OeNB - gesamtwirtschaftliche Prognose der Oesterreichischen Nationalbank für die Jahre 2001 - 2003

Wien (OTS) - Die österreichische Wirtschaft konnte im
Vorjahr mit einem Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts
(BIP) von 3,2% die seit 1998 anhaltend dynamische Entwicklung fortsetzen. Für die Jahre 2001 bis 2003 wird jedoch mit einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums gerechnet. In den Jahren
2001 und 2002 wird das reale BIP nur noch um 2,3% bzw. 2,1%
wachsen. Für das Jahr 2003 wird eine leichte Beschleunigung des Wachstums auf 2,5% prognostiziert. Bedingt durch die deutlich eingetrübten internationalen Rahmenbedingungen bedeutet das im Vergleich zur Herbstprognose eine um rund 1/2 Prozentpunkt niedrigere - langfristig gesehen aber immer noch günstige -Wachstumserwartung für 2001 und 2002. Die vorliegende Prognose
der wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich, die im Rahmen
der jüngst veröffentlichten Projektionen des Eurosystems
erstellt wurde, basiert auf einem Informationsstand vom
17. Mai 2001 und geht von einem Wirtschaftswachstum im Euroraum
von 2,2% bis 2,8% aus. Jüngste Daten, die beispielsweise eine
noch stärkere Wachstumsdämpfung in Deutschland möglich
erscheinen lassen, konnten in der Prognose nicht mehr berücksichtigt werden.

Obwohl sich die österreichische Wirtschaft im Vorjahr im Jahresdurchschnitt sehr positiv entwickelte, zeichnete sich
gegen Jahresmitte eine Abkühlung ab. Wuchs das reale BIP in den ersten beiden Quartalen noch um jeweils 4,1%, so sank das
Wachstum in den folgenden Quartalen auf 2,3% bzw. 2,6%. Dieser Konjunkturwendepunkt wurde wesentlich von den Unsicherheiten bezüglich der externen Entwicklung - wie dem starken Ansteigen
der Energiepreise und den damals erstmals sichtbar werdenden Anzeichen eines Waschtumseinbruchs in den USA - sowie den
Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung bestimmt. Der in erster
Linie durch die außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
ausgelöste Einbruch des Unternehmervertrauens in der zweiten Hälfte des Vorjahres hat jedoch bisher noch kaum Niederschlag
in der Exportperformance gefunden. Die österreichischen Exporte entwickeln sich nach wie vor sehr dynamisch.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahren wird wesentlich vom geringeren Wachstum der inländischen Nachfrage bestimmt. Der Beitrag der inländischen Nachfrage zum Wachstum
des realen BIP wird sich von 2,7 pp (Prozentpunkten) im Jahr
2000 auf 1,8 pp, 1,9 pp und 2,2 pp in den Jahren 2001 bis 2003 verringern. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang zeichnet einerseits der private Konsum und andererseits - stärker als in
der Herbstprognose erwartet - die Investitionstätigkeit der Unternehmen.

Die verfügbaren Haushaltseinkommen werden durch die fiskalpolitischen Maßnahmen zur Erreichung des Nulldefizits im
Jahr 2002 gedämpft. Trotz einer unterstellten Reduktion der Sparquote der privaten Haushalte wird das Wachstum des privaten Konsums wesentlich schwächer ausfallen als in den vergangenen Jahren. Erst 2003 dürften die verfügbaren Haushaltseinkommen wieder stärker steigen und damit zu einer vom Konsum getragenen Beschleunigung des Wachstums des realen BIP am Ende des Prognosezeitraums beitragen.

Tabelle: Hauptergebnisse der OeNB-Frühjahresprognose 2001
für Österreich ---------------------------------------------------------------

2000 2001 2002 2003 --------------------------------------------------------------- Wirtschaftliche Aktivität Veränd.z.Vorjahr in % (real) Bruttoinlandsprodukt (BIP) ........ 3,2 2,3 2,1 2,5 Importe insgesamt ................. 9,2 6,5 5,7 6,5 Exporte insgesamt ................. 9,8 7,2 6,2 6,7 Privater Konsum ................... 2,7 1,8 1,8 2,3 Öffentlicher Konsum ............... 2,3 1,7 1,3 1,5 Bruttoanlageinvestitionen ......... 2,9 2,3 2,6 2,7

in % des nominellen BIP Leistungsbilanzsaldo ..............-2,8 -2,6 -2,5 -2,4

Wachstumsbeiträge zum realen BIP in Prozentpunkten des BIP Inlandsnachfrage (exkl.Lagerveränd.)2,7 1,8 1,9 2,2 Nettoexporte ...................... 0,4 0,4 0,3 0,2 Lagerveränderungen ................ 0,1 0,1 -0,1 0,1

