Bekleidungsindustrie 2000: Der Faden hielt dank anhaltender Exporterfolge

Weitere Exportzuwächse in Modehochburgen und Hoffnungsmärkten -Abfertigung "neu" muss spezifische Situation der Bekleidungsindustrie berücksichtigen

Wien (PWK463) - "Die anhaltendenden Exportzuwächse in die Modehochburgen Frankreich und Italien aber auch das steigende Interesse der gehobenen fernöstlichen Käuferschichten stellen der österreichischen Bekleidungsindustrie ein positives Zeugnis aus und sorgten dafür, dass der Faden im vergangenen Jahr hielt," freut sich der Präsident des Fachverbandes der Bekleidungsindustrie, Wilhelm Ehrlich.
Von einem Gesamtexportvolumen gewebter und gestrickter Bekleidung im Wert von 16,2 Mrd. Schilling wurde um 5,7 Mrd. Schilling in den Hauptmarkt BRD geliefert. Auf Platz 2 der Exportrangliste liegt Frankreich mit 1,5 Mrd. Schilling (+2,5%). Italien ist auf Platz 5 mit 1,1 Mrd. öS (+6,9%). Während die österreichischen Lieferungen nach Frankreich und Italien seit Jahren teilweise zweistellig steigen, mussten diese beiden Länder bei ihren Lieferungen nach Österreich beträchtliche Einbußen in Kauf nehmen.
"Gerade die Erfolge in diesen anspruchsvollen Absatzmärkten sind ein Beweis für die Leistungsfähigkeit der heimischen Bekleidungsindustrie," stellt der Geschäftsführer des Fachverbandes, Franz. J. Pitnik, ergänzend fest.

Exportsteigerungen wurden auch in anderen Märkten wie Dänemark, den Niederlanden und Schweden erzielt, besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in Kanada, Südkorea, Taiwan und Hongkong sowie Japan. Zweistellige Zuwachsraten sind auch im arabischen Raum zu verzeichnen. In anderen Märkten, wie zum Beispiel der BRD, hat sich die Situation aufgrund des Vordringens der zahlreichen Filialketten sowie des lokalen Fachhandels der Wettbewerbs- und Preisdruck wieder verschlechtert.
Importseitig waren deutliche Zunahmen der Lieferungen aus China, Hongkong, Indonesien, Bangladesch und Myanmar festzustellen. Dieser Importdruck wird sich durch das etappenweise Wegfallen der Importquoten bis Ende 2004 weiter verstärken.
Das Bundesministerium für Finanzen hat auf Initiative des Fachverbandes der Bekleidungsindustrie zwar zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Bekleidungsunternehmen einen offiziellen Antrag bei der EU auf Modernisierung des Präferenzzollrechtes für Lohnfertigung in den EU-Beitrittskandidaten gestellt. Dieser Vorschlag ist aber seitens der EU aufgrund der Widerstände der Textilindustrie bislang nicht realisiert worden. Die europäische Bekleidungsindustrie bleibt daher als einzige Finalgüterindustrie in ihrer Konkurrenzfähigkeit gegenüber asiatischen Vollimporten diskriminiert.

Negativ betroffen sieht sich die Branche von der geplanten Abfertigungsreform. Durch die Ausweitung des Anspruches für den Fall der Selbstkündigung sowie Beitragsleistungen, die weit über den bisherigen Abfertigungsaufwendungen liegen, sieht Branchensprecher Ehrlich seine Mitglieder mit massiven Belastungen und einer weiteren Erhöhung der Lohnnebenkosten konfrontiert. Dadurch werde der Industriestandort Österreich entgegen allen Beteuerungen weder abgesichert noch attraktiver.

Die Bekleidungsindustrie ist eine besonders lohnintensive Branche mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil weiblicher Beschäftigter. Dementsprechend hoch ist die Fluktuation u.a. durch Familiengründungen. Der Fachverband fordert daher eine Ausnahmeregelung, die dieser Sondersituation Rechnung trägt, bzw. flankierende Ausgleichsmaßnahmen, die zu einer spürbaren Entlastung der Lohnnebenkosten führen.

Die österreichische Bekleidungsindustrie beschäftigt ca. 10.250 Mitarbeiter in 260 Unternehmen und hat sich in den letzten Jahren einem dynamischen Wandel unterzogen. Viele Unternehmer sind der Verdrängung des traditionellen Fachhandels als Hauptklient der heimischen Bekleidungsindustrie durch die Etablierung eigener Shop-in-Shop-Systeme bzw. Mono-Marken-Shops begegnet.

Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit wurde in beträchtlichem Ausmaß in Design, Just-in-time-Systeme sowie in das Qualitätswesen investiert. Zur Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit wurden Auslandsproduktionen aufgebaut, die unter der Qualitätsüberwachung österreichischer Bekleidungstechniker stehen. Exportmärkte wurden neu erschlossen bzw. ausgebaut.

Diese Internationalisierung der Branche in Beschaffung von Vormaterial, Auslandsproduktion und Export bietet weltoffenen österreichischen Nachwuchskräften äußerst interessante berufliche Aufstiegschancen. (MH)

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