ÖÄK-Vollversammlung 2: Pjeta warnt vor Kostenausrichtung in Gesundheitspolitik

Reformen dürfen nicht bei Sanierung der Kassen stehen bleiben

Wien (OTS) - Bei den anstehenden grundsätzlichen Veränderungen im österreichischen Gesundheitssystem ortete ÖÄK-Präsident Dr. Otto Pjeta anlässlich des am Freitag in der Salzburger Residenz tagenden Ärzteparlaments eine "nutzbringende Kritikfähigkeit" der Bundesregierung. Zwar bemängelte der Ärztepräsident "eine starke Kostenausrichtung der momentanen Gesundheitspolitik", hebt aber die prinzipielle Bereitschaft der Regierung hervor, sich den Argumenten und Diskussionen im Vorfeld zu ihren Entscheidungen nicht zu verschließen.

So habe die Bundesregierung Pläne fallen gelassen, Kassenärzte, deren Behandlungen über den Durchschnittskosten liegen, zu sanktionieren. Pjeta: "Es ist gelungen, die Politiker davon zu überzeugen, dass dies zum Schaden der Patienten wäre. Denn die Patienten benötigen eine individulle Behandlung, die von ihrer Krankheit abhängt. Keinesfalls darf die Therapie durch vom grünen Tisch verfügte Kostenvorgaben eingeschränkt werden."

Pjeta vermerkte allerdings, dass einige Fragen noch ungelöst seien. Er verwies auf ausständige Regelungen zur Verbesserung der Ordinationsnachfolge. Damit müssten die Anliegen der jungen Ärzte ebenso berücksichtigt wie die Kontinuität der Patientenversorgung gesichert werden. Dieser Vorgang müsse jederzeit nachvollziehbar sein. "Wir sollten um eine rasche Lösung im Interesse der Bevölkerung und der jungen Ärzte bemüht sein." Der Ärztekammer-Präsident sprach in diesem Zusammenhang die Zusage von Sozialminister Herbert Haupt und Gesundheits-Staatssekretär Reinhart Waneck an, sich für diese Anliegen bei nächster Gelegenheit einzusetzen.

Die positiven Ansätze der Bundesregierung zur Reform des Gesundheitssystems sind jedoch auch mit einem Wermustropfen versetzt:
"Geht man die Politik des Einsparens konsequent weiter, bedeutet das eine Verschlechterng der medizinischen Betreuung. Es ist der Zeitpunkt gekommen, Maßnahmen zur langfristigen Finanzierung des an sich guten österreichischen Gesundheitswesens zu überlegen. Bei der Sanierung der Krankenkassen darf eine Reformpolitik nicht stehen beiben." Die Menschen würden immer älter, und die medizinischen Möglichkeien explodieren geradezu. Pjetas Konsequenz: "Die Gesundheitsausgaben werden daher notgedrungen weiter wachsen. Ignoriert man diese Tatsache, dann verabschiedet man sich vom Solidaritätsprinzip." Das heißt laut Pjeta, dass die bestmögliche Medizin nur jenen Menschen zur Verfügung stehen würde, die sich das auch privat leisten können. "Und das will angeblich niemand in Österreich", so Pjeta abschließend.

(Fortsetzung)

Rückfragen & Kontakt:

Pressestelle der Österreichischen
Ärztekammer,
Tel.Nr. 01/512 44 86.

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAE/OTS