Preise Veränderung zum Vorjahr in % Harmon.Verbraucherpreisindex (HVPI) 2,0 2,0 1,2 1,1 Deflator des privaten Konsums ..... 1,8 1,8 1,4 1,2 Lohnstückkosten i.d.Gesamtwirtsch. -0,2 1,1 0,9 0,7 Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer
(zu laufenden Preisen) ............ 2,2 2,8 2,6 2,5 Produktivität i.d.Gesamtwirtschaft 2,3 1,6 1,6 1,8 Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer
(zu Preisen von 1995) ............. 0,3 1,0 1,2 1,3 Importpreise ...................... 5,0 2,4 1,5 1,3 Exportpreise ...................... 3,3 2,7 1,7 1,4 Terms of Trade ....................-1,7 0,3 0,1 0,1

Arbeitsmarkt in % Arbeitslosenquote (EUROSTAT-Defin.) 3,7 3,6 3,5 3,4

Veränderung zum Vorjahr in % Beschäftigung ..................... 0,9 0,6 0,5 0,6

Budget in % des nominellen BIP Budgetsaldo .......................-1,5 -0,6 0,0 0,0

Quelle: OeNB Prognose Frühjahr 2001

Die Investitionen erweisen sich wegen der nach wie vor guten Exportnachfrage als die stabilere Komponente der
Inlandsnachfrage. Auf Grund der durch die Abschaffung des Investitionsfreibetrages mit Ende 2000 bedingten Vorzieheffekte
geht das Investitionswachstum im Jahr 2001 deutlich zurück. Für die folgenden Jahre geht die Prognose davon aus, dass die Investitionsnachfrage wieder durch ein günstigeres
wirtschaftliches Klima unterstützt wird: Einerseits ist durch höhere Einkommen der privaten Haushalte und die besseren Exportaussichten wieder mit einem höheren Auslastungsgrad der Wirtschaft und somit mit einer verbesserten Rentabilität von Investitionsprojekten zu rechen, andererseits wird sich
- wegen der weiterhin als moderat angenommenen Lohnabschlüsse -
die Selbstfinanzierungskraft der Unternehmen verbessern.

Die externe Nachfrage wird während des gesamten Prognosezeitraums einen positiven Wachstumsbeitrag leisten. Ein wesentlicher Grund dafür ist in einer deutlichen Verbesserung
der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen
Exporte im Vorjahr zu sehen, von deren positiven Auswirkungen
heuer und - in einem geringeren Ausmaß - auch nächstes Jahr
noch profitiert werden kann. Der Beitrag der Nettoexporte zum Wachstum des realen BIP wird 2001 - ebenso wie 2000 - bei
0,4 pp liegen und bis 2003 auf 0,2 pp absinken.

Der Arbeitsmarkt wird sich über den gesamten
Prognosehorizont positiv entwickeln. Die Arbeitslosenquote nach EU-Definition wird von 3,7% im Jahr 2000 auf voraussichtlich
3,4% im Jahr 2003 sinken.

Bei der Entwicklung der Verbraucherpreise dürfte im ersten Halbjahr 2001 der Höhepunkt erreicht sein: Die Steigerungsrate
des harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI erreichte im Mai
2001 mit 2,9% den höchsten Wert in diesem Jahr. Der nationale
VPI stieg im Mai um 3,4%. Ab Juni ist mit einer Abflachung des Preisanstiegs zu rechnen. Die Zunahme des HVPI wird bis
Jahresende deutlich sinken, die durchschnittliche
Inflationsrate wird 2001 bei 2,0% liegen und 2002 mit 1,2% auf
ein Niveau zurückgehen, das nur noch knapp über jenem vor dem Ölpreisschock liegt. 2003 wird mit keinem weiteren starken Rückgang der Inflationsrate zu rechnen sein, der HVPI wird um
1,1% steigen.

Obwohl die vorliegende Prognose im Vergleich zur
Herbstprognose pessimistischer ausfällt, stuft die OeNB die Erreichung des angestrebten ausgeglichenen Budgets im Jahr 2002 weiterhin als möglich ein. Für das Jahr 2001 wird ein Defizit
in der Höhe von 0,6% des BIP erwartet. Auf Basis der prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung kann für die
Jahre 2002 und 2003 von einem ausgeglichenen Budget ausgegangen werden.

Die Langfassung steht im Internet auf der Home-Page der OeNB (www.oenb.co.at) zur Verfügung (pdf-Dokument).

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