WirtschaftsBlatt-Kommentar FREITAG-AUSGABE 15.6.2001 Rolf Rüdiger in der Wirtschaftspolitik von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Der naheliegende Maturastreich dieses Jahres ist es, das Staatssymbol des Bundesvogels im Klassenzimmer über Nacht durch eine Vergrösserung des neuesten Briefmarkenstreiches der Post zu ersetzen: Die Marke zeigt über dem Text "Republik Österreich" die grotesk-chaotische Witzfigur "Rolf Rüdiger" aus dem Kinderfernsehen. Zum Leidwesen der Wirtschaft, die klare Rahmenbedingungen braucht, scheint Rolf Rüdiger tatsächlich zum Regenten zu werden. Das ist nur zum geringen Teil Schuld der Regierung, die knietief im klebrigen Rest von Versäumnissen und Schlampereien der letzten 30 Jahre steckt und bei ihren Aufräumungsarbeiten ständig auf Fallgruben stösst, aus denen Rolf Rüdiger, die chaotische Ratte mit der ordinären Stimme, herausgrinst. Beispiel Verkehr: Es gibt keinen verbindlichen Generalverkehrsplan. Wenn der Autostau inakzeptabel ist, wird halt ad hoc eine Strasse gebaut. Eine neue Südbahn durch das Burgenland, die vor 20 Jahren vernünftig gewesen wäre, wurde nie ernsthaft geplant oder wenigstens begründet abgelehnt. Und während der Versuchsstollen unter dem Semmering nur noch Erhaltungskosten verursacht, wird in Ungarn und Slowenien emsig an einer gewinnversprechenden Bahnstrecke von Osteuropa an die Adria gearbeitet. Eine visionäre Raumordnung, die eine echte Staatsaufgabe wäre, gibt es nicht. Dafür muss sich die Regierung mit der Liquidierung der ehemaligen Staatsindustrie herumschlagen, die nie Staatsaufgabe hätte sein sollen, aber durch das alte Regime von Waldbrunner bis Kreisky als Selbstbedienungsladen der Parteien aufgebaut wurde. Die ÖIAG als Konkursmasseverwalter hat die undankbare Aufgabe, den Schuldenberg der alten Staatsindustrie durch Notverkäufe abzustottern. Dafür lassen sich nur schwer dynamische Manager finden. Und die vom Proporz geprägte alte Garde löst sich nur zäh von ihren Sesseln: Grünwald, der in den mehr als verdienten Ruhestand abtaucht. Goldmann, die als neue Chauffeuse der Postautobusse die Betriebserfahrung nachholt, die sie vor Antritt ihres ÖIAG-Jobs hätte haben sollen, und Johannes Ditz, der ja letztlich auch nur eines der Kinder des alten Proporz-Systems ist, die alle das Briefmarkensymbol Rolf Rüdiger zum Taufpaten haben. (Schluss) JT

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