Antoni bekräftigt Kritik an strittigen Punkten des Schulpakets

Regierung ebnet Weg zur schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Aussonderung behinderter Jugendlicher

Wien (SK) SPÖ-Bildungssprecher Dieter Antoni bekräftigte am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Vorsitzenden von Integration Österreich, Maria Brandl, die Kritik der SPÖ an drei Punkten des Schulpakets. Antoni betonte, dass der SPÖ die Ausweitung der Behindertenintegration auf das Polytechnikum zu wenig weit gehe. Die SPÖ verlange auch die Einbeziehung der Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS) und Berufsschulen, als Kompromiss könne man sich auch vorstellen, die Integration als an BMS und Berufsschulen als Schulversuch durchzuführen. Weiters bekräftige der Bildungssprecher die Forderung nach Einführung des Faches "Politische Bildung" als eigenen Gegenstand ab der 5. Schulstufe. Am Modell der Regierung monierte er, dass die Inhalte noch nicht klar seien. Die sogenannten Verhaltensvereinbarungen dürften nicht nur für Schüler, sondern müssten auch für Lehrer und Eltern gelten. Der Regierung warf Antoni in dem Zusammenhang eine "einseitige Zugehensweise" vor. ****

Die SPÖ habe sich beim Schulpaket flexibel gezeigt, aber nur zu verlangen "Sagt Ja oder Nein" sei kein Zeichen von politischer Kultur, kritisierte der Bildungssprecher. Die ÖVP habe in den letzten Wochen der SPÖ wiederholt unterstellt, sie würde den Ausbau der Integration ab der 9. Schulstufe blockieren. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, so Antoni. Die SPÖ sei allerdings strikt gegen eine Junktimierung so unterschiedlicher Themenbereiche wie jener zum Ausbau der Integration mit der geplanten Regelung von Verhaltensvereinbarungen. Zwischen beiden Fragen bestehe kein Zusammenhang.

Darüber hinaus bestünden weitere gravierende Gründe für die Ablehnung der geplanten Novelle durch die SPÖ: Diese sehe nämlich vor, behinderten SchülerInnen nach Abschluss der 8. Schulstufe nur den Zugang zu Polytechnischen Schulen zu eröffnen. Alle weiterführenden allgemein- und berufsbildenden Schulen sollen Integrationsklassen verschlossen bleiben. Damit ebne die Regierung den Weg zur "schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Aussonderung behinderter Jugendlicher", sagte Antoni. Dies sei ein absoluter bildungspolitischer Rückschritt. Dagegen richte sich der Widerstand der SPÖ und nicht gegen den Ausbau der Integration ab der 9. Schulstufe, stellte der Bildungssprecher klar.

Die SPÖ fordere daher, dass für die Integration behinderter SchülerInnen ab der 9. Schulstufe ein breitgefächteres Ausbildungsangebot im gesamten Regelschulwesen verankert wird, sagte Antoni. Dies inkludiere unter anderem, dass die Maßnahmen sich auf Polytechnische Schulen und auf alle weiterführenden allgemein- und berufsbildende mittleren und höheren Schulen erstrecken müssen. Weiters solle die Realisierung in Form von Integrationsklassen bzw. durch die Verlängerung der Schulversuche erfolgen, wofür die erforderlichen Rahmenbedingungen bereitgestellt werden müssten (Schulraum und ausreichendes LehrerInnen-Personal). Nur unter dieser Voraussetzung könne die Integration dieser Jugendlichen in den Arbeitsmarkt fortgeführt werden, unterstrich der Bildungssprecher.

Aufgrund des verordneten Sparkurses im Schulwesen werde es 2002 um 5.500 LehrerInnen weniger geben, gleichzeitig wird die Zahl der SchülerInnen um rund 7.000 steigen. Die negativen Auswirkungen dieser Politik würden die Integration von SchülerInnen mit besonderem Förderbedarf besonders hart treffen. Dies betreffe sozial schwächere Kinder ebenso wie SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf oder spezifischen Bedürfnissen. Ihnen würden wichtige Entwicklungs-und Lernchancen entzogen und folglich Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens vorenthalten. Darüber hinaus habe die herzlose Sparpolitik auch Auswirkungen auf die anderen SchülerInnen. Denn diesen werde die Möglichkeit genommen, sich bereits in frühen Jahren mit der Vielfalt menschlichen Lebens auseinanderzusetzen und ein entsprechendes soziales Verständnis zu entwickeln.

Mit der Ermöglichung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und nichtbehinderten Kindern seit dem Schuljahr 1993/94 für die 1. bis 4. Schulstufe sei "ein erheblicher Beitrag zum Miteinander" geleistet worden. Beginnend mit dem Schuljahr 1997/98 wurde die Fortsetzung der Integration von SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf von der 5. bis 8. Schulstufe (Hauptschule und AHS-Unterstufe) ebenfalls im Regelschulwesen verankert. Laut Integrationsstatistik ist die Zahl der SchülerInnen in Integrationsklassen (1. bis 8. Schulstufe) insgesamt in den letzten sechs Jahren von 4.731 auf 12.409 gestiegen, informierte Antoni. Damit würden bereits 46 Prozent aller SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in verschiedenen Formen integriert.

"Integration kann nur dann erfolgreich und positiv für alle Kinder sein, wenn diese richtig umgesetzt wird und auf Qualität geachtet wird", so Maria Brandl, Vorsitzende von Integration Österreich. Auch Brandl übte heftige Kritik daran, dass Integration nur an den polytechnischen Schulen vorgesehen sei. Einerseits würde im Rahmen der Beschäftigungsoffensive des Sozialministeriums sehr, sehr viel Geld investiert, um Job-Starts für Jugendliche mit Beeinträchtigungen zu ermöglichen, sie bei der Intergration am ersten Arbeitsmarkt zu unterstützen. Andererseits werde vielen Jugendlichen mit Beeinträchtigungen die Chance auf Qualifizierung und Weiterbildung untersagt, indem sie auf einen Schultyp, eben nur die polytechnische Schule, festgelegt werden.

Nach allen bisherigen Erkenntnissen und Erfahrungen von gemeinsamen Schulangeboten für behinderte und nichtbehinderte Kinder sei davon auszugehen, dass sowohl die behinderten und nichtbehinderten Kinder und Jugendlichen von einem gemeinsamen Schulangebot gleichermaßen profitieren. "Wir fordern daher die Weiterführung des integrativen Unterrichts ab der 9. Schulstufe an allen Schultypen, d.h. an allgemein- und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, an Fach- und Berufsschulen", so Brandl. Bei der Weiterführung der Integration dürfe es sich nicht um politische Machtspiele handeln, Eltern dürften nicht zum "politischen Spielball" werden, sondern gemeinsames Handeln im Sinne der behinderten Menschen sei unumgänglich. Alle anderen derzeit geplanten Vorhaben seien "reine Alibi-Handlungen", sagte Brandl abschließend. (Schluss) ps

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