OeNB: Erster Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB

Wien (OTS) - S P E R R F R I S T: 12.06.2001; 12:00 =

Seit Beginn der Währungsunion trägt die
Oesterreichische Nationalbank (OeNB) im Rahmen des Eurosystems zu einer gemeinsamen, stabilitätsorientierten Geldpolitik bei. Eine immer wichtiger werdende Aufgabe in diesem Zusammenhang stellt die wachsende Verantwortung von Zentralbanken für die Stabilität des Finanzsektors dar. Aus diesem Grund legt die OeNB nun zum ersten Mal einen Finanzmarktstabilitätsbericht vor, der relevante Aspekte von Finanzmarktentwicklungen und Finanzierungsstrukturen detailliert analysiert. Sein Fokus liegt auf strukturellen Merkmalen des Finanzsystems und auf den Verbindungsstellen zwischen Finanzmarktentwicklungen und der Realwirtschaft. Es ist beabsichtigt, in den zukünftig halbjährlich in deutscher und englischer Sprache erscheinenden OeNB-Finanzmarktstabilitätsberichten diese Analyse kontinuierlich zu erweitern und zu vertiefen.

Der erste Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB weist auf folgende vordringliche Merkmale und Entwicklungen hin:

- Ein Spezifikum der österreichischen Situation ist das
massive Engagement der inländischen Banken in Mittel- und Osteuropa, wo sie zu den größten Investoren zählen. Für
eine Einschätzung der Finanzmarktstabilität in Österreich gewinnen daher die Entwicklungen in dieser Region zunehmend
an Gewicht. Im Dezember 2000 betrug die Bilanzsumme der Tochterinstitute österreichischer Banken in Mittel- und Osteuropa EUR 30 Mrd, mehr als 5% der Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute insgesamt. Damit hielten
sie Marktanteile auf den jeweiligen Märkten zwischen 5 und
21%. Zwar konnten die österreichischen Kreditinstitute in
diesen Ländern sehr hohe Erträge erzielen, gleichzeitig hat sich damit jedoch auch die Risikoposition der
österreichischen Banken geändert.

- Ein wesentliches Merkmal der Geschäftstätigkeit der österreichischen Banken der letzten Jahre war eine starke Zunahme der Fremdwährungskredite an Unternehmen und private Haushalte. Insgesamt erfolgten knapp drei Viertel der Nettozunahme der Forderungen der österreichischen Banken an private inländische Nichtbanken zwischen Ende 1995 und Ende
2000 in fremder Währung. Für die Banken bedeutet dies
primär zusätzliche Erträge, das Zinsänderungs- und Wechselkursrisiko wird weitgehend von den Kreditnehmern
getragen.

- Institutionelle Anleger (Versicherungen, Pensionsfonds und Investmentfonds) haben in den letzten Jahren aufgrund ihres dynamischen Wachstums gegenüber Kreditinstituten in der Finanzintermediation an Bedeutung gewonnen. Die Vermögensbestände dieser institutionellen Anlager konnten
von 1996 bis 2000 von 18% auf 45% des BIP gesteigert
werden. Dieses Niveau ist jedoch noch niedriger als die Vergleichswerte in den meisten anderen Industriestaaten.

- Der österreichische Finanzmarkt ist zunehmend in die internationalen Finanzmärkte integriert, seine Stabilität
wird damit in höherem Ausmaß von internationalen
Entwicklungen beeinflusst. Sowohl Banken und
institutionelle Investoren als auch private Haushalte
veranlagen einen steigenden Anteil ihrer Finanzmittel im
Ausland; gleichzeitig fließt ein höherer Anteil der Kapitalanlagen in Aktien. So haben die Investmentfonds den Aktienanteil ihrer Vermögensbestände seit dem Jahr 1995 auf rund 20% nahezu verdoppelt, dabei jedoch nur in sehr
geringem Ausmaß in österreichische Aktien investiert.

- Nur sehr geringe Zuwächse haben in den letzten Jahren die
Preise für Vermögenswerte - Aktien und Immobilien - in Österreich erfahren. Anders als in vielen anderen Ländern
gehen von diesen Märkten daher in Österreich kaum Risiken
für die Finanzmarktstabilität aus.

- Ein Ausbau des österreichischen Kapitalmarktes wäre wünschenswert und wird von der OeNB aktiv unterstützt. Auf diese Weise können nicht nur die Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und die Veranlagungsvarianten für
Investoren verbessert werden, sondern eine Belebung des Kapitalmarktes trägt auch zur besseren Nutzung der
langfristigen Wachstumspotenziale bei.

Neben dem allgemeinen Berichtsteil werden im Rahmen von Studien auch gesonderte Themen herausgegriffen, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. Im Studienteil stehen die Entwicklung der Finanzmärkte in ausgewählten mittel- und osteuropäischen Ländern, die Wertpapierabwicklung in Österreich, Stress-Tests bei österreichischen Banken und Dichteprognosen im Bereich der Finanzmärkte im Mittelpunkt.
Insgesamt hebt der Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB die Bedeutung von vorbeugenden institutionellen Maßnahmen hervor. Auch wenn das Risikopotenzial der österreichischen Finanzmärkte sicherlich als vergleichsweise gering zu bezeichnen ist, kommt der frühzeitigen systematischen Beschäftigung mit diesen Fragen große Bedeutung zu. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist auf der Home-Page der Oesterreichischen Nationalbank (www.oenb.co.at) elektronisch abrufbar.

Kennzahlen der Tochterbanken österreichischer Kreditinstitute in Mittel- und Osteuropa (Ende 2000)

Bil.Su. Marktant. ROE Beschäft- Geschäfts Mrd.EUR % in % igte stellen

Polen 7,7 12 15 9.839 414 Slowakei 2,8 16 28 2.365 98 Slowenien 0,7 5 17 380 12 Tschechien 15,3 21 3 17.303 749 Ungarn 3,5 18 26 2.813 134

Zum Vergleich
Österreich 562,8 9,5 69.457 5.527

Quelle: OeNB

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