"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bummelstudenten" (von Peter Nindler)

Ausgabe vom 15. 6. 2001

Innsbruck (OTS) - Die OECD-Studie über die teuren
"Bummelstudenten" bestätigt einen seit Jahren anhaltenden Trend an Österreichs Unis. Trotzdem kratzen die Ergebnisse nur leicht an der Problemschicht. Für sich alleine betrachtet, besteht wegen der durchschnittlichen Studiendauer von 6,4 Jahren noch kein Grund zur Panik. Das Hochschulstudium soll ja nicht nur eine auf den Hörsaal bezogene Einbahnstraße sein.

Erst in der Gesamtbetrachtung mit Raumnot, schlechten Betreuungsverhältnissen, einer Studienabbrecherquote von 48 bzw. niedrigen Absolventenrate von 12 Prozent wird das Dilemma sichtbar. Ist das Abschneiden im internationalen Vergleich blamabel.

Mit dem Gegensteuern tut sich die Bundesregierung sichtlich schwer. Studiengebühren und ein neues Dienstrecht sind umstritten, an allen Ecken und Enden fehlt das Geld. Der Nachholbedarf im Bereich der Informationstechnologie überfordert die Universitäten. Mit "Reförmchen" wie den Studiengebühren, die noch dazu die Bürokratie an den Unis merklich erhöhen dürften, wird Österreich weiterhin international hinterherhinken.

Universitätsverantwortliche, Bildungspolitiker, aber auch Studierende müssen endlich raus aus ihrem Elfenbeinturm. Mit automatisierten Reflexen bewahren sie lediglich eine unbefriedigende Situation. So sollte die jährliche Universitätsmilliarde kein Ausgleich für die Einführung der Studiengebühren sein - sondern ein politisches Bekenntnis. Gleichzeitig darf der freie Hochschulzugang angesichts der hohen Drop-out-Quote kein Dogma sein. Niemand stellt die Bildungseliten in Frage, das Gegenteil ist vielmehr der Fall. Österreich benötigt mehr Akademiker.

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