Katastrophenschutzübung: 20 Verletzte bei schwerem Zugsunglück in Gollin

180 Einsatzkräfte proben bei Tennengauer

Salzburg (OTS) - Bezirkskatastrophenschutzübung den Ernstfall

Heute Samstag, 9. Juni, ereignete sich im Bahnhof
Golling ein schweres Zugsunglück, bei dem 20 Personen zum Teil schwer verletzt wurden. Gegen 14.30 Uhr kollidierte der Personenzug IC 646, der aus Richtung Salzburg kommend in den Bahnhof Golling einfuhr, im Bereich des Gleisanschlusses zur Firma Hettegger mit einem Kesselwaggon einer Verschubgarnitur, der mit Gefahrgut befüllt war. Durch den Zusammenstoß wurde ein Personenwaggon, der mit 20 Personen besetzt war, schwer beschädigt. Auch der Kesselwaggon wurde an mehreren Stellen stark in Mitleidenschaft gezogen, und außerdem ist die elektrische Oberleitung gerissen, so dass die Drähte an mehreren Stellen den Bahnkörper berühren. So lautet die Übungsannahme für die Bezirkskatas- trophenschutzübung des Tennengaues, die heute Samstag, 9. Juni, ab 14.30 Uhr auf dem Gelände des Bahnhofes Golling auf Anordnung der Bezirkshauptmannschaft Hallein stattfindet.

Nach Auslösung des Alarms durch die Fahrdienstleitung der ÖBB rücken die Freiwilligen Feuerwehren von Kuchl und Golling und Einsatzkräfte des Roten Kreuzes zum Unfallort aus. Außerdem werden Ärzte der umliegenden Krankenhäuser in Hallein und Salzburg alarmiert, um die Aufnahme von Verletzten vorzubereiten. Die Zufahrten zum Einsatzort werden von der Gendarmerie großräumig gesperrt.

Der Bergung der Verletzten ist in zweifacher Hinsicht schwierig. Einerseits sind sowohl die Einsatzkräfte als auch die Leichtverletzten, die in Panik versuchen, den Zug zu verlassen, durch herabhängende Teile der Oberleitung extrem gefährdet. Deshalb sind die am Unglücksort eintreffenden Einsatzkräfte zunächst darum bemüht, die Leichtverletzten am Verlassen des Zuges zu hindern, bis der Strom abgeschaltet ist. Erst danach kann mit der Bergung der Leicht- und Schwerverletzten begonnen werden.

Erschwerend wirkt sich ferner aus, dass sich das Unglück hinter einer Lärmschutzwand ereignet, so dass mehrere Felder dieser Wand beseitigt bzw. abgetragen werden müssen, um zur Unglücksgarnitur und zu den Verletzten zu gelangen. Nach der Bergung und einer Erstversorgung in einer in der Volksschule Golling eingerichteten Sanitätshilfsstelle werden die Verletzten vom Roten Kreuz in die Krankenhäuser von Hallein und Salzburg eingeliefert.

Außerdem besteht die Gefahr, dass durch die aus dem beschädigten Kesselwaggon austretende Chemikalie die Bevölkerung sowie die Umwelt gefährdet werden. Durch einen herbei gerufenen Chemiker des Bereitschaftsdienstes des Amtes der Landesregierung wird dies bestätigt, so dass die Bevölkerung über Megaphone aufgefordert wird, ihre Wohnungen vorerst nicht zu verlassen. Nachdem der beschädigte Kesselwaggon abgedichtet werden konnte, kann diese Maßnahme wieder aufgehoben werden.

Von der Einsatzleitung wurde für Angehörige von möglichen Opfern eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 06244/4358 werden Auskünfte darüber erteilt, ob sich bestimmte Personen unter den verletzten oder unverletzten Zuginsassen befinden. Unter dieser Nummer werden auch Vermisstenmeldungen entgegengenommen.

Wie Bezirkshauptmann Dr. Klaus Aigner mitteilte, werden mit dieser Übung folgende Ziele verfolgt:
1. Erprobung der Alarmierung durch die Fahrdienstleitung der ÖBB
2. Herstellung der Sicherheit für die Einsatzkräfte an der Einsatzstelle (Erdung, Stromfreischaltung)
3. Öffnen der Lärmschutzwand, um die Verletzten bergen zu können 4. Bergung der Verletzten aus dem schwer beschädigten Personenwaggon 5. Information der Bevölkerung über mögliche Gefährdungen durch austretendes Gefahrgut
6. Einrichtung einer Vermissten- und Informationsstelle
7. Aufbau und Arbeit in einer gemeinsamen Einsatzleitung

In die Übung sind insgesamt rund 180 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Kuchl und Golling (ca. 70 Einsatzkräfte), der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Hallein bzw. der Ortsstelle Golling (ca. 60), der Gendarmerieposten Golling, Kuchl und Hallein (10) , der Bezirkshauptmannschaft Hallein, der Gemeinde Golling, der Österreichischen Bundessbahnen und des Bereitschaftsdienstes Chemie des Amtes der Salzburger Landesregierung eingebunden. Die Übung wird von Bezirkshauptmann Dr. Klaus Aigner geleitet.

"Katastrophen und Unglücke ereignen sich oft unvorhersehbar. Wir wissen weder wann, noch wo, und schon gar nicht durch welche Art von Katastrophe oder Unglück Hab und Gut aber auch Menschenleben bedroht werden. Gerade deshalb ist es so wichtig, sich mit diesem Thema wann immer möglich zu beschäftigen und entsprechende Szenarien herauszuarbeiten, um sich dann in Katastrophenschutzübungen auf den Ernstfall vorzubereiten," so Katastrophenreferent Landeshauptmann Dr. Franz Schausberger anlässlich der Übung. Wie wichtig das ist, haben wir am Beispiel der Einsätze im Tauerntunnel und in Kaprun gesehen. Deshalb seien Übungen unverzichtbare Voraussetzung zur erfolgreichen und gemeinsamen Bewältigung von künftigen Katastrophen und Unglücken.

Das Land Salzburg war stets bemüht, über die ideelle Unterstützung hinaus auch materielle Beiträge zu leisten, so Schausberger weiter. Die Einbindung von neuen Technologien zur Sicherheit der Bevölkerung sei unumgänglich. Das Land Salzburg habe mit den Einsatzorganisationen die Aufgabe, die Sicherheit der Bevölkerung zu garantieren. Dies funktioniere nur mit der dementsprechenden technischen Unterstützung.
Im November des vergangenen Jahres wurde von der Landesregierung die Finanzierung der Landeswarn- und Alarmzentrale beschlossen, mit der ab 2003 alle Feuerwehren in Salzburg zentral alarmiert werden. Das Land Salzburg unterstützt die Errichtung einer Landesalarm- und -warnzentrale für alle Einsatzorganisationen mit 30 Millionen Schilling.

Mit diesem computerunterstütztes Einsatzleitsystem wird damit in Zukunft die Alarmierung und Einsatzführung erleichtert, indem Alarmpläne elektronisch an verschiedenen Orten abgerufen werden können und insgesamt eine erhöhte Kapazität zur Verfügung steht, um mehrere Einsätze gleichzeitig koordinieren zu können. Diese Zentrale ist dann für alle Einsatzorganisationen und Behörden die zentrale Informationsdrehscheibe in Katastrophen- und Unglücksfällen, die rund um die Uhr mit professionell ausgebildetem Personal besetzt ist.

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