"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Aug' um Aug' . . . " (von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 12. 6. 2001

Innsbruck (OTS) - Madrid ist heute erste Station der Europareise
von George W. Bush. Und ein weiteres Mal steht die letzte Supermacht am Pranger internationaler Kritik: Timothy McVeigh wurde gestern im Auftrag der US-Bundesbehörden hingerichtet. Sind damit die 168 Toten des Anschlags von Oklahoma City gesühnt? Auch einige Angehörige der Opfer sagen "nein" und setzten sich gegen die Exekution ein.

Die Todesstrafe wirkt auf potenzielle Täter nicht abschreckend. Tatsache ist, dass in jenen US-Bundesstaaten in denen es die Todesstrafe gibt, die Kriminalitätsrate sogar gestiegen ist. Belegbar ist weiters, dass Unschuldige hingerichtet wurden. Im Bundesstaat Illinois setzte Gouverneur Ryan letztes Jahr alle Todesstrafen aus, weil sich Fehlurteile häuften. Seit Wiedereinführung der Todesstrafe 1977 in Illinois mussten mehr zum Tode Verurteilte unschuldig freigesprochen werden, als hingerichtet wurden. Im Gegensatz dazu erreichte die Zahl der Hinrichtungen letztes Jahr in Texas einen Höchststand. Der verantwortliche Gouverneur war der jetzige US-Präsident George W. Bush.

Viel zu lange hielt sich das martialische "Aug' um Aug' ". Auch für viele europäische Staaten dauerte der Weg zur Ächtung der Todesstrafe bis in die jüngste Vergangenheit - Österreich 1950, Frankreich gar erst 1977. Mit dem Festhalten an der Todesstrafe stehen die USA heute auf einer Linie mit China und anderen Diktaturen. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum die USA vor wenigen Wochen ihren Sitz in der UNO-Menschenrechtskommission verloren haben.

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