Jeder 5. Österreicher resistent gegen herkömmliche Antibiotika

EU-Konferenz zur besorgniserregenden Situation in Europa - neuer Wirkstoff vor Zulassung

Visby/Schweden (OTS) - In Österreich ist bereits jeder Fünfte gegen herkömmliche Antibiotika-Therapien resistent. Das besagt der Jahresbericht 2000 der europäischen Überwachungsbehörde EARSS. Die Resistenzbildungen steigen auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten. Aus diesem Grund findet im schwedischen Visby von 13. bis 15. Juni eine EU-Konferenz ("The Microbial Threat") zum Thema Infektionskrankheiten statt. Thema ist die zunehmende Bedrohung durch mikrobielle Erreger. Da diese vor Landesgrenzen nicht halt macht, diskutiert die EU nun mögliche gemeinsame Maßnahmen, um die Situation europaweit in den Griff zu bekommen.

"Eine wesentliche Rolle wird der Umgang mit vorhandenen und neuen Medikamenten spielen", meint die österreichische Krankenhaushygiene-Expertin und Teilnehmerin der Visby-Konferenz Dr. Agnes Wechsler-Fördös von der Rudolfstiftung Wien. "Hier gibt es große nationale Unterschiede. Manche Länder sind mit dem Einsatz von Antibiotika schon lange bewusst und sensibel umgegangen - allen voran die skandinavischen Staaten und Holland. Ärzte und Patienten wissen dort gut um die Gefahren falsch angewendeter Antibiotika-Therapien Bescheid. Es gibt klare Richtlinien und öffentliche Aufklärungskampagnen. Resistenzen sind in diesen Staaten daher auch heute ein geringeres Problem." Völlig anders sei die Situation aber in den meisten anderen EU-Staaten. "Vor allem in Südeuropa, aber auch in Irland und Großbritannien nehmen die Resistenzen gegen Antibiotika bereits dramatische Ausmaße an", so Wechsler-Fördös.

Die europäische Überwachungsbehörde EARSS (= European Antimicrobial Resistance Surveillance System), eine Einrichtung der EU-Kommission zur Überwachung antimikrobieller Resistenzen in den Mitgliedsstaaten, weist bereits seit dem Vorjahr auf eine drastische Entwicklung hin. Die faktisch multiresistenten MRSA-Bakterien (Methicillin-resistente Staphylokokken) seien auf dem Vormarsch. "Zahlen aus dem Vorjahr zeigen, dass fast die Hälfte aller Italiener, mehr als jeder dritte Ire, Brite, Portugiese, Spanier und Grieche resistent gegen herkömmliche Antibiotika-Therapien waren", so der österreichische Infektiologie-Experte Univ.-Prof. Dr. Heinz Burgmann von der Klinischen Abteilung für Infektionen und Chemotherapie der Univ.-Klinik für Innere Medizin I in Wien. "Im Falle einer Infektion kann dieser Umstand über Leben und Tod entscheiden."

Burgmann weiter: "Auch aus den Statistiken einiger Krankenhäuser wissen wir, dass die Resistenz-Situation in Österreich zwar nicht südeuropäische Ausmaße hat, aber durchaus im Steigen begriffen ist. Der offiziell ausgewiesene Wert liegt im guten Durchschnitt unserer Nachbarstaaten Italien und Deutschland - wobei die Situation in ganz Europa seit der Erfassung dieser Zahlen im Vorjahr bereits weiter vorangeschritten ist."

Neuer Wirkstoff vor Österreich-Zulassung

Eine Chance sind neuentwickelte Antibiotika, gegen die noch keine Resistenzen bestehen. Anfang Jänner wurde in Großbritannien -erstmals in einem EU-Land - der Wirkstoff Linezolid zugelassen, ein Vertreter der völlig neuen Substanzklasse der Oxazolidinone gegen bestimmte häufige Krankenhausinfektionen. Er wird vollkommen synthetisch hergestellt, wodurch die Resistenz-Problematik minimiert werden konnte. In Österreich ist mit der Zulassung voraussichtlich im Juli 2001 zu rechnen.

Burgmann: "Wenn in ganz Europa die neuen Substanzen gezielt und richtig eingesetzt werden, haben wir die Chance, viele Infektionen wieder unter Kontrolle zu bekommen und die Resistenzen auf ein niedriges Niveau wie in Skandinavien zu senken. Neue Präparate sind dringend erforderlich. Notwendig sind aber auch international einheitliche Richtlinien, und dass diese eingehalten werden. Das Problem der Antibiotika-Resistenzen muss auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene in Angriff genommen werden."

Resistente Keime reisen

"Resistente Bakterien reisen mit dem Menschen mit. Sie verbreiten sich im persönlichen Kontakt, aber auch über unsere Nahrungsmittel", so Burgmann. Kein Wunder also, dass sich im "Europa ohne Grenzen" -wo auch spanischer Schinken, dänische Butter, schottischer Lachs oder österreichisches Rindfleisch grenzenlos "reisen" - auch resistente Keime schlagartig verbreiten.

Auf der EU-Konferenz in Visby werden Vorschläge diskutiert, wie diese trans-europäische Verbreitung effektiv unterbunden werden kann. Auch die Europäische Kommission arbeitet derzeit an zwei Dokumenten zur Antibiotika-Resistenz in Europa. Diese werden in Visby erstmals vorgestellt. Der nächste politische Schritt zu diesem Thema soll schon im Winter dieses Jahres folgen: Belgien - der nächste EU-Vorsitzende - plant eine Konferenz zum Thema "Antibiotika-Konsum in der EU".

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