Ausgabe von Euro-Banknoten vor dem 1. Jänner 2002?

Die Vorverteilung von Euro-Münzen und -Banknoten war heißdiskutiertes Thema bei einer Veranstaltung von Wirtschaftskammer Österreich und Eurochambres in Brüssel

Wien (PWK428) - "Belgien war Vorreiter mit der Forderung nach Ausgabe von Euro-Banknoten an die breite Öffentlichkeit vor dem 1.1.2002. Allerdings ohne Erfolg. Nun wollen wir in den letzten Dezembertagen dieses Jahres Bankomaten mit Euro-Scheinen füllen, um deren Verteilung technisch zu testen", sagte der belgische Finanzminister und Präsident der Eurogruppe, Didier Reynders, im Rahmen einer Veranstaltung des EU-Büros der Wirtschaftskammer Österreich und Eurochambres, dem Verband der europäischen Handelskammern, am 7. Juni in Brüssel. Dass die erwähnten Praxistests einer Vorverteilung von Euro-Banknoten an die Öffentlichkeit gleichkommen könnten, wurde von niemandem bestritten. Gerade das fordern unisono europäische Wirtschaftsverbände wie Eurochambres und Eurocommerce, die Wirtschaftskammer Österreich sowie das Europäische Parlament. Gerade dieses Szenario wird aber von der Europäischen Zentralbank strikt abgelehnt. Private sollen lediglich Euro-Münzen ab Mitte Dezember des Jahres erhalten. Die vorzeitige Ausgabe von Euro-Münzen und Scheinen würde Unternehmen die Herausgabe des Wechselgeldes in den ersten Wochen des neuen Jahres - Stichworte Tourismus und Handel - wesentlich erleichtern.

Sowohl der belgische Finanzminister als auch der österreichische EU-Botschafter Gregor Woschnagg bedauerten die hauptsächlich auf technische Fragen zentrierte Diskussion und unterstrichen vor allem die politische Dimension des Euro als Symbol für die europäische Integration. Gerade derartige Symbole vermittelten Bürgernähe und Zusammengehörigkeitsgefühl. Woschnagg erteilte der Forderung nach Vorverteilung von Euro-Banknoten eine klare Absage. Angesprochen auf den derzeitigen Außenwert des Euro betonte er die Bedeutung der inneren Stabilität der neuen Währung.

"Lediglich 19 % der kleinen und mittleren Unternehmen haben einen Aktionsplan für die Euro-Umstellung, 23 % halten eine Vorbereitung nicht für erforderlich und 9 % wollen sich erst nach dem 1.1.2002 umstellen". Mit diesen Zahlen schockierte der österreichische EU-Parlamentarier Othmar Karas die etwa 100 Besucher und warnte eindringlich vor der erheblichen Dauer der Vorbereitungszeit. "Am 32. Dezember ist es zu spät" so Karas, der für eine möglichst breite Euro-Diskussion über den engen Zirkel der EU-Finanzminister hinaus plädiert. Die genannten Zahlen wurden von Arnaldo Abruzzini, Generalsekretär von Eurochambres, vollinhaltlich bestätigt:
Unternehmensberater gingen davon aus, dass rund 30 % der kleinen und mittleren Betriebe ihre Buchhaltungsumstellung nicht mehr rechtzeitig vor dem 1. Jänner schaffen.

Hervé Carré, stellvertretender Generaldirektor für Wirtschaft und Finanzen in der Europäischen Kommission, verwies schließlich auf die makro- und mikroökonomischen Vorteile des Euro: Der Euro habe sich als stabiler Anker in einem sehr unsicheren globalen Wirtschaftsumfeld behauptet, die Binnennachfrage sei für das Wirtschaftswachstum immer bedeutender, ein effizienteres Finanzsystem fördere die Investitionen. Die Preistransparenz ab 1. Jänner kommenden Jahres werde die Preise für Waren und Dienstleistungen senken, die Transaktionskosten für Finanzdienstleistungen reduzieren und die Finanzierungsmöglichkeiten erweitern.

Arnaldo Abruzzini, Eurochambres-Generalsekretär, stellte anlässlich der Veranstaltung eine neue Benchmarking-Broschüre über kreative und erfolgreiche Maßnahmen europäischer Handelskammern zur Euro-Sensibilisierung vor. Zu den europaweit ausgezeichneten Initiativen zählen auch mehrere der Wirtschaftskammer Österreich. (Ne)

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