DER STANDARD-Bericht: "Ditz passiert Flugfehler bei der AUA" -

Erscheinungstag 7.6.2001

Wien (OTS) - ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz könnte bei der im Juni geplanten Ablöse der beiden AUA-Vorstände eine weitere Enttäuschung erleben: Ein Formfehler im Vorfeld erzeugt mehr als nur eine schiefe Optik.

(von Claudia Ruff)

Wien - Bei der von ÖIAG- Vorstandssprecher Johannes Ditz betriebenen vorzeitigen Ablöse der AUA-Vorstände Herbert Bammer und Mario Rehulka kam es zu einem peinlichen Formfehler.

Nicht nur, dass es keinen Aufsichtsratsbeschluss für die Ablöse gibt, auch die von Ditz bereits verkündete Einigung im Aufsichtsratspräsidiumsbeschluss zu diesem Thema ist Makulatur. Der Grund: Ditz ging nämlich davon aus, dass neben ihm und Herbert Koch (Kika-Leiner) auch Alfred Ötsch (Siemens) im Präsidium des AUA-Aufsichtsrates vertreten ist. Wie sich nun herausstellte, ist Ötsch aber nicht Präsidiumsmitglied.

Dieses Missgeschick versuchte Ditz nun durch einen Umlaufbeschluss bei den AUA-Aufsichtsratsmitgliedern zu korrigieren. Sein Pech ist, dass ein Umlaufbeschluss einstimmig erfolgen muss. Doch die Aufsichtsratsmitglieder sind in diesem Punkt ganz und gar nicht einstimmig und lehnen eine Korrektur ab. Eingeweihte Kreise sagen:
"Wenn Bammer und Rehulka, bei der entscheidenden Aufsichtsratssitzung am 27. Juni nicht freiwillig ihr vorzeitiges Ausscheiden kundtun, wird die Absetzung schwer durchgehen." Und freiwillig gehen die Herrn nicht, denn sie wollen ihre bis Mitte 2003 laufenden Verträge erfüllen.

Wie berichtet hat Ditz Mitte Mai erklärt, der derzeitige AUA-Vorstand solle einvernehmlich per Jahresende ausscheiden, um einer jüngeren Führungsriege Platz zu machen. Nun hat die ÖIAG (sie hält 39,7 Prozent an der AUA) die Rechnung offenbar ohne dem Wirt gemacht. Denn die im Aufsichtsrat vertretenen Banker Gerhard Randa (Bank Austria), Walter Rothensteiner (Raiffeisen Zentralbank) und Helmut Elsner (Bawag) waren vom Vorstoß Ditz’ gar nicht begeistert. Nach Elsner machte jüngst auch Randa den AUA-Vorständen die Mauer: Die rechtzeitige Erkenntnis, dass es an der Zeit sei, von der Swissair in die Lufthansa-Allianz zu wechseln, "war eine tolle Leistung des derzeitigen Vorstands. Ich war damals skeptisch, als diese Entscheidung getroffen wurde. Die Entwicklung hat aber gezeigt dass Bammer und Rehulka das Richtige gemacht haben", streute Randa den AUA-Bossen Rosen.

Und überhaupt: Als Aufsichtsrat in einer Gesellschaft, in der die ÖIAG dominanter Aktionär ist, erhält man Informationen in erster Linie aus Zeitungen, ärgerte sich der Bank-Austria-Chef. Auch die von Ditz gewünschte Verjüngung ist für Randa kein Argument für eine Ablöse, denn "Bammer und Rehulka sind ungefähr so alt wie ich".

Argumente

Bei der Aufsichtsratssitzung am 27. Juni will sich Randa jedenfalls alle Argumente anhören und dann eine Entscheidung treffen. Gerüchte, wonach sich die Bank-Aktionäre bereits gegen den Vorstand entschieden hätten, wies Randa aber zurück. Er wolle jedenfalls bessere wirtschaftliche Ergebnisse sehen, "die dann hoffentlich auch einen besseren Aktienkurs zur Folge haben".

Rothensteiner wiederum betonte, sein Abstimmungsverhalten in der Sitzung sei noch offen und hänge von der Fragestellung ab. Zudem kenne er die offizielle Tagesordnung noch nicht. Er sehe der AUA-Aufsichtsratssitzung jedenfalls mit Interesse entgegen. Kopf des Tages Seite 48

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