LEINER FORDERT ETHISCH UNBEDENKLICHE ALTERNATIVEN ZU EMBRYONENFORSCHUNG

"Ethik und Würde des menschlichen Lebens sind grenzenlos"

Wien, 6. Juni 2001 (ÖVP-PK) "Die derzeit in Deutschland und Österreich diskutierte und in England bereits erlaubte Methode, menschliche Embryonen auch zur Gewinnung von Stammzellen und zur Erforschung menschlicher Krankheiten sowie entsprechender Therapien herzustellen und zu verwenden, berührt eine äußerst heikle ethische Frage", erklärte heute, Mittwoch, der ÖVP-Fraktionsführer im Gesundheitsausschuss Abg. Dr. Günther Leiner. ****

Im Gegensatz zum deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Klement, die sich für wissenschaftliche Forschung an Embryonen ausgesprochen haben, fordert Leiner die Förderung alternativer Methoden. "Wir stehen in einem Spannungsverhältnis zwischen der Würde und dem Schutz jedes menschlichen Individuums und der möglichen Heilung schwerster, bis heute zumeist unbehandelbarer Krankheiten", so Leiner weiter.

FRAGE DER EMBRYONENFORSCHUNG AUF EUROPÄISCHER EBENE DISKUTIEREN

In der heiklen ethischen Frage der Embryonenforschung erhofft sich Leiner Unterstützung auf europäischer Ebene. Die Europäische Ethik-Beratergruppe hat sich in ihrer Stellungnahme über "ethische Aspekte der Erforschung menschlicher Stammzellen" mit den Erwartungen, Hoffnungen und Sorgen im Zusammenhang mit den jüngsten Entdeckungen in der Stammzellenforschung befasst. Ihr erstes Ziel ist die Aufklärung der europäischen Entscheidungsträger über die ethischen Fragen bei der Wahrnehmung ihrer Kompetenzen. Die Gemeinschaft ist unter anderem zuständig für die Finanzierung durch gemeinschaftliche Forschungsrahmenprogramme und für Sicherheitsnormen zur Gewährleistung der menschlichen Gesundheit bei der Nutzung von Stammzellen zu therapeutischen Zwecken.

Die Gruppe betonte in ihrer Stellungnahme, dass "im Sinne eines auf Vorsicht ausgerichteten Vorgehens mögliche langfristige Folgen der Forschung an Stammzellen sowie deren Verwendung für den Einzelnen und die Gesellschaft in Betracht zu ziehen" sind. Ohne die vielversprechenden Aussichten der Stammzellenforschung insbesondere auf therapeutischem Gebiet zu vernachlässigen (Erforschung von Krankheiten des Menschen am Tiermodell, Kultivierung differenzierter Zelllinien zur Verwendung in pharmakologischen Studien und toxikologischen Versuchen, Einsatz von Stammzellen in der Gentherapie und schließlich - sofern realisierbar - Erzeugung von spezifischen Zelllinien zur therapeutischen Transplantation von Geweben und Organen), mahnt die Gruppe zur Zurückhaltung.

Aus diesen Gründen gelangt die Gruppe zu folgenden Empfehlungen:
- Die Gemeinschaft sollte für die Stammzellforschung, bei der alternative Quellen benutzt werden, einen besonderen Forschungshaushalt vorsehen und dabei insbesondere die Forschung an adulten Stammzellen fördern.
- Die Gemeinschaft sollte darauf achten, "dass die gewonnenen Forschungsergebnisse weit verbreitet und nicht aus kommerziellen Interessen zurückgehalten werden". (Deshalb muss die Eizellenforschung in Ländern, in denen sie zugelassen ist, einer "strengen öffentlichen Kontrolle durch eine zentralisierte Einrichtung unterstellt werden. Außerdem ist zu gewährleisten, dass Genehmigungen für derartige Forschungsarbeiten äußerst selektiv und nur im Einzelfall erteilt werden. Dabei ist für größtmögliche Transparenz Sorge zu tragen.")
- Nicht vor dem Anlaufen von Vorhaben zur Stammzellenforschung, sondern auch in der Überwachungsphase muss eine Bewertung unter ethischen Aspekten gesichert sein.
- Schließlich wäre "sicherzustellen, dass Frauen durch die Nachfrage nach überzähligen Embryonen und Eizellenspenden nicht noch mehr belastet werden, indem diese für Forschungs- und Therapiezwecke verwendet würden", wenn sie sich einer Unfruchtbarkeitsbehandlung unterziehen.

In Bezug auf die Verwendung von Stammzellen in klinischen Versuchen betont die Gruppe den Schutz der Sicherheit und Gesundheit der Patienten. Sie erinnert an das "Risiko, dass durch transplantierte Zellen Anomalien hervorgerufen oder das Entstehen von Tumoren oder Krebs begünstigt werden. Der potenzielle Nutzen für den Patienten sollte auf jeden Fall in Erwägung gezogen, jedoch nicht überbewertet werden."

"Für mich als christlichen Politiker stellt sowohl der Schutz des Menschen auch in der Frühphase seiner Existenz, als auch die menschliche Gesundheit ein hohes Gut dar." Dementsprechend wichtig sei es, in Österreich im internationalen und innerstaatlichen Kontext unter Einbindung von Ethikern, Medizinern und Theologen Positionen zu entwickeln, die den Anforderungen der jetzigen Entwicklung Rechnung tragen und helfen, ethisch einwandfrei vertretbare Methoden zu fördern, so Leiner, "denn die Ethik und die Würde des menschlichen Lebens sind grenzenlos".
(Schluss)

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