Niederwieser optimistisch was "Universitätswerdung" der Kunsthochschulen betrifft

Reformprozess an den Kunstuniversitäten: Gut Ding braucht Weile

Wien (SK) "Besser länger nachdenken und dann gute Ergebnisse liefern." Mit diesem Appell versuchte SPÖ-Wissenschaftssprecher Erwin Niederwieser am Dienstag Abend im Rahmen einer Diskussion in der Zukunftswerkstätte zum Thema "Die Kunstuniversitäten im 21.Jahrhundert" die Kritiker des schleppenden Reformwandels an der Kunstuniversitäten zu "beruhigen". "Die Kunstunis sind auf einem guten Weg", zeigte sich Niederwieser optimistisch, auch wenn die Umstellung auf das neue Organisationsrecht und die "Universitätswerdung" noch einiger Zeit bedürfen. "Auch in anderen europäischen Staaten hat es Probleme bei der Umsetzung der Reform gegeben", untermauerte Eva Kosa, Studienautorin und Assistentin an der Kunstuniversität Wien. Bei aller Kritik stand eine Tatsache bei den Diskutanten - neben Niederwieser und Kosa waren noch der Rektor der Akademie der bildenden Künste Boris Groys und der ÖH-Politiker Bernhard Kernegger von der Universität für Musik und darstellende Kunst am Podium vertreten - außer Zweifel: Die Integration der vormaligen Kunsthochschulen und -akademien in universitäre Strukturen war gut und richtig. ****

Es herrsche "keine konstruktive Reformstimmung, sondern vielmehr Angst und Furcht", gab Kernegger einen Stimmungsbericht über die Situation an den Kunstuniversitäten ab. "Viele akademische Gremien treten auf der Stelle und scheuen sich davor, Entscheidungen zu treffen - mit dem Ergebnis, dass sie nur 'neue Etiketten' auf 'alte Fusel' kleben", beklagte auch Kosa. Der Grund dafür liege in der Angst vor einem Systemwechsel, der ein "tiefgreifendes Umdenken" erfordere.

Mit der organisationsrechtlichen Umstellung der Kunstuniversitäten soll den Studenten mehr Freiraum - rund zehn Prozent der Studienzeit - bei der Gestaltung ihres Studiums eingeräumt werden, was naturgemäß nicht aller Orten Begeisterung hervorrief. Niederwieser begrüßte diese neue Regelung: Wenn das Ziel ein Studium mit durchgehend fixierten Studienplänen gewesen wäre, hätte man lieber Kunstfachhochschulen einrichten sollen, argumentierte der SPÖ-Wissenschaftssprecher. Groys ortete im Begriff der Freiheit sogar etwas "Kämpferisches". Freiheit entstehe nicht dadurch, dass man die Leute nach dem Motto: "Be happy" und "relax" sich selbst überlasse. Erst wenn man Ordnungskriterien einführe, entwickle sich die Möglichkeit zu revoltieren, sich von der Ordnung abzusetzen und für eine neue Ordnung zu kämpfen, zeigte sich Groys überzeugt.(Schluss) lm

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Tel.: (01) 53427-275
http://www.spoe.atPressedienst der SPÖ

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK/SPK