderten; Distanz zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland; familiäre Netze; interethnische Beziehungen; subjektive Einstellungen und Erwartungen von Seiten der ImmigrantInnen und der Einheimischen, etc.

Integration hat auch immer Auswirkungen auf die Mehrheitsgesellschaft selbst, nicht nur auf die Population der ImmigrantInnen. Eine Integrationspraxis also, so die Studie, die davon ausgeht, dass die Aufnahmegesellschaft durch die Integration von Einwanderern unberührt bleibt, muss scheitern bzw. ist bestenfalls noch als forcierte Assimilation zu bezeichnen.

Die Zielgruppen

Bei der Festlegung der Zielgruppe erfolgte eine Einschränkung auf die Gruppe der ArbeitsmigrantInnen, die ab 1963 nach Österreich kamen , sowie deren nachgezogene Familienangehörige und deren in Österreich geborenen Kinder , sowie auch wieder deren Kinder, also insgesamt die erste, zweite und dritte Generation.

Die Zielgruppe umfasst sowohl ausländische als auch inländische StaatsbürgerInnen. Die Einbeziehung der Eingebürgerten ist laut Studie insofern notwendig, als sie zwar rechtlich gesehen als StaatsbürgerInnen allen anderen ÖsterreicherInnen gleichgestellt sind, sie aber dennoch oft als AusländerInnen, als "fremd", als "anders" wahrgenommen werden und im sozioökonomischen und kulturellen Bereich keineswegs voll integriert sind.

Die Indikatoren - Das Messen von Integration ist problematisch

Die Indikatoren mussten so gewählt werden, dass die Summe bzw. Kombination aller Indikatoren die gegenwärtige soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Stellung von ImmigrantInnen in einem Land zu einem bestimmten Zeitpunkt wiedergibt.

Die sich daraus ergebenden Probleme waren und sind vielfältig. Als erstes Problem nennt die Studie das Fehlen statistischer Zahlen und/oder unzureichende Differenzierungsmöglichkeiten , z.B. nach Alter, Geschlecht, Beruf, Aufenthaltsdauer. Gleichzeitig wird auch in der Studie darauf hingewiesen, dass gewisse Integrationsmomente -z.B. die kulturelle Integration- überhaupt schwer in Zahlen zu fassen sind.

Die Integrationsindikatoren im Überblick

In der Studie werden folgende Überkapitel für die einzelnen Indikatoren angegeben. Konkret sind das die Bereiche:

o "sozioökonomische Integration" - darunter ist v.a. der Zugang

zum Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und die Bildungsmobilität sowie Statusmobilität in diesen Bereichen zu verstehen.
o "Sozialkontakte - politische Partizipation"- damit gemeint ist

etwa die Mitgliedschaft in Organisationen und Vereinigungen, die Beteiligung an Elternvereinen, Kindergartenbesprechungen, Bürgerversammlungen, aber auch Kontakte mit EinwohnerInnen des Immigrationslandes, Interessenvertretungen von ImmigrantInnen
etc.
o "Kulturelle Integration" - das sind z.B. Maßnahmen zur Förderung

eines multikulturellen Bewusstseins in der Mehrheitsbevölkerung, Orientierungsprogramme für Neuzugewandete, Dolmetschangebote bei Ämtern und Institutionen, Förderung der Zweisprachigkeit, Minderheitenthemen in den Medien, Anzahl muttersprachlicher Medien, Zugang zu Ressourcen aus dem Kultur- und Kunstbereich
usw.
o Schlussfolgerungen

Die wesentlichste Ergebnis der Fachdiskussion "Integrationsindikatoren - zur Nachhaltigkeit von Integrationspolitik:
o Mit der vorliegenden Studie wurde erstmals in Österreich eine

wissenschaftliche Grundlage für die Erfassung von für Integration wesentlichen Kriterien geschaffen.
o Politik und Verwaltung sind erstmals in der Lage, Schwerpunkte

auf wissenschaftlicher Grundlage zu setzen und über einen längeren Zeitraum auch nachvollziehbar zu machen.
o Von den insgesamt 68 Integrationsindikatoren richten sich zwei

Drittel an die Aufnahmegesellschaft und ein Drittel an die Zuwanderergesellschaft.
o Viele der Indikatoren, wie z.B. Wohnen, Bildung, Arbeit, sind

als Parameter für Integration unumstritten. Einige Indikatoren jedoch, etwa das Heiratsverhalten oder die Mitgliedschaft in Interessensvertretungen, sind sehr kontroversiell diskutiert worden.
(Schluss) gph

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